Der Vermittler
Zum Tode des Ex-Berlinale-Leiters Moritz de Hadeln
Moritz de Hadeln war ein Gentleman alter Schule. Dem am 21. Dezember 1940 in Exeter geborenen Sohn des Kunstverlegers Harry Hudson-von Hadeln, der im Namen des Weltkinos stets auch den Dialog zwischen West und Ost gefördert hatte, hatte ich als junger Journalist viel zu verdanken. Gern vermittelte er mir den Kontakt zu Weltstars. So 1993 zu Gregory Peck. Nach einem kurzen Gespräch mit dem besten Kapitän Ahab der Filmgeschichte auf dem Weg zur Pressekonferenz in der Kongresshalle (heute Haus der Kulturen der Welt) kam de Hadeln im großen Saal auf mich zu und fragte: »Haben Sie noch Zeit? Herr Peck findet Sie sehr sympathisch und würde Sie gern zum Essen einladen!« Beim anschließenden Dinner im Hotel Kempinski ließ mich de Hadeln die meiste Zeit mit Peck reden. Der schwergewichtige Commandeur dans l’Ordre des Arts et des Lettres (Verleihung 1986) widmete sich als Bonvivant lieber dem Drei-Gänge-Menü.
In Florenz aufgewachsen, studierte er später an der Pariser Sorbonne Physik und Chemie, um zu einem ausgezeichneten Fotografen zu avancieren, der in Cineastenkreisen vielbeachtete Filme drehte, darunter zusammen mit Walter Marti und Sandro Bertossa »Le Pèlé«. »Der Pilgermarsch von Sorbonne-Studenten über 60 Kilometer nach Chartres faszinierte mich, weil es jedes Jahr ein Thema gab, über das die Studenten unterwegs diskutierten«, erzählte mir de Hadeln über seinen Dokumentarfilm, für den 10.000 junge Menschen auf ihrem 60 Kilometer langen Weg von gleich vier Filmteams begleitet wurden. Von den einen als »bedeutendes Dokument des Cinéma vérité« gefeiert, das einen allgemeinen Eindruck vom »Phänomen kollektiver Begeisterung« (Freddy Buache) auf Zelluloid bannte, wurde »Le Pèlé« von anderen als »zu katholisch« beim Filmfestival von Locarno ausgepfiffen.
Ausgerechnet dort übernahm de Hadeln dann von 1972 bis 1977 die Leitung. Am längsten – in der Rekordzeit von 1980 bis 2001 – war er in der Leitungsfunktion bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin tätig. Er holte die wirklich Großen an die Spree: Claudia Cardinale, Sophia Loren, Kim Novak, Billy Wilder, Alain Delon, Elia Kazan und zuletzt Kirk Douglas. Überhaupt wurde 2001 mit der restaurierten Fassung von Stanley Kubricks »2001: Odyssee im Weltraum« in Anwesenheit der Kubrick-Familie zu de Hadelns Meisterwerk als Berlinale-Chef. »Sie erwarten von mir jetzt einige historische Worte. Sie bekommen sie nicht«, sagte der polyglotte Direktor bei seiner Abschiedsrede auf Englisch, um dann deutsch fortzufahren: »Ich habe mit meinen Mitarbeitern mein Bestes getan, und ich bin stolz, die Berlinale zu dem gemacht zu haben, was sie heute ist.« Im Anschluss blieb er als Direktor beim Filmfestival von Venedig nur zwei Jahre. Am 4. Juli ist Moritz de Hadeln im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus in Nyon gestorben.
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