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03.06.2026
- → Feuilleton
Auf dem Beifahrersitz
Die Dämonen gehen auf Reisen: André Øvredals Horrorfilm »Passenger«
Manche erinnern sich vielleicht noch an den Rummel, der zur Jahrtausendwende um »The Blair Witch Project« (1999) vom Regie- und Drehbuchgespann Daniel Myrick und Eduardo Sánchez gemacht wurde. Bereits vor Kinostart entstand die Popularität des pseudodokumentarischen Found-Footage-Films im Internet, wo – aufgrund absichtlich verbreiteter irreführender Informationen des Studios – diskutiert wurde, ob es sich um eine tatsächliche Dokumentation über eine mordende Hexe oder nur einen Spielfilm handelte. Die nur 60.000 US-Dollar teure Low-Budget-Produktion spielte dann sage und schreibe 248 Millionen US-Dollar ein. Damit ist »The Blair Witch Project« einer der Filme mit den höchsten Einnahmen im Verhältnis zu seinen Kosten.
26 Jahre später dachte sich André Øvredal wohl, es wäre wieder Zeit für einen ähnlichen Coup. Der norwegische Cineast hatte bereits 2010 den beachtlichen Fantasy-Thriller »Trollhunter« in Form einer Mockumentary gedreht und den Zuschauer mit »Scary Stories to Tell in the Dark« (2019) ebenfalls das Fürchten gelehrt, war aber mit dem Dracula-Verschnitt »Die letzte Fahrt der Demeter« (2023) auf ganzer Linie gescheitert. Bei seinem neuesten Werk »Passenger« schickte er vorab einen Trailer in Kinos und soziale Netzwerke, der es wirklich in sich hat. Eine Schrifttafel warnt darin zu Beginn: »Letztes Jahr haben über 130 Millionen Menschen einen Roadtrip gemacht. 15.400 von ihnen wurden nie wieder gesehen.«
Zwei Männer fahren dann in einem Auto über eine nächtliche, nur von den Scheinwerferkegeln erhellte Landstraße. Um sie herum nichts als dichte Baumreihen und dahinter Finsternis. Während der eine von ihnen kurz darauf im Wald eine Pinkelpause macht, hört man plötzlich die Wagenhupe. Als er zurückkommt, ist sein Freund verschwunden – bis dessen blutüberströmter Körper durch die Windschutzscheibe geschleudert wird. Der Überlebende ergreift die Flucht, wobei ihm am Wegesrand immer wieder derselbe Mann erscheint, der es sich dann dämonisch grinsend auf dem Beifahrersitz gemütlich macht.
Die eigentliche Story rückt zwei andere Protagonisten in den Vordergrund: Maddie (Lou Llobell) und Tyler (Jacob Scipio) wollen dem hektischen New Yorker Alltag entkommen und künftig mit einem zum Camper ausgebauten Transporter durchs Land reisen. Während Tyler diese Art zu leben liebt, hat Maddie ihre Zweifel an diesem Lebensstil. Als das Paar eines Nachts einem Unfallopfer helfen möchte, wird es von einem unheimlichen Wesen verfolgt.
Der Wirklichkeit gewordene Alptraum ist von André Øvredal erstklassig inszeniert. Die »Jump Scares« sind wohldosiert, und neben dem eigentlichen Soundtrack von »Hellraiser – Das Tor zur Hölle«-Komponist Christopher Young erklingt auch die spookige Version des Iggy-Pop-Klassikers »The Passenger«, die Siouxsie and the Banshees 1987 für ihr Coverversionenalbum »Through the Looking Glass« aufgenommen hatten. Inhaltlich erinnert der Schocker an das »Jeepers Creepers«-Franchise, in dem ein geflügeltes Monstrum Touristen auf abgelegenen Highways nachstellt.
Leider wird bei »Passenger« zu vieles durch Zufallsbekanntschaft Diana (Melissa Leo) erklärt, die weiß, dass Christophorus, dem Schutzheiligen aller Reisenden, ein Abgesandter des Satans gegenübergestellt ist, der für Unheil sorgt. Auch bremsen so geistreiche Dialogzeilen der Drehbuchautoren T. W. Burgess und Zachary Donohue wie »Es ist etwas Dämonisches!« »Etwas verfolgt uns!« oder »Niemand entkommt dem Passenger!« die Spannung manchmal etwas aus.
→ »Passenger«, Regie: André Øvredal, USA 2026, 94 Min., bereits angelaufen
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