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Kino

Seid umschlungen, Millionen!

Aliens sind gut, Behörden böse: Steven Spielbergs neuer Film »Disclosure Day«

Foto: Universal Studios
»Ich möchten mit Ihnen über Gott reden« – Die Labertaschen sind überall

Auf die Frage, ob wir im Universum allein sind, meint Steven Spielberg, die Antwort gefunden zu haben: »Natürlich nicht! Es gibt Milliarden Möglichkeiten für andere Lebensformen im All. Und warum sollte so eine Spezies bei einem Aufeinandertreffen unser Feind sein? Das filmisch aufzugreifen, hat mich immer wieder gereizt«, sagte er mir 2023 bei einem Berlinale-Interview im Grand-Hyatt-Hotel. In der Tat sind bei dem US-amerikanischen Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten, der Stanley Kubricks »2001: Odyssee im Weltraum« (1968) als einen »Urknall der Filmgeschichte« bezeichnet hat, die Aliens der Menschheit meist freundlich gesinnt. Mit Ausnahme seiner H.-G.-Wells-Adaption »Krieg der Welten« (2005) führen die Besucher von anderen Planeten, Sonnensystemen, Galaxien in seinen Filmen gegen die Menschen nicht viel Böses im Schilde: »Unheimliche Begegnung der dritten Art« (1977), »E. T. – Der Außerirdische« (1982) oder »A. I. – Künstliche Intelligenz« (2001), den Spielberg anstelle seines verstorbenen Freundes Kubrick inszenierte, sind cineastische Musterbeispiele einer Darstellung friedlicher Koexistenz zwischen den Welten.

Und auch bei »Disclosure Day – Tag der Wahrheit« bleibt der wohl berühmteste lebende Filmemacher dieser Vorstellung treu. Margaret Fairchild (Emily Blunt) sehnt sich als Wettermoderatorin bei einem Fernsehsender in Kansas City nach anspruchsvolleren journalistischen Aufgaben. Ihr Wunsch geht unerwartet in Erfüllung, als sie während eines Live-TV-Auftritts plötzlich von einem unerklärlichen Phänomen heimgesucht wird. Sie scheint in einer bisher unbekannten Sprache zu sprechen. Während die Behörden zu vertuschen versuchen, dass dahinter Aliens stecken könnten, will der Aktivist Dr. Daniel Kellner (Josh O’Connor) die Öffentlichkeit über die Hintergründe des Ereignisses informieren. Der Cybersicherheitsexperte war zuvor wegen eines Hackerangriffs in Haft, nun arbeitet er für die Geheimorganisation Wardex, die sämtliche Informationen über UFOs (und ihre vermeintlichen Insassen) archiviert. Noah Scanlon (Colin Firth), der Leiter besagter Organisation, steht Kellner dabei im Weg. Er möchte das Geheimwissen weiterhin verborgen halten, weil er denkt, dass die Menschheit dafür noch nicht bereit ist.

Das neueste Enthüllungsding von Steven Spielberg hat alle Zutaten, die viele seiner bisherigen Filme so erfolgreich gemacht haben: Es gibt hektische Verfolgungsjagden mit halsbrecherischen Stunts und entsprechenden Kollateralschäden; Freundschaft unter Wesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten; die Sehnsucht nach der Unschuld der Kindheit; den Wunsch, nach Hause zurückzukehren, egal, wo genau das sein mag; das Prinzip Hoffnung und nicht zuletzt einen Score von John Williams.

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Letztlich ist es wieder eine Geschichte über die Zweifel an den Verlautbarungen von Behörden, die die Gesellschaft kontrollieren wollen. Die geheimniskrämerische Marketingkampagne im Vorfeld zum Kinostart strotzt tatsächlich nur so vor Enthüllungen.

»Du hast nicht den Glauben an Gott verloren, sondern den Glauben an die Menschen«, meint Schwester Maura (Elizabeth Marvel) zu ihrer ehemaligen Novizin Jane Blankenship (Eve Hewson), die auf der Flucht vor Wardex-Agenten zusammen mit ihrem Freund Daniel Unterschlupf bei der Ordensfrau findet. Steven Spielberg jedenfalls hat weder den Glauben an Gott noch an den Homo sapiens und erst recht nicht an Außerirdische verloren. Im letzten Drittel des Films scheint sogar E. T. auferstanden, der mit einer Ode an die Empathie die Menschheit miteinander vereinen mag. Da verschmerzt man auch schlecht programmierte CGI-Tieranimationen, bei denen Vögel, Hirsche, Füchse und Waschbären gleichsam als körperliche Hüllen der Außerirdischen die Menschheit zu umarmen versuchen.

→ »Disclosure Day – Tag der Wahrheit«, Regie: Steven Spielberg, USA 2026, 145 Min., bereits angelaufen

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.06.2026, Seite 11, Feuilleton

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