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Böttcher, Hamacher, Goette

Foto: gezett/IMAGO, Rolf Hofmann/DEFA, Future Image/IMAGO
Jürgen Böttcher, Sieglinde Hamacher und Aelrun Goette (v. l.)

Schon den 90. feierte Jürgen Böttcher öffentlich, nun wird er am 8. Juli 95 und war noch am Dienstag im Potsdamer Filmmuseum zu Gast. Es lief dort sein Film »Die Mauer« (1990), in dem seine Haupttugenden zusammenfließen: der inhaltliche Zugriff auf ein alle bewegendes Thema und der ungewöhnliche Blickwinkel darauf. Der Filmemacher ist bekennender Künstler und nennt sich als Maler, der u. a. in Dresden bei Wilhelm Lachnit studierte, Strawalde nach dem Herrnhuter Ortsteil Strahwalde, in dem er aufwuchs. Beeinflusst ist der Maler und Grafiker vom Realismus wie auch vom Dadaismus, mischte Stile und Techniken geschickt, erregte damit aber gelegentlich auch Anstoß. Seine Formulierung »empörte Kleinbürgersozialisten, die sich vor den ›Spitzenfunktionären‹ voller ideologisch-ästhetischem Abscheu fast verschluckten« zitierte die jW anlässlich seines 70. Geburtstages und bezog sich insbesondere auf die Nichtzulassung seines einzigen Spielfilms »Jahrgang 45« nach dem 11. SED-Plenum im Dezember 1965. Der Berlin-Film hauchte italienischen Neorealismus. »Das war ja der erste Defa-Spielfilm, der völlig in freier Wildbahn gedreht wurde, kein Meter im Atelier, alles in authentischen Kneipen, Werkstätten, Tanzsälen usw.«, erläuterte der Filmemacher, der danach nur noch Dokumentarfilme schuf, darunter Meisterwerke wie »Wäscherinnen« (1972), »Martha« (1978), »Rangierer« (1984) und »In Georgien« (1987).

Sein Können hat Böttcher immer gern weitergegeben, schon in jungen Jahren an der Dresdner Volkshochschule. Hier unterrichtete er Sieglinde Rüger, die Bühnenbildnerin werden wollte, sich dann doch als Zeichnerin beim Defa-Trickfilmstudio bewarb, wo sie mit Werner Hamacher gemeinsam drehte und ihn dann heiratete. Erst Ende der 70er Jahre wurde Sieglinde Hamacher Trickfilmregisseurin. Was sie bei Böttcher gelernt hatte, ging ihr noch nach. So fand sie ihr Gestaltungsprinzip: »Zeichnen nur mit einem Kugelschreiber auf weißem Schreibpapier, jede Phase nur ich selbst!« Sie errang auf vielen Festivals der Welt Preise, hat auch Reglementierungen miterlebt, blieb aber unverbittert. Sie verstarb 2020.

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Dass auch gutwillige DDR-Bürger vor den Kopf gestoßen werden konnten, wenn sie ihren eigenen Lebensvorstellungen folgten, erzählte Regisseurin Aelrun Goette 2022 in dem autobiographisch grundierten Spielfilm »In einem Land, das es nicht mehr gibt« über die alternative Modeszene der DDR, in der Goette als Model arbeitete und auch die Zeitschrift Sibylle zierte. Der Film war ein Erfolg, weil er nicht in alle Klischeefallen tappte, aber auch nicht allzu tiefgründig war.

Seit 1995 drehte sie Filme, in denen sie oft komplizierten Familienkonstellationen auf den Grund ging und zahlreiche Preise dafür erhielt. Seit 2008 hat sie immer wieder Fernsehkrimis inszeniert, in denen sie Schauspielerinnen wie Ulrike Folkerts, Senta Berger und Eva Mattes in den Mittelpunkt stellte. Am Montag konnte sie ihren 60. Geburtstag feiern.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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