Jauch, Hirsch, Paryla
Es ist schon erstaunlich, dass der Sohn eines katholischen Antikommunisten ein relativ objektiv urteilender Journalist wurde, wenn auch ein konservativer. Günther Jauch hat am Montag schon die 70 erreicht und gilt in verschiedenen Umfragen als einer der beliebtesten Deutschen. Das ist nicht in erster Linie seiner journalistischen Arbeit (ab 1988 »Das aktuelle Sportstudio«, von 1990 bis 2011 »Stern TV«) zu verdanken, sondern der Tatsache, dass er bei Film und Fernsehen (in eigener Firma) das Unterhaltungsgeschäft mit Witz und Verstand betreibt. »Wer wird Millionär?« heißt nun schon seit 1999 seine Stammsendung mit höchsten Quoten, und nach der Sommerpause kann Jauch weitere Millionen scheffeln. Dabei sei nicht verschwiegen, dass der Fernsehstar sich gemeinnützig engagiert. Zum restaurativen Wiederaufbau seiner Wahlheimatstadt Potsdam mit dem Fortunaportal, dem Stadtkanal und der Garnisonkirche hat Jauch viel beigetragen.
Der Urdresdner Ernst Hirsch, der sich früh fürs Fotografieren und Filmen begeisterte, lernte ab 1950 bei Zeiss Ikon in seiner Heimatstadt und drehte im dortigen Filmstudio des Kulturbunds erste Filme, z. B. über den Zwinger sowie Schloss und Park Pillnitz, die er mit seinem Freund Herrmann Zschoche dem noch in der Probephase befindlichen Adlershofer Fernsehfunk anbot. Bis 1968 blieb er Dresdens Filmreporter für die Nachrichtensendung »Aktuelle Kamera«. Danach konnte er ein eigenes Filmstudio etablieren, und blieb thematisch der Architektur und den Kunstschätzen Dresdens treu. Seine bei der Defa begonnene Zusammenarbeit mit Peter Schamoni setzte er in München fort, ehe er 1993 in seine Heimatstadt zurückkehrte. Hier dokumentierte er in »Die steinerne Glocke« den Wiederaufbau der Frauenkirche.
Hirschs Bedeutung als Sammler historischer Filmtechnik und vor allem von alten Filmen ist nicht hoch genug einzuschätzen. Die bis ins Jahr 1903 zurückreichenden Aufnahmen stellte er in mehreren Kompilationen zusammen. Seinen 90. Geburtstag feierte er am Montag in den Technischen Sammlungen Dresden, die ihm noch bis Oktober eine umfangreiche Ausstellung widmen.
Die 90 Jahre erreichte auch der Schauspieler und Regisseur Karl Paryla, der am 14. Juli 1996 starb. Bald nach dem Beginn einer Theater- und Filmkarriere in Wien veranlasste ihn ein Gestapo-Verhör 1938, nach Zürich zu emigrieren. Nach der Rückkehr trat er 1948 der KPÖ bei, eröffnete das Neue Theater in der Scala mit einem linksorientierten Spielplan. Nach dessen behördlicher Schließung arbeitete er in Berlin (Ost), wo er 1955 den Film »Mich dürstet« nach Walter Gorrishs Vorlage über die prekäre Lage nach dem zwischenzeitlichen Sieg der Volksfront im Spanischen Krieg inszenierte. Der Wien leidenschaftlich verbunden gebliebene Künstler kehrte in den 60er Jahren in die Stadt zurück und wechselte zwischen etablierten Bühnen und provokantem Straßentheater.
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