Soziale Erfindungen
In den Siebzigern kam es im Nachgang der Studentenbewegung zu einer Vielzahl sozialer Erfindungen. Im britischen Guardian erschien wöchentlich eine Kolumne, die Erfindungen vorstellte, meist welche aus dem Erziehungsbereich. In Dänemark gründete sich während der Ölkrise die private Bildungsorganisation Tvind, deren Ideen von einer linken Gruppe in Westberlin übernommen wurden. Sie gründete in zwei leerstehenden Häusern im Wedding eine Werkschule für Heimkinder und Heimausreißer. Ihr Curriculum war von der Marcuseschen »Randgruppenstrategie« der 68er beeinflusst, es bestand u. a. aus der Renovierung der Gebäude, schließlich aus dem Ausbau eines Busses, mit dem man hernach ins Ausland zu befreundeten linken Gruppen fuhr. Anschließend beendeten die Schüler ihre Ausbildung mit einer Abschlussarbeit über die Fahrt.
Ähnliches geschah in New York mit der Gründung der First Street School in einer sogenannten Arme-Leute-Gegend. Auch auf medizinischem Gebiet kam es in den Siebzigern zu einer Reihe sozialer Erfindungen. Erinnert sei an die zahlreichen Projekte der Antipsychiatrie. Als Kritiker der Apparatemedizin und Fürsprecher und Entwickler sozialer Alternativen darf man den Philosophen Ivan Illich und den Neuropsychologen Oliver Sacks nicht vergessen.
In zahlreichen Bürgerinitiativen oder Protestgruppen sind soziale Erfindungen schlicht notwendig. Man denke an die Bürgerinitiative Grünheide, prominent geworden durch ihren Widerstand gegen den Ausbau der Tesla-Fabrik. Der Aufsatzband »Teslokratie« (Edition Nautilus, 2026) enthält die Chronologie der Aktivitäten eines Beteiligten von 2019 bis 2026. Am Ende des Bandes gibt es ein Interview mit dem Autor der »Marstrilogie«, Kim Stanley Robinson. Er sagt: »Erst durch den Gebrauch vormenschlicher Technologien haben wir uns überhaupt zu Menschen entwickelt (...). Unsere Lösungen werden immer auf die eine oder andere Art technologischer Natur sein.«
Ein solches Ingenieursdenken scheint mir, obgleich längst globalisiert, typisch amerikanisch zu sein. Zweifel am Fortschrittsbegriff sind freilich zahlreich. Mit der prominenten Wissenschaftsjournalistin und Autorin Elizabeth Kolbert könnte man sagen, es handelt sich bei den Ingenieuren »um Menschen, die Probleme zu lösen versuchen, die Menschen beim Versuch, Probleme zu lösen, geschaffen haben«. Desungeachtet gilt, dass es kluge soziale Erfindungen in der rechtslibertären Welt heute nicht eben leicht haben: Mancher fragt, was das überhaupt sein soll, soziale Medien wohl nicht. Geert Lovink sagte 2025 in seiner Antrittsvorlesung als Professor für Kunst- und Netzwerkkulturen an der Uni Amsterdam: »In den letzten zehn Jahren ist das Internet schnell vom Status, die Lösung zu sein, zu einem Teil des Problems geworden – unfähig, seine eigenen zerstörerischen Trends umzukehren«. In der Taz wurde Anfang des Jahres in einem Text über Tracking eine Tierpflegerin namens Elisa Mende zitiert, sie sagt: »Je mehr wir uns im Digitalen verbinden, desto schwerer fällt der Kontakt im Analogen.« Sicher auch ein Grund für das Verschwinden sozialer Erfindungen, die den Namen verdient haben.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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