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Venezuela

Nach dem Erdbeben

Venezuela: In den Trümmern wird weiter nach Überlebenden gesucht. Mindestens 235 Tote geborgen. Washington versucht, die Katastrophe auszunutzen

Foto: Campos/AP/dpa
Einem Erdbeben der Stärke sieben sind auch viele »erdbebensichere« Gebäude nicht gewachsen (La Guaira, 25.6.2026)

Venezuela droht nach dem Angriff des US-Militärs vom Januar durch die Folgen des verheerenden Erdbebens nun vollends in die Abhängigkeit Washingtons zu geraten. Während die Zahl der Verstorbenen und Verletzten kontinuierlich steigt – bis Freitag mittag wurden mindestens 235 Tote geborgen –, suchen Rettungskräfte in den Trümmern eingestürzter Gebäude weiter nach Überlebenden. Mehr als 40.000 Personen gelten bislang als vermisst.

Das Land war am Mittwoch kurz nacheinander von Erdstößen der Stärke 7,2 und 7,5 erschüttert worden. Bei Beben dieser Stärke stürzen laut der Richterskala die meisten Gebäude ein. »Es können Spalten im Erdreich entstehen. Auch ist mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten zu rechnen«, heißt es in einer Beschreibung bei Focus online. Geologische Dienste registrierten in den 24 Stunden nach den ersten Erschütterungen 138 Nachbeben. Das an der Küste gelegene Departamento La Guaira war am stärksten betroffen. »Einige Freunde, die dort wohnten, haben ihr Zuhause und alles verloren«, berichtete eine Kollegin aus Caracas gegenüber junge Welt.

Videos in den sozialen Medien zeigen, wie die venezolanischen Streitkräfte Ausrüstung und mobile chirurgische Einheiten in die Küstenregion verlegen. »Während internationale Medien über den Zusammenbruch der Infrastruktur in Teilen von Caracas und La Guaira berichten, begegnen die Armen- und Arbeiterviertel der Hauptstadt der Notlage mit einer Mischung aus Unsicherheit, Angst vor Nachbeben und einer starken Nachbarschaftshilfe«, berichtete das Portal Resumen Latinoamericano. Basisorganisationen sammeln Lebensmittel, Kleidung und Medikamente für obdachlos gewordene Familien und richten Notunterkünfte ein.

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Die Rettungsarbeiten werden durch Notfallteams aus zahlreichen Staaten verstärkt. Auch das Kriegsministerium in Washington kündigte Unterstützung an. Das Südkommando der US-Armee schickte das amphibische Transportschiff »USS Fort Lauderdale«, das Küstenkampfschiff »USS Billings« und »Hercules«-Transportflugzeuge. Geleitet werden die Einsätze von Generalmajor Kevin J. Jarrard vom Marine Corps, der am Donnerstag in Venezuela landete.

Trotz der Katastrophenlage hält die Regierung von Donald Trump ihre gegen das Land verhängten Sanktionen weitgehend aufrecht. Am Donnerstag erteilte das US-Finanzministerium lediglich eine bis zum 23. Oktober befristete Genehmigung für Transaktionen im Zusammenhang mit humanitärer Hilfe. Venezolanische Vermögenswerte und Bankkonten im Ausland bleiben eingefroren. Auch auf rund 4,8 Milliarden US-Dollar an Goldbeständen, die bei der Bank of England hinterlegt sind, darf Caracas nicht zugreifen.

Von westlichen Regierungen und Medien werden die dadurch verursachten Behinderungen der Erdbebenhilfe verschwiegen oder banalisiert. Statt dessen machen jene, die über Jahre durch Sanktionen und die Beschlagnahmung von Konten sowie staatlichen Goldreserven alles daran gesetzt haben, die Wirtschaft des Landes systematisch zu schwächen, nun ein vermeintlich »autoritäres Regime« für den maroden Zustand von Gebäuden und Infrastruktur verantwortlich. Der venezolanische Politologe Oscar Bravo verweist auf die dahinterstehende Logik: »Für den Imperialismus ist eine Naturkatastrophe kein Notfall, der Hilfe und die Achtung der Souveränität erfordert – sie ist ein ›Zeitfenster‹ für den institutionellen Zusammenbruch«, schrieb er im Onlineportal Aporrea.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.06.2026, Seite 7, Ausland

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