- → Ausland
Wie verteidigen Kunst und Kultur die Revolution?
Kubanische Künstler identifizieren sich mit dem Prinzip der nationalen Souveränität, erklärt Ricardo Riverón Rojas
Seit Anfang des Jahres leiden die Menschen auf Kuba noch stärker wegen der dramatisch verschärften Blockade der USA, die auch von anderen Staaten unter anderem aus Furcht vor finanziellen Sanktionen durch Washington aufrechterhalten wird. Welche Folgen hat diese Verschärfung der völkerrechtswidrigen Blockade für die Kunst und Kultur des sozialistischen Karibikstaates?
Die materiellen Auswirkungen sind enorm: Der kulturelle Austausch zwischen den Provinzen ist sehr eingeschränkt, große Events werden teilweise abgesagt. Schüler kommen nicht zum Kunst- oder Musikunterricht. Kulturabende finden bei Kerzenlicht statt oder werden mit dem LED-Licht von Handys beleuchtet.
Aber im Geiste werden Kunst und Kultur in Kuba nicht gestoppt. Kubanische Künstler werden die Kommunikation mit dem Volk nicht einstellen. Die Kultur ist die stärkste Identität des kubanischen Volkes. Die wird nicht abgeschaltet, auch wenn kein Strom da ist.
In welchen Bereichen der Kunst und Kultur arbeitet Ihre Assoziation überwiegend?
Zentral ist für uns die Literatur. Klassische Bücher in Papierform und zunehmend auch elektronische. Eine weitere wichtige Rolle spielen die Musik, das Radio und das Fernsehen sowie die plastische und visuelle Kunst. Unsere Assoziation hat Strukturen in allen Provinzen des Landes. Hier in Villa Clara sind etwa 300 der wichtigsten Künstler in unserer Provinz bei uns organisiert.
Die ultrarechten Wahlsiege in Lateinamerika – beispielsweise in Argentinien, Chile und Kolumbien – haben auch mit einem aus rechter Sicht erfolgreichen Kulturkampf zu tun. Welche Rolle spielt die Kultur in Kuba bei der Verteidigung der Revolution und der Souveränität?
Die Künste ist eine wichtige Komponente in der patriotischen, philosophischen und ideologischen Bildung. Wir arbeiten mit dem Kultusministerium zusammen, um sie gemäß der Politik nach der Revolution zugänglich zu machen. Dabei tragen wir Inhalte sowohl vom Zentrum der Provinzen in die Peripherie als auch umgekehrt. Unsere Künstler identifizieren sich mit den Prinzipien der Unabhängigkeit und der Souveränität. Es gibt eine politische Rechte in Kuba, aber die ist weder groß noch einflussreich. Die Mehrheit der Bevölkerung steht hinter der Revolution und wehrt sich gegen den Einfluss speziell des US-Imperialismus. Kunst und Kultur in Kuba sind das Fundament der Revolution und des Sozialismus. Das hat seine Gründe auch im Ursprung der Revolutionen in Kuba. Bei allen Revolutionen hier, sowohl im 20. als auch im 19. Jahrhundert, spielten Intellektuelle eine zentrale Rolle.
Welchen Stellenwert hat die Kultur in den Schulen und Universitäten?
Wie man als Schriftstellers wirkt, kann man meiner Ansicht nach nicht an der Universität lernen, sondern nur durch das eigene Schreiben. Aber ja, ab der dritten Klasse werden kulturelle Themen in den Schulen behandelt. Und das setzt sich dann in den Universitäten fort. Selbstverständlich gibt es aber auch Einflüsse durch US-amerikanische Kultur auf die Menschen in Kuba.
In kapitalistischen Ländern müssen sich Künstler auch immer an den Gesetzen des Marktes orientieren. Wie ist das in Kuba?
Zwischen 1965 und 1977 gab es kein Copyright in der Kunst. Dies wurde dann mit einem Gesetz 1977 geändert, das 2022 noch mal aktualisiert wurde. Auch in Kuba muss der Künstler von seiner Kunst leben können und sich daher am Markt orientieren. Der Zugang zu Kultur ist aber für das Volk erschwinglich und künstlerische Erziehung für Kinder in allen Bereichen kostenlos.
In einigen deutschen Medien heißt es, Kunst in Kuba werde staatlich kontrolliert und zensiert. Ist dieser Vorwurf aus Ihrer Sicht zutreffend?
Solche Vorwürfe sind Teil der Manipulation durch die Medien der Oligarchie und der Ultrarechten. Künstler werden in Kuba nicht unterdrückt und können sich frei ausdrücken. Hier sind sie sind so frei wie an jedem anderen Ort.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
