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Seit wann ist das Militär beim »Hessentag«?
Auf dem jährlichen Landesfest inszeniert sich die Bundeswehr wie auf einem Abenteuerspielplatz, sagt Monika Bootz
Am Freitag begann der jährliche »Hessentag« in Fulda – mit Militärpräsenz der Bundeswehr. Noch bis nächsten Sonntag sollen dort Kinder auf Kriegsgerät herumhopsen dürfen. Das Bündnis »Friedlicher Hessentag« hat am Sonnabend dagegen demonstriert. Was war los?
Der zehn Tage lang andauernde »Hessentag« ist alles andere als ein ausgelassenes Volksfest. Neben harmlosen Fahrgeschäften etc. präsentiert sich dort die Bundeswehr mit Panzern, Maschinengewehren, Kampfhubschraubern, mit Militärkonzert und Veteranenehrung. Sie geriert sich mit all dem Kriegsgerät, als handele es sich um einen Abenteuerspielplatz. Ulrike Eifler vom Bündnis »Gewerkschaften für den Frieden« und im Bundesvorstand der Partei Die Linke verdeutlichte bei unserer Kundgebung: Dieses Vorgehen zielt darauf, für eine Kriegstüchtigkeit aufzurüsten und die Militarisierung der Gesellschaft zu erreichen, um diese zu spalten. Alles dreht sich um »zivil-militärische Zusammenarbeit«, was tiefe Einschnitte in den Alltag der Kommunen und Sozialabbau mit sich bringt.
Durch Verspätungen der Bahn konnten Kriegsgegner nicht von Anfang an teilnehmen. War Ihr Protest dennoch erfolgreich?
Oft waren Besuchern des »Hessentags« die Ausmaße nicht bewusst, wie extrem die Bundeswehr mit Veranstaltungen und Kriegsgerät das Volksfest als eigene Werbeschau missbraucht. Man wendet sich an Schülerinnen und Schüler, die ja sowieso schon damit konfrontiert sind, dass an den Schulen »Jugendoffiziere« Einzug halten, wo sie kolportieren, welch angeblich wichtigen Beitrag das Militär für unsere Gesellschaft leistet: mitten auf einem Volksfest, das mit Fahrgeschäften der Fröhlichkeit dienen soll.
Unsere kritische Haltung dazu kam gut an. Besonders gefreut haben uns die Beiträge unserer jungen Bündnispartnerinnen und -partner: Denis vom »Schulstreik Friedberg« machte darauf aufmerksam, wie Bundeswehr-Werbung auf Lernplattformen um sich greift. Josy von der SDAJ Kassel berichtete vom Widerstand gegen die Wehrpflicht. Steven von den Jungen Linken Fulda plädierte dafür, die Interessen von Schülern und Bürgerinnen zu berücksichtigen, statt die von Politik, Rüstungskonzernen und anderen Kriegstreibern.
Bürgerliche Medien erweisen sich mitunter als aufgeschlossen gegenüber der Militarisierung der Gesellschaft. Wie war es in dem Fall?
In der Tat dürfen Generäle der Bundeswehr sie als »größte Friedensbewegung« und vermeintlichen Hort der Demokratie darstellen. Es heißt gar, das Militär schütze die Umwelt. Die »Hessenschau« des HR zitierte Generäle ausführlich zur Veranstaltung, Proteste erwähnte sie nur am Rande.
Seit wann ist die Bundeswehr beim »Hessentag« aktiv?
Der Tag geht auf den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn von der SPD zurück, der ihn 1961 als dreitägiges Fest gründete. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Ab 1972 instrumentalisierte die Landesregierung das Volksfest, um Regierungshandeln zu präsentieren. Zunächst war die Bundeswehr meist nur mit einem Festzelt präsent. Zur Wahrheit gehört, dass das Militär schon seit 1962 dabei war, um sich als zum Volk gehörig darzustellen.
Wie sehen Sie die Politik der »schwarz-roten« Regierung in Sachen Aufrüstung und Militarisierung?
Sie ignoriert den unter Mitwirkung von Antifaschisten erstellten Artikel 69 der Landesverfassung: »Hessen bekennt sich zu Frieden, Freiheit und Völkerverständigung. Der Krieg ist geächtet. Jede Handlung, die mit der Absicht vorgenommen wird, einen Krieg vorzubereiten, ist verfassungswidrig.«
Welche weiteren Aktionen plant Ihr Bündnis?
Bis Freitag zeigt die GEW in Fulda die Ausstellung »Krieg. Frieden. Ich.« Unter anderem sind dort Bilder der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus zu sehen, die das menschliche Gesicht von Konflikten sichtbar machen. Am Mittwoch zeigt der Film »Kriegskinder 1945 – Zeitzeuginnen 2025«, was es heißt, in Kriegszeiten aufzuwachsen. Wenn der »Hessentag« in Fulda vorbei ist, werden wir uns für den Friedlichen Hessentag 2027 in Idstein vorbereiten.
Monika Bootz ist Sprecherin des Bündnisses »Friedlicher Hessentag«
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