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02.06.2026
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Sind diese Camps Teil der Militarisierung?
Mit Ferienlagern wirbt die Bundeswehr gezielt unter Kindern und Jugendlichen, kritisiert Jonas Fehrenbach
Aktuell sorgt die Bundeswehr-Werbung unter Kindern wieder für Aufsehen, vor allem in Form von Feriencamps. Wie läuft das beispielsweise im schwäbischen Kellmünz ab?
In Markt Kellmünz findet seit Jahren ein Feriencamp für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren statt, organisiert von der Kommune mit Unterstützung der Bundeswehr. Der Bürgermeister dort ist ein ranghoher Reservist, außerdem hat die Stadt eine Patenkompanie aus Ulm. Die Kommune organisiert ein zweitägiges Feriencamp mit Übernachtung in der Schule, die Patenkompanie unterstützt die Betreuung der Kinder. Dabei kommen Soldaten, Militärfahrzeuge und militärisches Gerät zum Einsatz. Kinder sitzen auf Panzern, machen mit uniformierten Soldaten Schießübungen, und ein Hubschrauber landet publikumswirksam auf dem Gelände. Militär wird gezielt als etwas Spannendes, Abenteuerliches und Begeisterndes inszeniert.
Aus unserer Sicht widerspricht ein solches Camp klar dem Überwältigungsverbot des Beutelsbacher Konsenses. Wenn Grundschulkinder über Abenteuer, Gruppenerlebnisse und Militärtechnik emotional angesprochen werden und danach die Bundeswehr toll finden, findet dort gefährliche Frühmilitarisierung statt.
Diese Feriencamps sind nicht neu, aber sie werden immer stärker ausgebaut. Wie verlief die Entwicklung?
Die Antwort auf eine kleine Anfrage der Linkspartei zeigt klar, dass die Bundeswehr solche Camps seit der »Zeitenwende« deutlich ausgeweitet hat. Die Bundeswehr erklärt offen, dass diese Angebote der Nachwuchsgewinnung dienen. Wer sehen will, wie marketingaffin diese Gewinnung abläuft, muss sich nur die Social-Media- und Youtube-Kanäle der Bundeswehr anschauen. Die Anfrage legt nur die Spitze des Eisbergs offen. Erfasst wurden Camps und Freizeiten, die direkt von der Bundeswehr organisiert werden. Nicht erfasst wurden zahlreiche Veranstaltungen und Patenschaften, bei denen Kommunen oder Vereine Veranstalter sind und die Bundeswehr »nur« unterstützt – wie in Kellmünz.
Minderjährige werden in solchen Formaten emotional beeinflusst. Für die beteiligten Soldaten sind keine pädagogischen Ausbildungen vorgesehen. Es gibt keine gesonderten Kinder- und Jugendschutzkonzepte, und es sind keine Strukturen der Jugendhilfe eingebunden. Angesichts der Skandale um sexualisierte Gewalt, Sexismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus innerhalb der Bundeswehr ist dies ein unverantwortlicher staatlicher Drahtseilakt im Hinblick auf Kindeswohlgefährdung.
Betrachten Sie diese Angebote als Teil der allgemeinen Militarisierung?
Ja, eindeutig. Die Camps sind Teil gesellschaftlicher Militarisierung. Die Bundeswehr versucht längst nicht mehr, nur Erwachsene zu erreichen, sondern Kinder und Jugendliche emotional früh an militärische Strukturen zu binden. Auch bei Job- und Karrieremessen und in Schulen steigt die Präsenz der Bundeswehr drastisch. Außerdem rekrutiert Deutschland immer mehr Minderjährige und gehört damit weltweit zu den negativen Vorreitern. Während Kampagnen wie »Straight 18« und »Unter 18 nie!« ein Ende der Rekrutierung Minderjähriger fordern, baut die Bundeswehr ihre Werbung für diese Altersklasse weiter aus.
Gegen die Frühmilitarisierung formieren sich aber auch Proteste. Was sind die zentralen Kritikpunkte?
Ja, entschiedene Proteste gibt es von Friedens- und Menschenrechtsorganisationen sowie teilweise von Jugendverbänden und Gewerkschaften. Aber war es vor zehn Jahren noch skandalös, wenn kleine Kinder beim »Tag der Bundeswehr« Maschinengewehre ausprobierten, wird so etwas heute unkommentiert in der »Tagesschau« gezeigt und löst keinen gesellschaftlichen Widerspruch mehr aus. Unsere Kritik lautet: Kinder und Jugendliche dürfen nicht Ziel militärischer Rekrutierungsstrategien sein. Statt sie früh an Militär und Kriegslogik zu gewöhnen, brauchen wir pädagogische Angebote, die Konfliktlösung ohne Gewalt fördern. Uns beunruhigt, wie selbstverständlich, geschichtsvergessen und unreflektiert militärisches Denken wieder in den Alltag getragen wird.
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