Elon Musk contra EU Chips Act
US-Milliardär umgarnt niederländischen Halbleiterproduzenten ASML. Der KI-Aufbau braucht seine Produkte
Der niederländische Chipmaschinenhersteller ASML lädt seine Beschäftigten am kommenden Donnerstag zu einer betriebsinternen Technikkonferenz. Als Stargast wird Tesla-Chef Elon Musk zugeschaltet. Musk werde seine Visionen »zu KI, Robotik, Raumfahrt und Chipherstellung vorstellen«, zitiert Eindhovens Dagblad (ED). Die Chefetage von ASML findet die Rede relevant für die Belegschaft. Diese aber will ihre Zeit nicht mit den Ideen des Milliardärs vergeuden. Sie drohen der Veranstaltung fernzubleiben.
Es herrsche »die allgemeine Auffassung«, ASML solle Musk »keine Plattform bieten«, fasste ED die Stimmung zusammen. Auf der firmeninternen Austauschplattform verweisen manche Teile auf Musks Sympathie für rechte Parteien und seine reaktionären Ansichten betreffend Transgeschlechtlichkeit. »Es kann nur einen Grund dafür geben, dass ASML diesen Mann so unterstützt: ihn als Kunden zu gewinnen und alle Gegenargumente zu ignorieren«, vermutet einer.
Bei ASML ist ohnehin Druck auf dem Kessel, weil das Unternehmen bis zu 1.700 Beschäftigte entlassen will. Die Gewerkschaften verhandeln aktuell über einen Sozialplan. »Gerade in so einer Phase erwarten wir, dass ASML sorgfältig mit Entscheidungen umgeht, die Einfluss auf die Mitarbeitenden und die Arbeitskultur haben«, sagt Peter Reniers von der Gewerkschaft FNV Metaal gegenüber dem Eindhovense Dagblad. »Unserer Meinung nach gibt ASML damit ein deutliches Signal, welche Formen der Führung der Betrieb wichtig findet.« Es sei zu merken, dass das Unternehmen eine völlig andere Richtung einschlage.
ASML stellt als Monopolist bekanntlich die effizientesten Chipmaschinen der Welt her. Alle wollen sie, auch Elon Musk, der sie für seine hochtrabenden Pläne bei der Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz benötigt. Musks neustes Projekt ist »Terafab«, eine riesige Produktionsstätte im Südosten von Texas. Im Moment liegt der Bauplatz im ländlichen Grimes County noch brach, aber wenn die Fabrik fertig ist, soll dort eine Rekordzahl an KI-Chips hergestellt werden.
Musk ist felsenfest überzeugt, dass die Nachfrage nach KI-Chips schon bald das Angebot der heute bestehenden Chiphersteller wie Samsung aus Südkorea oder TSMC aus Taiwan bei weitem übersteigen wird. Selbstfahrende Autos von Tesla, im Weltall schwebende Datenzentren, sein Satellitenzweig »Starlink« oder das Raumfahrtprogramm Space X – alleine Musks Imperium wird voraussichtlich in wenigen Jahren mehr Bedarf an Chips haben, als aktuell weltweit überhaupt produziert werden. Musk rechnet mit 100 bis 200 Milliarden Chips im Jahr, die seine Firmen in Zukunft brauchen.
»Wer solche Ambitionen hegt, kommt um ASML aus Veldhoven nicht herum. Die Chipmaschinen des Unternehmens, so groß wie ein Stadtbus und mit einem Preis von jeweils mehreren hundert Millionen Euro, sind in diesem Sektor einzigartig«, urteilte die niederländische Tageszeitung Trouw am Montag. Das weiß natürlich aus Musk: ASML sei »das vielleicht wohl beste Unternehmen aus Europa«, erklärte er online unter einem Artikel der niederländischen Nachrichtenseite Nu.nl.
Für Regularien, wie sie die EU plant, zeigen die Techbosse sich weniger euphorisch. Unter anderem sollen Notfallbefugnisse die Lieferketten bei Engpässen steuern. ASML-Chef Christophe Fouquet warnte am Dienstag in der Financial Times davor, direkt in die Lieferketten der Halbleiterindustrie einzugreifen. Die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Technologien erfordere zwingend den Aufbau starker Unternehmen auf dem Kontinent. »Wenn man keine eigene Lieferkette hat, wie will man dann in die Lieferkette eingreifen?« fragte Fouquet in der Financial Times.
Aktuell ist ASML das wertvollste Unternehmen in Europa, doch machen die Niederländer nur etwa einen Prozent des Umsatzes hier. Rund 80 Prozent kommen aus Asien – obwohl ASML bezüglich China auf US-Geheiß Auflagen erfüllen muss. »Man sagt: ›Wir sollten zuerst europäische Produkte kaufen‹«, so Fouquet. Dann müsse die EU aber auf Regulierungen verzichten. ASML würde die Produktion seiner hypermodernen Lithographiemaschinen noch im laufenden Jahr gerne um 50 Prozent steigern. Der Bau einer neuen Fabrik dauere in Europa aufgrund von Planungsbeschränkungen und Genehmigungsverfahren aber gut vier Jahre. Für die Baupläne von Musk sind das keine guten Nachrichten.
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