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Niederlande

Polizeigewalt gegen Schwangere

Niederlande: Ein online zirkulierendes Video dokumentiert brutalen Einsatz in Asylzentrum

Foto: Screenshot X@gewoonmerels
Standbild aus dem Video, das den brutalen Vorfall dokumentiert

Der Vorfall hat sich bereits am 19. Mai ereignet, ist aber erst jetzt öffentlich geworden. Unter anderem der niederländische Regionalsender RTV Utrecht zeigte am Wochenende eine Videoaufnahme aus dem Zentrum für Asylsuchende (AZC) in Zeist. Darauf ist zu sehen, wie ein zunächst anscheinend friedlich verlaufender Einsatz der Polizei plötzlich eskaliert, als einer der Beamten eine hochschwangere Frau offenbar grundlos zu Boden schleudert. Sie fällt mit Rücken und Kopf auf die harten Fliesen. Die Polizei erklärt, sie habe keinen Grund, die Echtheit des Handyvideos anzuzweifeln, und hat eine Untersuchung angekündigt.

Zunächst die gute Nachricht: Die Frau brachte fünf Tage nach dem Vorfall eine gesunde Tochter zur Welt. Obwohl das Kind nach Angabe der Mutter zu früh kam, sind sie und das Baby wohlauf. Zumindest körperlich. Seelisch hat der brutale Polizeieinsatz jedoch Spuren bei der jungen Familie hinterlassen, die aus Gaza geflohen ist. »Ich will keine Aufenthaltsgenehmigung mehr von euch, behaltet sie«, sagt der 30jährige Vater auf arabisch in einer auf Instagram veröffentlichten Audiobotschaft. »Ich möchte nicht mehr in den Niederlanden leben.« Er ist eigenen Angaben zufolge aus Gaza, ob die Mutter ebenfalls Palästinenserin ist, blieb unklar.

Der Mann erklärt, über Ägypten und die Türkei ohne Einreiseerlaubnis nach Griechenland gekommen zu sein, wo er insgesamt vier Jahre lang im Gefängnis gesessen habe – zu unrecht, wie er betont. Was ihm vorgeworfen wurde, sagt er nicht. In Berlin heirateten die beiden. Sie reisten danach in die Niederlande, wo sie zweimal Asyl beantragten. Die Anträge wurden jedoch abgelehnt. Der Vater muss nun die EU verlassen und darf zwei Jahre lang nicht mehr einreisen, so das NRC Handelsblad, obwohl seine Ehefrau eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland besitzt und sie nun ein gemeinsames Kind haben.

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Aber was geschah an jenem Dienstag abend im Mai? Die Polizei erhielt gegen 21.15 Uhr einen Anruf, dass der Mann im Zimmer der Familie randalierte, gegen Tür und Fernseher trat. Er habe kurz vorher erfahren, dass sein Bruder in Gaza gestorben sei, erklärte er auf Instagram. Seine Wut richtete sich offensichtlich weder gegen seine Frau noch andere Personen. Ein Mitarbeiter des Asylzentrums informierte die kurz darauf eintreffenden zwei Polizistinnen und vier Polizisten samt scharfem Polizeihund darüber, dass er dem Mann ein Brotmesser abgenommen habe.

Am Anfang des Videos ohne Ton ist der 30jährige mit den Händen auf dem Rücken in der Hocke, das Gesicht Richtung Wand, auf dem Flur des AZC zu sehen. Seine Ehefrau steht neben ihm und spricht mit den Polizisten. Sie erzählt später, sie habe nur gebeten, ihren Mann auf die Wache begleiten zu dürfen. Das sei ihr verwehrt worden. Die Polizei gibt an, die Frau sei mehrmals aufgefordert worden, sich von ihrem Mann zu entfernen. Als sie der Aufforderung nicht nachkommt, stürzt plötzlich der Beamte, der den Polizeihund mit sich führte und sich bis dahin etwas abseits gehalten hatte, auf die Schwangere zu, reißt sie fort und schleudert sie zu Boden. Die Frau fällt dabei heftig auf Rücken und Kopf. Als der Ehemann, der sich bis dahin kooperativ verhalten hat, das mitbekommt, springt er auf und geht auf den Hundeführer los. Nach einem kurzen Handgemenge wird der Palästinenser von drei Beamten zu Boden gebracht, während zwei andere Polizisten die Frau über den Boden an den Rand des Flures schleifen – ob an den Haaren oder am Mantelkragen ist nicht eindeutig zu erkennen. Der Mann wurde festgenommen, kam nach vier Tagen aber wieder auf freien Fuß.

Angesichts des Aufruhrs in sozialen Netzwerken ist die Polizei um Schadensbegrenzung bemüht: »In einer dynamischen Situation strebten sie danach, rasch zu handeln, um die Sicherheit der Anwesenden sowie ihre eigene zu gewährleisten«, schrieb sie am Montag in einer Pressemitteilung. »Der Beamte, der die Frau am Arm packte, erkannte in jenem Moment nicht, dass sie schwanger war. Er gibt an, er hätte anders gehandelt, wäre dies der Fall gewesen.« In der Tat trug die Frau einen Mantel, der den Bauch möglicherweise bedeckte. Die Eheleute geben jedoch an, sie hätten die Polizei sofort über die Schwangerschaft der Frau in Kenntnis gesetzt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.06.2026, Seite 6, Ausland

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