China erhält essentielle Chipanlagen
Von Gerrit Hoekman
Der niederländische Chipmaschinenhersteller Advanced Semiconductor Materials Lithography (ASML) hat offenbar im vergangenen Jahr wichtige Teile seiner Maschinen an ein Forschungsinstitut der staatlichen chinesischen Firma China Electronics Technology Group Corporation (CETC) geliefert. Das ergab eine Recherche der öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung Nieuwsuur, die am Dienstag vergangener Woche veröffentlicht wurde. Der Vorgang ist bemerkenswert, weil ASMLs Maschinen zur Herstellung von Computerprozessoren strengen Exportkontrollen unterliegen. CETC seinerseits ist einer der führenden Rüstungskonzerne Chinas, der unter anderem Spitzentechnologie für Drohnen entwickelt.
Nach eigenen Angaben beherbergt das von ASML belieferte Forschungsinstitut das einzige Labor für militärische Computerchips in China und ist am chinesischen Raumfahrtprogramm sowie an der Raumstation Tiangong beteiligt. Mit den Teilen aus den Niederlanden kann das Institut laut Nieuwsuur eine wichtige Chipfertigungsanlage weiterentwickeln.
Den Recherchen zufolge hatte ASML vergangenes Jahr noch einen weiteren chinesischen Kunden, die Shenzhen International Quantum Academy, ein Forschungsinstitut für Quantentechnologie. Der militärische Nachrichtendienst der Niederlande äußert in seinem letzten Jahresbericht nachdrücklich Sorgen über Chinas Entwicklung von Quantensensorik. Der Geheimdienst fürchtet um die Schlachtfeldvorteile der eigenen U-Boot-Flotte, die durch chinesische Radargeräte auf Quantenbasis leichter zu orten wäre.
Die Maschinen von ASML dürfen nur mit Genehmigung der niederländischen Regierung das Land verlassen. Die Lieferung nach China ist sogar ganz verboten – auf intensiven Druck der USA hin. Der Grund: Die modernen Chipmaschinen von ASML sind weltweit konkurrenzlos und führen seit geraumer Zeit die Produktion von Chips der jeweils neuesten Generation an.
»Falls für eine Lieferung aus den Niederlanden Ausfuhrgenehmigungen erforderlich sind, beantragen wir diese, und die niederländische Regierung entscheidet dann, ob wir die Anforderungen erfüllen können«, antwortete ASML Anfang November auf eine diesbezügliche Presseanfrage. Lieferanten könnten nicht selbständig beurteilen, welcher Kunde möglicherweise unter Ausfuhrbeschränkungen falle, dies müssten staatliche Stellen feststellen.
Die nach China exportierten Teile seien älteren Datums und könnten bei der Produktion hochmoderner Chips keine Verwendung finden. »Im übrigen lassen sich Chips nicht mit einer einzigen ASML-Maschine produzieren; man benötigt mehrere Maschinen von verschiedenen Anbietern«, heißt es seitens des Unternehmens weiter. China könne zudem fortschrittliche Chips beispielsweise von US-Konzernen erwerben, sofern die US-Regierung dies genehmige.
Tatsächlich kündigte US-Präsident Donald Trump vergangene Woche auf seinem sozialen Netzwerk »Truth Social« an, er werde dem kalifornischen Chiphersteller Nvidia den Export des H200-KI-Chips an ausgesuchte Kunden in China erlauben – 25 Prozent des Verkaufserlöses muss Nvidia direkt an die Regierung in Washington überweisen. Die Chips werden in Taiwan hergestellt und in den USA einer Sicherheitskontrolle unterzogen.
H200 dient dem Training und Betrieb künstlicher Intelligenz und gilt als deutlich schneller als Chips aus chinesischer Eigenproduktion. Es handelt sich dabei um eine reduzierte Variante der Blackwell-Reihe, deren Spitzenmodelle nach wie vor für den US-Markt reserviert sind, wie Bloomberg berichtete. Die intensive Lobbyarbeit des Nvidia-CEOs Jensen Huang, der seit der Wahl 2024 engste Beziehungen zu Trump unterhält, zahlt sich also aus: Die strenge Exportkontrolle hinderte Nvidia bislang daran, seine KI-Chips nach China zu verkaufen – immerhin der weltgrößte Markt für Halbleiter. Die Investoren sind entsprechend begeistert, die US-amerikanischen Demokraten hatten indes Bauchschmerzen mit Blick auf die »nationale Sicherheit« – lies: (eingebildete) militärische Überlegenheit – und den technologisch-wirtschaftlichen Vorsprung.
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