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Alles Show in Madrid
Papst wettert gegen Abtreibung und wirbt zugleich für humane Migrationspolitik
Der Besuch von Papst Leo XIV. hat die spanische Politik paralysiert. Tagelang dominierte das Thema die politische Berichterstattung im Land. Rund zwei Millionen Menschen sollen laut Angaben der Stadt die öffentlichen Auftritte des Papstes in Madrid besucht haben. Dabei hat Leo die Außenpolitik von Premier Pedro Sánchez und die unter ihm durchgesetzte Legalisierung von Migranten gelobt. Das Kirchenoberhaupt besuchte eine Flüchtlingsunterkunft und erklärte, dass »jeder, der in Madrid ist, auch zu Madrid gehört«. Die Botschaft war wohl vor allem an die Ultranationalisten der Vox gerichtet. Deren Parteivorsitzender Santiago Abascal versicherte dennoch am Montag, dass Migranten im Vatikan, »die illegal einreisen, inhaftiert und deportiert werden; und genauso wollen wir es auch«.
Gleichentags soll sich der Papst mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt durch Vertreter der spanischen Kirche getroffen haben, wie mehrere Medien unter Berufung auf interne Quellen des Vatikans berichteten. Eine offizielle Mitteilung oder Stellungnahme zu dem Treffen gab es jedoch nicht. Die Aufarbeitung und Wiedergutmachung durch die Kirche kommt in Spanien weiterhin nur schleppend voran. Und das Erbe des Nationalkatholizismus der Franco-Diktatur ist noch immer präsent – auch wenn Kirche und Krone bemüht sind, es anders aussehen zu lassen. Die Fälle etwa, in denen katholische Einrichtungen während der Diktatur am Raub von Neugeborenen benachteiligter Frauen beteiligt gewesen sein sollen, bleiben weiter unaufgeklärt. Vor diesem Hintergrund zeigte sich der Sprecher des Nationalen Verbands »Geraubte Kindheit« (Asociación Nacional Infancia Robada, ANIR) gegenüber der Onlinezeitung Diario Red verärgert. Seine Organisation sei weder eingeladen noch kontaktiert worden.
Als erster Religionsführer hatte Leo am Vormittag eine Rede im spanischen Parlament gehalten. Er habe als Staatsoberhaupt des Vatikans und nicht als Oberhaupt der katholischen Kirche gesprochen, kommentierte der öffentliche Fernsehsender TVE – ein wenig überzeugender Einwand. Denn andere Staatsoberhäupter, die im Parlament in Madrid gesprochen hatten, mischten sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes ein. Der Papst dagegen nahm sich diese Freiheit: »Jedes Leben muss von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende anerkannt werden«, sagte er und kritisierte damit die jüngste Reform des Abtreibungsgesetzes sowie des Gesetzes zur Sterbehilfe, das die Regierung Sánchez auf den Weg gebracht hat.
Die Journalistin Irene Zugasti konstatierte auf X, dass der Papstbesuch vor allem von medialer Inszenierung geprägt gewesen sei. Statt der Inhalte habe die Symbolik im Vordergrund gestanden. So habe Leo Abtreibung abgelehnt oder Opfer sexualisierter Gewalt ignoriert und gleichzeitig für eine humane Migrationspolitik argumentiert oder »Techoligarchen« kritisiert – ohne für große Irritation zu sorgen. Die linke Partei Podemos blieb der Rede im Parlament fern und sah sich im nachhinein bestätigt, erklärte ein Parteisprecher am Dienstag.
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Doris Prato 10. Juni 2026 um 11:23 UhrDer Vatikan und die Kurie haben von 1937 bis 1939 die von Deutschland und Italien geförderten Franco-Faschisten aktiv bei der Niederschlagung der Volksfrontregierung unterstützt. Papst Pius XI. begrüßte den Putsch Francos und rief öffentlich zur Unterstützung seiner klerialfaschistischen Regierung auf. Acht Minister des Gotteswerkes der Kurie Opus dei traten in die Regierung des Gaudillo ein. Nach dem Sieg Francos gratulierte Pius XII. diesem offiziell in einer Botschaft und bezeichnete ihn als »erhabensten Beweis« über »die Anhänger des materialistischen Atheismus«. Ein weiteres Glückwunschtelegramm erhielt Hitler, dem der Papst »mit den besten Wünschen den Segen des Himmels und des allmächtigen Gottes« übermittelte. Zutreffend hat Carmela Negrete enthüllt, dass das Erbe des Nationalkatholizismus der Franco-Diktatur noch immer präsent ist, auch wenn Kirche und Krone bemüht sind, es anders aussehen zu lassen und ihnen dabei Leo XIV. bei seinem Besuch beisteht, und es für jeden ehrlichen Katholiken zutiefst beschämend sein müsste, dass der Papst mit keinem Wort sich für die Beteiligung der Kurie an diesem verbrecherischen Krieg und seiner Würdigung durch Pius XII. auch nur entschuldigt. Hinzu kommt, dass Leo vor Antritt seiner Reise 70 Priester, die auf der Seite der Franco-Regierung standen und teilweise Opfer religiöser Übergriffe wurden, selig gesprochen hat. Damit setzt er auch die »Tradition« fort, die bereits der deutsche Papst Benedikt XVI. betrieb, als er am 28. Oktober 2007 gleich 498 der Kreuzritter Francos selig sprach (siehe »Der andere Leo«, Junge Welt vom 28. Mai 26). Dieser Papst steht in der Tradition Pius XII, den er nach seinen bekannten Äußerungen auch selig sprechen will, und damit an der Seite des historischen Faschismus. Er ist gefährlicher als seine Vorgänger, der Pole Karol Wojtyla und der deutsche Ratzingerpapst, die ihre reaktionäre Haltung offen verkündeten, während Leo XIV., wie auch jetzt in Spanien, sie hinter seinen unverbindlichen Aufrufen zum Frieden, von Dialog und Toleranz statt Waffen und Mauern, von Menschenwürde statt Ausgrenzung und Hass verbirgt.
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