-
08.06.2026
- → Inland
Neues Zeitalter der Kriegführung
Berlin: Drohnenkonferenz »New Age Defence« bringt Rüstungsunternehmen aus BRD und Ukraine, hochrangiges Bundeswehr-Personal und »Asow«-Militärs zusammen
Mehr als vier Jahre nach der »Zeitenwende« wird nun ein neues Zeitalter der Techhochrüstung ausgerufen. »Die Geschwindigkeit moderner Kriegführung lässt keinen Raum für Rivalität«, meinen deutsche und ukrainische Rüstungsunternehmen und haben eine »New Age Defence«-Koalition geschmiedet. Diese wird am Montag in Berlin ihren ersten Kongress abhalten: Unter dem Motto »Ein ganzer Tag. Drei Zonen. Ein Ökosystem« sollen Entscheider aus der Sicherheitspolitik, Produzenten von Unmanned Aerial und Ground Vehicles (unbemannte Luft- und Bodenfahrzeuge, englisch UAV und UGV abgekürzt) und Anwender mit Ostfront-Gefechtserfahrung zusammenkommen. Die Ankündigung klingt wie Kriegsactionfilm-Promo von Warner Bros.: »Das Militär weiß, was es braucht. Der politische Wille wächst. Was fehlte, war der Moment, in dem alle drei Kräfte aufeinandertreffen, sich abstimmen und gemeinsam handeln. New Age Defence wurde geschaffen, um diesen Moment zu schaffen.«
Während die Politik mit nur einem Bundestagsabgeordneten, Bastian Ernst (CDU), sowie einigen Vertretern aus dem Baltikum schwach besetzt ist, sind das deutsche Verteidigungsministerium und die Bundeswehr unter anderem mit dem Leiter des Sonderstabs für die Ukraine, dem Chef ihres »Cyber Innovation Hubs« und einem Admiral solide vertreten. Das gilt allemal für den Bereich Kriegspropaganda – neben der ukrainischen Botschaft agieren unter anderem die Adenauer-Stiftung, Springers Politico und die PR- und Crowdfundingplattform United 24 von Präsident Selenskij als Partner.
Die Stars sind aber Top-Rüstungs- und Technologieproduzenten, die sich auf KI und Softwarelösungen für die Kriegführung mit Drohnen und Bodenrobotern spezialisiert haben: zum Beispiel Quantum Systems und Uforce sowie das 2021 von Ex-Bundeswehr-Offizieren gegründete Startup ARX Robotics und Helsing, auf dessen Website in riesigen Lettern zu lesen ist: »Zum Schutz unserer Demokratien.« Der funktioniert offenbar spätestens seit 2022 nicht mehr ohne die Unterstützung von ultrarechten Militärs aus der Ukraine. Das erst vor einem Jahr aufgestellte 3. Korps, das nach eigenen Angaben über 50 Prozent aller UGV der ukrainischen Armee verfügt, ist Avantgarde und Motor des Kriegsroboter-»New Age«. Seine Eliteeinheit, die offen nazistische 3. »Asow«-Sturmbrigade, die sich bis heute in die Tradition der Waffen-SS-Division »Galizien« stellt, gehört längst zu den Kooperationspartnern von Arx Robotics und anderen deutschen Waffenproduzenten.
Auf der Konferenz in Berlin werden Offiziere der 12. »Asow«-Spezialbrigade des 1. Korps der Nationalgarde auftreten – einer Einheit, die von westlichen Medien und Politik als »entpolitisiert« dargestellt wird, in Wirklichkeit aber bis heute das durch die Waffen-SS bekannte Wolfsangel-Symbol verwendet und auf ihren offiziellen Social-Media-Kanälen Führer der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und Hitlerkollaborateure als »Helden« verehrt. Darüber hinaus sind Vertreter der 17. Poltawska-Brigade des 2. Korps »Chartija« der Nationalgarde als Referenten angekündigt. Am 1. Januar 2026 feierte die Brigade den 117. Geburtstag der OUN-Ikone Stepan Bandera – mit der »Blut und Boden«-Fahne der Banderisten. Mit selbiger bewarb sie am 14. Oktober 2025 den »Marsch der Helden«, der seit 2005 von faschistischen Organisationen wie »Swoboda«, »UNA-UNSO« und dem »Rechten Sektor« in Kiew und anderen ukrainischen Städten zu Ehren der UPA, des bewaffneten Arms des Bandera-Flügels der OUN, veranstaltet wird. Das »Chartija«-Korps hat als Kennzeichen seines »Chorunscha«-Dienstes, Einheit für Traditionspflege und ideologisch-weltanschauliche Bildung, das »Bestie der Nation«-Logo des 1933 gegründeten faschistischen Magazins Vistnik von Dmitro Donzow, Vordenker der OUN, Vernichtungsantisemit und Übersetzer von Hitlers »Mein Kampf«, gewählt.
Für die nötige geschichtsrevisionistische Flankierung der Konferenz könnte der ebenfalls als Redner angekündigte Historiker Andreas Umland vom European Policy Institute in Kiew sorgen. Er trägt seit Jahren zur Weißwaschung der Banderisten und des »Asow«-Militärs bei und hat laut Radio Swoboda erklärt, dass dessen »Symbolik keine Ideologie mehr ausdrückt«. Mit von der Partie ist auch die Politikanalystin Jessica Berlin als Vertreterin der von American Rheinmetall Defense und anderen Ukraine-Kriegsgewinnlern finanzierten Denkfabrik Center for European Policy Analysis. Berlin hat Sowjetfahnen schwenkende Teilnehmer von Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai mit Hitleranhängern verglichen und plädiert für einen totalen Konfrontationskurs gegen »Nazirussland«.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
