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»Tag der Bundeswehr«

Kirmes mit Kriegsgerät

Kein Grund zu feiern: Hunderttausende beim »Tag der Bundeswehr«. Protestaktionen in München und NRW

Foto: Wolfgang Maria Weber/IMAGO
Kanonenfutter gesucht: Andrang am »Leopard 2« auf dem Bundeswehr-Gelände in Neubiberg bei München (6.6.2026)

Wie weit die Militarisierung der Gesellschaft schon fortgeschritten ist, zeigt sich immer am »Tag der Bundeswehr«, der am Sonnabend zum zwölften Mal ausgerichtet wurde. Mit Stolz verkündete die Bundeswehr gleichentags auf ihrer Homepage, dass mit rund 340.000 Besuchern an den zehn Standorten von Eckernförde bis München, die in diesem Jahr für den Aktionstag – Motto: »Nah dran, bereit, tapfer« – ausgewählt worden waren, »so viele wie nie« gezählt worden seien. Wenn die Truppe mit ihren Panzern protzt, Flugshows veranstaltet oder dergleichen mehr, ist das offenbar für viele mittlerweile ein ganz normales Event wie ein Konzert oder ein Kirmesbesuch mit Kind und Kegel.

Für Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) war das natürlich ein Grund zur Freude. Die Resonanz zeige, dass das Interesse an der Bundeswehr »enorm« sei, jubelte er am Nachmittag bei seinem Besuch im sachsen-anhaltinischen Weißenfels, dem größten Sanitätsstandort der Bundeswehr. Dass der »Tag der Bundeswehr« in Weißenfels mitten in der Stadt und in umliegenden Grünanlagen stattfinde, mache deutlich, so Pistorius, »wie sehr unsere Bundeswehr in die Mitte der Gesellschaft, in die Mitte unserer Städte und Gemeinden gehört«.

Am Vormittag hatte der Minister die Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München besucht. »Das Programm war vielfältig«, wusste der Bayerische Rundfunk über die dortigen Aktionen zu berichten: »Soldaten, die in ihren Gleitschirmen über dem Truppenübungsplatz zu Boden schwebten. Militärflugzeuge, die über das Gelände flogen.« Die rund 40.000 Besucher hätten Panzer, Kampfjets und Gefechtsfahrzeuge »mal aus der Nähe ansehen« können. Pistorius nutzte die Gelegenheit, um für die Aufrüstung zu werben.

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Die Demokratie brauche Schutz, und das Land müsse »in einer Zeit stabile Präsenz zeigen, in der rings um uns die Unsicherheit wächst«. Der SPD-Politiker verwies dabei auf den »russischen Angriffskrieg« in der Ukraine und die Kriege in Westasien. Dass insbesondere letztere von den Verbündeten der BRD angezettelt wurden, ließ Pistorius dabei aus. Er begrüßte statt dessen, dass die Bundeswehr im vergangenen Jahr rund 25.000 neue Soldaten habe gewinnen können, »so viele, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr«.

Neben Pistorius besuchten auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen Stellvertreter Lars Klingbeil (SPD) Standorte, die am »Tag der Bundeswehr« teilnahmen. Merz machte dem Fliegerhorst Laage in Mecklenburg-Vorpommern seine Aufwartung, Klingbeil schaute an der Panzertruppenschule im niedersächsischen Munster vorbei, er kommt aus der Region. Zu den Aktionen dort hieß es auf der Bundeswehr-Homepage: »Fallschirmsprünge, dynamische Vorführungen von Großgerät, Fernspähkräfte in ihrem ›natürlichen Habitat‹ und die Partyband des Heeresmusikkorps Hannover machten den Tag zu einem Erlebnis.«

Es gibt aber auch immer noch Menschen, die solche Vorführungen nicht für ein Erlebnis halten, jedenfalls nicht für ein erfreuliches. In Unna und in Neubiburg störten Vertreter der palästinasolidarischen Gruppe »Peacefully Against Genocide« (Friedlich gegen Völkermord) den »Tag der Bundeswehr«. An beiden Standorten kletterten Demonstranten auf Panzer und entrollten Banner mit der Aufschrift »Völkermord mit deutschen Waffen«.

In einer Mitteilung begründete die Gruppe den Protest am Sonnabend damit, dass es keinen Grund zum Feiern gebe, denn Israel begehe Völkermord mit deutschen Waffen. Die an verschiedenen Orten am »Tag der Bundeswehr« ausgestellten Panzer würden maßgeblich von Rheinmetall mitgebaut, »einem Konzern, der Waffen und Munition an Israel liefert«. Die Bundeswehr kooperiere zudem mit der israelischen Armee. »Regierung und Waffenindustrie profitieren von Krieg, Zerstörung und Völkermord. Dieses System sorgt dafür, dass das Töten von Menschen profitabler ist als friedliches Zusammenleben«, erklärte Laila Fuisz, ein Mitglied der Gruppe.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.06.2026, Seite 4, Inland

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