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Alle Vögel sind schon da
Neues von den »Angry Birds«: Anschläge auf Bahnstrecke setzen üblichen Ablauf in Gang
Es ist ein inzwischen eingespieltes Verfahren. Irgendwo in der Republik wird ein Brandanschlag auf einen Datenknoten, Stromverteiler oder Kabelschacht verübt. Kurz danach taucht beim Portal »Indymedia« ein einfältiges Bekennerschreiben auf, das umgehend für authentisch erklärt wird und dazu dient, den Anschlag auf das Konto des »Linksextremismus« zu buchen. Nächster Schritt: Politiker und Polizeilobby fordern mehr Befugnisse für Polizei und Verfassungsschutz. Nach diesem Muster werden auch die Brandanschläge auf die Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln am Freitag bearbeitet, die die Behörden einem »Kommando Angry Birds« zurechnen.
An zwei Stellen der Hauptstrecke zwischen den beiden rheinischen Städten waren am Freitag Kabel in zwei Schächten durch Feuer beschädigt worden. Wie üblich sehr zielgerichtet, wie üblich fehlt von den Tätern jede Spur. Die Strecke musste für den Zugverkehr gesperrt werden; außerdem kam es zu einem Böschungsbrand, der aber ebenso wie die Kabelbrände schnell gelöscht wurde. Am Sonnabend konnte der Verkehr nach Angaben der DB wieder freigegeben werden.
Am Sonnabend wurde dann bei »Indymedia« der Begleittext abgeladen. Ein »Bekennerschreiben Nr. 8« des »Kommando Angry Birds« – unter diesem aus einem Computerspiel entliehenen Namen wurden bereits diverse Anschläge verübt. Ob es sich immer um dieselbe Gruppe handelt, ob es überhaupt eine homogene Gruppe ist, ob die Gruppe überhaupt existiert und nicht nur eine Front für andere Akteure ist – das ist alles völlig unklar, ähnlich wie bei den »Vulkangruppen«, denen Brandanschläge in Berlin zugeschrieben werden. »Indymedia« ist ein ideales Vehikel für Desinformation unter falscher Flagge, wie zuletzt die dort plazierten bombastischen Ankündigungen gewaltsamer Proteste im Vorfeld des AfD-Parteitages gezeigt haben, die ebenfalls von rechten Medien und der Polizeilobby begierig aufgegriffen wurden.
In dem Bekennerschreiben wird eifrig Täterwissen ausgebreitet. Brandsätze seien »in einem großen Kabelschacht an der nordöstlichen Ecke der Wupperbrücke« und »auf halbem Weg zwischen Unterführung und Funkmast in einem schmaleren Schacht« deponiert worden. Zum Einsatz seien Timer sowie je ein Liter Grillanzünder gekommen.
Der politische Teil hebt auf die ökologischen Probleme der Welt ab und wirkt wie üblich wirr. Die Rede ist von einer »technologischen Eskalation«, deren Ursache wiederum »die Konkurrenz« sei. Da sich diese nicht aufheben lasse, sei die »Beseitigung der industriellen Technologie geboten«. Durch Sabotage könne dies »zur Not auch von einer kleinen Minderheit bewirkt werden«.
Es sei unmöglich, »die industriellen Produktionsketten wieder aufzubauen, wenn sie einmal vollständig zerstört wurden«. Den Pflanzen und Tieren sowie vielen Menschen werde es »dadurch sofort besser gehen«. Abschließend bemüht sich der Text um die Prägung eines Labels: »Unsere Bewegung hat viele Namen: Wir sind Industriegegner. Wir sind die Anti-Tech-Bewegung. Wir sind biozentrisch. Wir sind dunkelgrün. Wir sind die neuen Maschinenstürmer. Diese Bewegung wird verhindern, dass der Planet geschreddert wird.« Unklar bleibt, warum für die »Dunkelgrünen« der Schienenverkehr der Endgegner ist. »Sicherheitskreise« verrieten dpa, sie würden das Schreiben für »echt« halten.
NRW-Innenminister Herbert Reul war umgehend zur Stelle, um mehr Befugnisse für die Behörden zu fordern. Polizei und Verfassungsschutz bräuchten mehr Informationen aus dem Internet, »um vorbereitet zu sein und die Typen erwischen zu können«, erklärte Reul gegenüber dem WDR. »Wenn wir nicht mehr Möglichkeiten kriegen, auch im Netz Informationen beschaffen zu dürfen, dann sieht die Nummer schlecht aus«, so der CDU-Politiker.
Unter der Firma »Kommando Angry Birds« sind bereits mehrere Anschläge aktenkundig, so etwa im Juli 2025 auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg oder im Januar 2025 auf eine Güterstrecke zwischen Düsseldorf und Solingen. Wie bei den »Vulkangruppen« verlaufen die Ermittlungen der Polizei auch bei den »Angry Birds« bislang auffallend ergebnislos.
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