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Krieg gegen Palästinenser

Westbank: Vom Campus wegverhaftet

Israels Armee führt Razzien in der illegal besetzten Westbank durch. Mindestens 35 Palästinenser festgenommen, darunter zwei Profifußballspielerinnen

Foto: Inpho Photography/IMAGO
Herzlicher Empfang: das palästinensische Frauennationalteam in Dublin (12.5.2024)

Die israelische Besatzungsarmee hat am Dienstag morgen eine großangelegte Razzia und Verhaftungswelle im gesamten besetzten Westjordanland durchgeführt. Nach Angaben der Gefangenenorganisation Palestine Prisoners Society seien dabei mindestens 35 Palästinenserinnen und Palästinenser verhaftet worden. Unter ihnen sind vier Studentinnen der renommierten Universität Birzeit nördlich von Ramallah. Eine der Verhafteten, Natalie Abu Dija, studiert in Birzeit Medien und ist ehemalige Frauennationalspielerin. Abu Dija war unter anderem im Aufgebot des palästinensischen Nationalteams im Mai 2024, als der Fußballverein Bohemians Dublin das palästinensische Team zu einem Solidaritätsspiel in Dublin empfing, wie der Palästinensische Fußballverband (PFA) gegenüber jW berichtete. Bilder, die nach Abu Dijas Verhaftung auf Internetplattformen – beispielsweise Eye on Palestine – kursierten, zeigten, dass sie bis kurz vor ihrer Verhaftung an universitären Aufgaben arbeitete. Die israelische Armee hatte das Wohnheim gestürmt, in dem die Studentin lebt. Unbestätigten Berichten zufolge befindet sich Abu Dija derzeit im berüchtigten israelischen Gefängnis Ofer, aus dem immer wieder Berichte über systematische Folter an die Öffentlichkeit dringen.

Am Dienstag abend wurde außerdem die 20jährige Nationalspielerin Rand Halawani in Jerusalem festgenommen, nachdem diese zu einer Polizeistation – einem »investigation center« – in Talpijot gerufen worden war. Ein israelisches Gericht hat ihren Arrest bis Freitag verlängert. Wie der PFA gegenüber jW angab, sind die konkreten Vorwürfe gegen beide Spielerinnen noch unklar. Im Fall der 21jährigen Abu Dija aber scheint es, dass sie in Administrativhaft genommen worden ist. Hierfür bedarf es keines Gerichtsverfahrens und keiner Tatvorwürfe. Es reicht schlicht aus, dass man ihr zur Last legt, sie könne in Zukunft beabsichtigen, gegen das Gesetz zu verstoßen.

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In einer öffentlichen Stellungnahme verurteilte der PFA die Verhaftungen aufs Schärfste. Kritik übte der PFA außerdem am Weltfußballverband FIFA: »Das anhaltende Schweigen und die Untätigkeit der internationalen Fußballgemeinschaft spiegeln nicht nur eine Doppelmoral wider, sondern ermöglichen es auch, dass diese illegalen Praktiken ungestraft fortgesetzt werden.« Hiermit nimmt der PFA Bezug auf die anhaltende Weigerung des Weltfußballverbandes, den israelischen Verband für Fußballvereine in illegalen Siedlungen oder für den Genozid in Gaza zu sanktionieren, obwohl die FIFA weiterhin auf Universalität pocht und Kritiker betonen, dass Vereine in Siedlungen laut den Verbandstatuten theoretisch illegal sind. Während die Fußballweltmeisterschaft bevorsteht, kämpft der palästinensische Fußball weiter ums Überleben. Seit dem 7. Oktober 2023 ruht der Sportbetrieb.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.06.2026, Seite 6, Ausland

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