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Hoffnung auf neue Saison
Palästina: Nach drei Jahren Unterbrechung soll Fußballspielbetrieb weitergehen. Israelische Gewalt gegen Sportler lässt jedoch nicht nach
Am Sonntag haben weltweit etwa 1,5 Milliarden Zuschauer das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien verfolgt. Auch viele Menschen in Palästina sahen gebannt das entscheidende Spiel der Fußballweltmeisterschaft. Im Hebroner Hussein-bin-Ali-Stadion waren die Ränge zu Tausenden gefüllt. Das Spiel wurde im Rahmen eines kostenlosen Public Viewings übertragen. In der Stadt, die im Arabischen als Al-Khalil bekannt ist, kommt die Begeisterung nicht von ungefähr. Im September soll der seit dem 7. Oktober 2023 ruhende Spielbetrieb in Jerusalem, der Westbank und Gaza wiederaufgenommen werden, wie der Palästinensische Fußballverband (PFA) am 1. Juli mitteilte. Zwar plant der PFA vorerst einen Vorbereitungswettbewerb ohne Wertung sowie Auf- und Abstieg. Dennoch handelt es sich um einen wichtigen Schritt für eine mögliche Wiederaufnahme des Ligabetriebs im kommenden Jahr.
Erste Freundschaftsspiele haben bereits stattgefunden. Am Freitag gewann Shabab Al-Khaleel SC (Gründungsjahr 1943) gegen eine Auswahlmannschaft aus der Negevwüste mit 2:1. Die »Ultras Shababi 2021« hatten auf den Rängen des Stadions ein Transparent für den ägyptischen Trainer Hossam Hassan gezeigt und ihm für seine Solidarität mit den Palästinensern während der WM gedankt.
Doch der friedliche Schein trügt. Flächendeckende Razzien und Siedlergewalt gehören weiterhin zum Alltag. Erst am Freitag morgen war es zu Razzien der Besatzungsarmee in der Ortschaft Dschaba südwestlich von Dschenin und weiteren Orten in der Westbank gekommen. In Dschaba wurden zwei Männer festgenommen, wie die iranische Nachrichtenagentur Qods News Agency berichtete. Auch in den Zwillingsstädten Ramallah und Al-Bira kam es zu Razzien. Dabei feuerte die israelische Armee Tränengasgranaten in die Innenhöfe des »Palestine Medical Complex« in Ramallah ab, des größten staatlichen Krankenhauses in der Westbank.
Einen Tag später, am Sonnabend, erlag der 17jährige Jugendnationalspieler Fadi Al-Naasan im »Palestine Medical Center« einer Schussverletzung. Der PFA erklärte: »Al-Naasan war vor etwa einer Woche durch einen Schuss mit Explosivmunition in den Oberschenkel verletzt worden, als Besatzungstruppen in das Dorf Al-Mughajir (etwa 19 Kilometer nordöstlich von Ramallah, jW) eindrangen und Siedler einen Angriff verübten. Die Ärzte sahen sich gezwungen, ihm am vergangenen Donnerstag den Fuß zu amputieren. In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages wurde schließlich bekanntgegeben, dass er seinen Verletzungen erlegen ist und den Märtyrertod erlitten hat.« Hanan Al-Naasan, Fadis Mutter, sagte gegenüber Al-Dschasira: »Er war ein guter Schüler, sportlich begabt und spielte leidenschaftlich gern Fußball. Alle mochten ihn.« Fadi Al-Naasan spielte für den lokalen Klub seines Heimatdorfes, welches fortwährend Siedlerangriffen ausgesetzt ist.
Auch in Ramallah verfolgte man das WM-Finale bei einem Public Viewing. Doch die Übertragung wurde unterbrochen. Die Nachricht über die Ermordung des 26jährigen Ahmed Abu Mukhu und des 53jährigen Auda Farakhna aus der Stadt Deir Dscharir, zwölf Kilometer nordöstlich von Ramallah, hatte sich rasend schnell verbreitet. Wie Al-Dschasira berichtete, setzte sich die Menschenmenge zum Krankenhaus in Bewegung, um am Trauerzug teilzunehmen. Siedler hatten von einem nahegelegenen Außenposten das Dorf unter der Behauptung überfallen, gestohlenes Vieh zu suchen, wie es im Guardian hieß. Die Armee und Polizei schlossen sich ihnen »partnerschaftlich« an. Als sich Dorfbewohner versammelten, erschoss die Besatzungsarmee die beiden Männer. Weitere Angriffe dauerten noch bis nach zwei Uhr morgens an.
Das Muster gemeinsamer Angriffe durch Armee und Siedler ist wiederkehrend. Laut Palästinensischem Gesundheitsministerium sind seit Beginn des Jahres mindestens 72 Palästinenser in der Westbank durch Siedler oder israelische Streitkräfte getötet worden. Auch den Sport trifft das rücksichtslose und ungestrafte Morden: Seit dem 7. Oktober 2023 sind insgesamt 1.013 Menschen aus dem Sportbereich getötet worden. 568 von ihnen gehörten laut PFA der Fußballgemeinschaft an.
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