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04.06.2026
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Im Dienste der Zionisten
Dahlan, der ehemalige Fatah-Sicherheitschef in Gaza, soll von Israel und den USA als künftiger starker Mann in der palästinensischen Enklave auserkoren worden sein
Der Neuigkeit war ein Überraschungswert nicht abzusprechen: Am 10. Mai teilte Benjamin Netanjahus Büro ganz offiziell mit, dass der israelische Premierminister während des Krieges gegen Iran heimlich die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Abu Dhabi, besucht habe. Die Meldung enthielt nur den Sachverhalt, kein genaues Datum, keine Details. Es war eine offensichtliche Bloßstellung der Herrscherfamilie und besonders des Präsidenten Mohammed bin Sajid bin Sultan Al Nahjan. Die Emirate bestritten umgehend und kategorisch, dass dieser Besuch wirklich stattgefunden hatte.
Es folgten weitere »Enthüllungen« durch Insiderinformationen an israelische Medien: Der regulär bis Dienstag amtierende Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, soll während des Krieges mindestens zweimal, im März und April, Gespräche in Abu Dhabi geführt haben. Auch der Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, David Zini, und Armeechef Ejal Zamir hätten zusammen mit zwei anderen hochrangigen Militärs »strategische Koordinationsgespräche« in den Emiraten geführt. Auch diese Darstellungen wurden in Abu Dhabi im Ton der Entrüstung dementiert.
Am 26. Mai schließlich berichteten der israelische Staatssender KAN und die immer noch relativ kritische Tageszeitung Haaretz, dass Zini in Abu Dhabi mit dem ehemaligen Fatah-Sicherheitschef im Gazastreifen, Mohammed Dahlan, zusammengetroffen sei, der dort seit 2011 im Exil lebt. In den nächsten Tagen legte KAN nach: Schon in den vergangenen Jahren habe es mehrere Treffen Dahlans mit hochrangigen Vertretern der israelischen Streitkräfte und des Schin Bet gegeben, »um Nachkriegsszenarien für den Gazastreifen zu diskutieren«, in denen Dahlan nach israelischen und US-amerikanischen Vorstellungen eine zentrale Rolle spielen soll.
Israelische Medien behaupten, dass das im Rahmen des »Trump-Friedensplans« gebildete Verwaltungskomitee für die von Israel nicht direkt beanspruchten Reste des Gazastreifens großenteils aus Männern besteht, die Dahlan nahestehen. KAN bezeichnete diesen unter Berufung auf eine anonyme Quelle als immer noch »mächtigsten Mann im Gazastreifen« – aufgrund seiner Fähigkeit, Geld aufzubringen. Dahlan, schon vorher kein armer Mann, soll es in seiner Exilheimat zu einem Vermögen gebracht haben und über beste Beziehungen zu Reichen und Mächtigen verfügen.
Die »internationale Öffentlichkeit« wurde erstmals im Sommer 2007 auf Dahlan, den von der Autonomieregierung in Ramallah damals eingesetzten Sicherheitschef im Gazastreifen, aufmerksam. Die bekanntgewordenen Umstände ergeben, dass Dahlan zu der Zeit versuchte, dort die Hamas durch einen Putsch zu entmachten, der aber schon im Ansatz scheiterte. Zuvor war diese aus der Wahl eines palästinensischen Parlaments am 25. Januar 2006 als Siegerin hervorgegangen. Erstmals bei einer Wahl lag sie mit 44,45 Prozent vor der Fatah, die auf 41,43 Prozent kam. Deutlicher drückte sich das Ergebnis in der Zahl der Sitze aus: 75 für Hamas, 45 für Fatah. Unter starkem Druck der USA und der EU-Staaten verweigerte Präsident Mahmud Abbas eine Zusammenarbeit, so dass die Hamas praktisch gezwungen war, eine Alleinregierung zu bilden.
Auch Dahlans Putschversuch ist als Ergebnis der Einmischung des vereinten Westens zu interpretieren. Vor allem die USA hatten Abbas »ermutigt«, also mit allen verfügbaren Mitteln gezwungen, Dahlan im März 2007 trotz Widerstands der Hamas zum Leiter eines gerade gegründeten »Palästinensischen Nationalen Sicherheitsrats« zu machen. In dieser Funktion war er Kommandeur über Tausende Bewaffnete im Gazastreifen. Im April 2008 rekonstruierte die Zeitschrift Vanity Fair, dass Dahlan nach der Wahl vom Januar 2006 zur zentralen Figur eines Plans der USA geworden war, um die Hamas-Regierung zu stürzen. Dazu gehörte, dass die Ausrüstung und Ausbildung der Dahlan unterstehenden Truppen von den USA und Israel »geduldet« und unterstützt wurden. Aber die Hamas war schneller: In nur fünf Tagen, vom 10. bis zum 15. Juni 2007, setzten ihre Kämpfer sich durch. Die Fatah musste aus dem Gazastreifen abziehen.
Dahlan bezog sein neues Quartier in der Westbank. 2011 kam es zum Bruch zwischen ihm und Präsident Abbas. Gegen Dahlan wurden zahlreiche Vorwürfe im Bereich der Bestechung und des Machtmissbrauchs erhoben. Im Juni 2011 wurde er aus der Fatah ausgeschlossen. Im August 2011 wurde ihm sogar eine mögliche Vergiftung Jassir Arafats, der am 11. November 2004 gestorben war, angelastet. Rechtskräftig bewiesen wurde wenig. Ergebnis war Dahlans Flucht in die Emirate. Er soll dort »Berater« des Präsidenten geworden sein.
In israelischen und internationalen Medien erscheint Dahlan als Schlüsselfigur der Einflussnahme auf die arabischen Staaten der Region. Bei Donald Trumps 2019 verkündetem »Deal of the Century« zwischen dem Zionistenstaat und den Palästinensern soll Dahlan ebenso mitgewirkt haben wie ein Jahr später beim Abschluss der »Abraham Accords«. Mit Hilfe der von ihm gegründeten Partei »Demokratische Reformströmung« versucht er immer noch, in der palästinensischen Politik mitzumischen.
Hintergrund: Die Rolle der Emirate
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind während des am 28. Februar begonnenen Angriffskrieges der USA und Israels gegen Iran noch intensiver an diese herangerückt. Das wird sie voraussichtlich noch mehr zum Ziel iranischer Gegenschläge machen, sobald der seit dem 8. April durch eine Waffenruhe zwischen Washington und Teheran heruntergefahrene Krieg wiederaufgenommen würde.
Am Freitag vergangener Woche berichtete das Wall Street Journal, dass die Emirate sich stärker als schon bekannt an dem Angriffskrieg beteiligen. Seit dessen ersten Tagen und sogar nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe hätten die Streitkräfte der VAE »Dutzende Luftschläge« gegen Industrie-, Energie- und Infrastrukturanlagen der Islamischen Republik unternommen. Die Angriffe seien mit den USA und Israel koordiniert worden, die Daten ihrer militärischen Aufklärung zur Verfügung gestellt hätten. Die Ziele lägen auf den Inseln Keschm und Abu Musa im Persischen Golf und im Hafen Bandar Abbas. Außerdem seien die Ölraffinerien auf der Insel Lawan und der petrochemische Komplex von Asalujeh angegriffen worden, letzterer gemeinsam mit Israel.
Der Botschafter der USA in Israel, Mike Huckabee, hatte schon am 11. Mai bei einer Konferenz in Tel Aviv offen darüber gesprochen, dass die Emirate von Israel mit Batterien des Luftabwehrsystems »Iron Dome« und Personal zu dessen Bedienung unterstützt worden seien. Das zeige, so Huckabee, die Vorteile der »Abraham-Verträge«, die die VAE am 15. September 2020 gemeinsam mit Bahrain unterschrieben hatten. Am 10. Dezember 2020 hatte sich Marokko angeschlossen, während die Unterschrift Sudans am 7. Januar 2021 wegen des Bürgerkrieges keine praktische Bedeutung gewann, sondern nur konfliktverschärfend wirkte. Alle von Donald Trump »ermutigten« Versuche, weitere Staaten der Region zu Teilnehmern des Abkommens zu machen, misslangen bisher.
Huckabees Bestätigung waren Berichte unter anderem von der US-Nachrichtenagentur Axios und in der Financial Times vorausgegangen, dass Israel den Emiraten sein »Iron Beam«-System geliefert habe, das auf Lasertechnik beruht und im Betrieb wesentlich billiger ist als herkömmliche Systeme. Man spricht von drei bis vier US-Dollar pro Schuss. Falls diese Meldungen stimmen, würde es sich um die Lieferung – und Erprobung – eines Prototyps handeln, der noch nicht einmal bei den israelischen Streitkräften selbst flächendeckend im Einsatz ist. (km)
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