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04.06.2026
- → Inland
Wie hat die Uni diese Veranstaltungen vereitelt?
Die Uni Bochum hat eine »Gefährdung des Hochschulfriedens« durch Palästina-Vortragsreihen ausgemacht, erklärt Carl von Schaesberg
Sie wollten dieses Jahr an der Ruhr-Universität Bochum, RUB, zwei Vortragsreihen zu Palästina veranstalten. Was war geplant?
Wir haben für April eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel »Israeli Apartheid Week«, kurz IAW, geplant, um uns dem bundesweiten Auftakt der Academic Boycott Campaign in Deutschland anzuschließen. Für Mai war die Palästina-Gedenkwoche mit einer Veranstaltung zum Nakba-Tag am 15. Mai vorgesehen. Unser Programm umfasste wissenschaftlich fundierte Vorträge über das israelische Apartheidsystem und die Mitverantwortung deutscher Hochschulen sowie zur anhaltenden Nakba und zum palästinensischen Widerstand.
Die RUB hat beide Veranstaltungsreihen unterbunden. Wie lief das ab?
Die IAW wurde zunächst regulär genehmigt. Wenige Tage vor Beginn kam jedoch die Absage aufgrund einer angeblichen »Gefährdung des Hochschulfriedens«. Diese Einschätzung stützte sich auf den Bezug zur vermeintlich »extremistischen« BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen, jW) und auf die Sorge, dies könne irgendwie der Sicherheit schaden. Wir nahmen ein Gesprächsangebot des Rektorats an und einigten uns auf Vorgaben für unsere Veranstaltungen. Die Anmeldung der Gedenkwoche wurde dann jedoch mit Verweis auf die Anmeldefrist abgelehnt, obwohl die Veranstaltungen im Zuge der IAW bereits genehmigt und nun unter Einhaltung der Vorgaben neu angemeldet worden waren.
Das war nicht das erste Mal, dass die Uni palästinasolidarische Veranstaltungen verhindert hat.
Bereits im Dezember 2023 wurde eine Veranstaltung mit dem Titel »Stop the Genocide in Gaza!« unterbunden. Proisraelische Perspektiven sind dagegen regelmäßig am Campus vertreten: Stephan Grigat (proisraelischer Professor an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, jW) wurde 2024 erneut eingeladen, nachdem er bei einer früheren Veranstaltung bereits wegen antimuslimischer Hetze und Aussagen zu »importiertem Antisemitismus« kritisiert worden war. In Kooperation mit der Uni Köln soll auch ein Workshop mit einer ehemaligen Soldatin der israelischen Armee stattgefunden haben, die jetzt im Justizministerium Israels arbeitet. Wiederholt wurde mit Organisationen kooperiert, die den Antisemitismusbegriff instrumentalisieren, darunter die Jugendgruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, die Anti-Defamation League und die Amadeu-Antonio-Stiftung, mit der ganze Aktionswochen umgesetzt wurden. Wissenschaftlich fundierte Vorträge zu Apartheid und Völkerrecht werden als »reißerisch« diskreditiert und verboten, während Militärs und Israel-Apologeten eine Bühne bekommen.
Viele Studentinnen und Studenten rücken die Verbindung ihrer Unis mit Israel in den Fokus. Wie sieht es in Bochum aus?
Die RUB unterhält Kooperationen mit israelischen Hochschulen und beteiligt sich am Förderprogramm »Horizon Europe«, das auch israelische Militärforschung finanziert. Wir fordern daher die vollständige Offenlegung und Einstellung jeder Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie und mitschuldigen akademischen Institutionen, wie es an zahlreichen Hochschulen weltweit bereits umgesetzt wurde.
Wie werden Sie weitermachen, wenn die Uni all Ihre Veranstaltungen verbietet?
Wir geben nicht auf, wir bleiben sichtbar am Campus und vernetzen uns mit solidarischen Dozierenden und der Studierendenschaft. Aktuell sammeln wir Unterschriften für einen offenen Brief an das Rektorat. Wir fordern ein öffentliches Gespräch mit der Unileitung am 25. Juni, die Zulassung palästinasolidarischer Veranstaltungen am Campus sowie den akademischen Boykott Israels – gleichzeitig aber auch den Aufbau von Kooperationen mit palästinensischen Hochschulen, Stipendien für palästinensische Studierende im Exil und die Förderung des Wiederaufbaus von Bildung in Gaza.
So wie wir heute auf die Universitäten zurückblicken, die wirksam das südafrikanische Apartheidssystem boykottierten, so wollen wir auch künftig auf die RUB zurückblicken können, wenn Palästina befreit ist. Wir bleiben am Campus präsent, setzen den Kampf für akademische Freiheit und gegen Komplizenschaft fort und nehmen uns den Raum, der uns als Studierendenschaft zusteht.
Carl von Schaesberg ist aktiv beim Linke-Studierendenverband SDS in Bochum
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