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Freigestellter Lehrer Julian Hundt

Ist das Dienstverbot gegen Sie gerechtfertigt?

Freigestellt wegen palästinasolidarischer Aussagen: Inhaltlich hat sich an seiner Position nichts geändert, betont Julian Hundt

Foto: privat
Ein Lehrer mit Dienstverbot: Julian Hundt

Sie haben elf Jahre als Informatik- und Mathematiklehrer in Nordrhein-Westfalen und Hessen gearbeitet. Vor einem halben Jahr wurden Sie plötzlich vom Dienst freigestellt. Welche Folgen hatte das?

Mir wurde im Oktober 2025 mit sofortiger Wirkung ein Dienstverbot erteilt, und ich wurde in den Zwangsurlaub versetzt. Das bedeutet, dass ich seitdem keine Kinder und Jugendlichen mehr unterrichten darf. Dies betraf etwa 150 junge Menschen, insbesondere meine 6. Klasse, die mich unmittelbar als Klassenlehrer und Bezugsperson verloren hat. Weiterhin führte das Dienstverbot zu weiteren Stundenplan- und Personalveränderungen an meiner Schule, so dass die Kolleginnen und Kollegen Mehrarbeit bewältigen müssen.

Wie wurde Ihre Freistellung begründet?

Grund waren private Äußerungen auf Instagram, die eine scharfe Kritik sowohl an der rechtsextremen Regierung Israels unter Benjamin Netanjahu als auch an der Mittäterschaft der deutschen Bundesregierung unter Friedrich Merz enthielten. Die genauen Wortlaute möchte ich hier nicht wiederholen, da diese Gegenstand entsprechender Verfahren sind.

War Ihre Suspendierung also gerechtfertigt?

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Meine Äußerungen waren scharf und in der Sache zugespitzt. Ich würde diese heute auch nicht in dieser Form wiederholen – auch, weil ich Menschen verbinden und nicht spalten möchte. Inhaltlich hat sich an meiner Position aber nichts verändert: Ich verurteile Angriffe auf die Menschenwürde generell, weil diese unteilbar und universell für alle Menschen gelten sollte. Mein Gewissen und mein Eid verpflichten mich, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu schützen, zu verteidigen und mich solidarisch an die Seite unterdrückter Menschen zu stellen. Einigen ist offenbar unbekannt, dass das Grundgesetz und die hessische Verfassung entsprechende Klauseln enthalten, die die Wahrung des Völkerrechts beinhalten.

Sie setzen sich gegen die Freistellung zur Wehr.

Als mir meine Schulleitung am 31. Oktober 2025 die Zwangsbeurlaubung überreichen musste, war ich geschockt über die Eskalation – zumal es mit dem Schulamt zuvor keinerlei persönliches Gespräch gegeben hatte. Am Montag darauf bin ich dann zur Anwaltskanzlei gefahren und werde seitdem durch meinen Rechtsanwalt Yalçın Tekinoğlu vertreten.

Ich finde es wichtig, dass sich alle Menschen gegen jede Form von Unrecht erheben und solidarisch für Menschen eintreten, die unterdrückt werden. Mir war immer klar, dass ich einen Teil meiner Privilegien über die »Geburtenlotterie« erworben habe. Wichtig ist, sich dieser Privilegien bewusst zu werden und diese auch einzusetzen – auch so weit, dass man am Ende dieses Weges einen Teil der Privilegien verlieren könnte.

Welche Unterstützung erhalten Sie bei Ihrem rechtlichen Kampf?

Meine Rechtsschutzversicherung hat mich in dem Verfahren leider nicht unterstützt, sondern mir vorgeworfen, »Hass« im Netz verbreitet zu haben. Dass Versicherer im Versicherungsfall nicht eintreten, ist allerdings auch kein neues Phänomen. Von der Bildungsgewerkschaft GEW Hessen habe ich einen kleinen Teil der Kosten der Verfahren erstattet bekommen. Ich habe eine Spendenkampagne auf der Webseite Gofundme.com ins Leben gerufen, weil ich ernste Zukunftsängste entwickelt habe. Die Kosten für meine juristische Auseinandersetzung sind höher, als ich zu Beginn erwartet hatte. Ich habe bereits große Solidarität in Form von Spenden erhalten und werde den überschüssigen Anteil an »Ärzte ohne Grenzen« für humanitäre Aufbauarbeit im Gazastreifen spenden, die hoffentlich bald möglich wird.

Neben finanzieller Unterstützung sind jedoch die vielen Solidaritätsbekundungen, teils auch von ehemaligen Schülerinnen und Schülern, unglaublich kraftgebend. Es ist extrem wichtig, ein Netzwerk solidarischer und gut vernetzter Menschen um sich herum zu wissen, wenn man sich in einer solchen Krise befindet. Mittlerweile erfahre ich zunehmend von weiteren Menschen, die aus ähnlichen Gründen Berufsverbote oder ähnliche Repressionen erleiden. Sollten sich Menschen durch mich angesprochen fühlen, können diese sich zum Zwecke der Vernetzung gern bei mir melden.

Julian Hundt ist Lehrer aus Hessen und lebt in Rheinland-Pfalz

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.06.2026, Seite 3, Inland

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