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Pharmaindustrie

Bayer-Konzern weiter in der Krise

Aktionärsversammlung: Folgen des Monsanto-Kaufs nicht überwunden. Protest trotz rein virtueller Tagung

Foto: Bodo P. Schmitz
Obwohl die Tagung online stattfand, protestieren Aktivisten vor dem Firmensitz (Leverkusen, 24.4.2026)

Auch die diesjährige Bayer-Hauptversammlung am vergangenen Freitag stand ganz im Zeichen des »Turnarounds«. So nennt der Chemieriese den 2023 unter CEO Bill Anderson eingeleiteten Sanierungs- und Umstrukturierungskurs. Diese Kombination aus Modernisierung, Sparprogramm – inklusive der Vernichtung von 14.000 Arbeitsplätzen – und einer Imagekampagne (Motto: »Health for all, Hunger for none«) war notwendig geworden, nachdem das Pharmaunternehmen 2018 den skandalträchtigen US-Agrarkonzern Monsanto gekauft hatte.

Kurz nach dieser Übernahme wurden in den USA Klagen Zehntausender an Krebs erkrankter Farmer eingereicht, weshalb die Aktiengesellschaft Gelder in zweistelliger Milliardenhöhe zur Seite legen musste. Die Bauern führen dies auf den Unkrautvernichter Glyphosat aus dem Hause Monsanto zurück. Am Montag soll sich der Oberste Gerichtshof der USA mit den Klagen befassen. Darunter litt auch der Ruf des Konzerns, der sich seit den 1990er Jahren weitgehend auf den Gesundheitssektor konzentriert hatte. Vor diesem Hintergrund fiel der Börsenwert von Bayer von etwa 120 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015, unmittelbar vor Bekanntwerden der Übernahmepläne, auf zuletzt etwa 40 Milliarden.

Diese Krise hat der Konzern bis heute nicht überwunden, und so war die Hauptversammlung der Aktionäre geprägt von Durchhalteparolen. Den Teilhabern wurde (genau wie in den vergangenen Jahren) vorgeschlagen, nur eine gesetzliche Minimaldividende von 11 Cent pro Aktie auszuzahlen. Ein Kleinaktionär verwies als Reaktion auf das Salär von CEO Anderson, derzeit rund zwölf Millionen Euro.

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Die Tatsache, dass die diesjährige Hauptversammlung zum wiederholten Male rein virtuell stattfand, stieß einigen Anteilseignern ebenfalls sauer auf. Die zahlreichen technischen Mängel ernteten dabei Spott von seiten der Investoren, denen es wohl vor allem darum ging, vor Ort Kontakte zu knüpfen und auch mal »vertraulich« mit dem Vorstand zu sprechen. Jan Pehrke von der Aktivistengruppe »Coordination gegen Bayer-Gefahren« (CBG) zeigte sich derweil überzeugt, dass der Konzern nur deshalb nicht zur Präsenzversammlung zurückgekehrt sei, um den seit Jahrzehnten regelmäßig stattfindenden Protest vor und auf der Hauptversammlung kleinzuhalten.

Nichtsdestoweniger fanden sich Menschen zum Protest – unter anderem mittels Traktoren – vor der Konzernzentrale in Leverkusen ein. Und auch rund die Hälfte aller Wortbeiträge waren kritische Kommentare, Nachfragen und Forderungen von Vertretern der CBG, des Umweltinstituts München, der Gesellschaft für bedrohte Völker, des Bundes der Duogynon-Geschädigten (BdD) sowie der britischen NGO Share Action. Sie konfrontierten die Konzernspitze mit durch das Chemieunternehmen verursachten Umweltschäden und den Zusammenhängen zwischen Bayer-Produkten und Krankheiten wie Parkinson und Krebs oder auch Schwangerschaftskomplikationen. Immer wieder wurde Bayer damit konfrontiert, dass er Wirkstoffe, die in der EU verboten sind, weiterhin in Ländern des globalen Südens vertreibt.

Ein Schwerpunkt der Aktivisten war an diesem Freitag der Einsatz von Glyphosat als chemischer Waffe: In Brasilien wird das Gift aus der Luft versprüht, um indigene Gemeinschaften von ihrem Boden zu vertreiben. Von dort schalteten sich mit Alan Tygel und Ronaldo Barros Sodré gleich zwei Redner zu, um ihre Kritik vorzubringen. Im Südlibanon setzt die israelische Armee sowohl Glyphosat als auch weißen Phosphor ein. Letzterer stammt Berichten zufolge aus den USA, wo Bayer der einzige Produzent dieses Stoffes ist.

Der Vorstand bestritt zwar, direkt an das israelische oder das US-Militär zu verkaufen, erklärte aber, dass man aufgrund eines Dekrets von US-Präsident Donald Trump künftig verpflichtet sei, die US-Regierung zu beliefern. Von Bedauern war dabei nichts zu spüren, im Gegenteil: Wenige Minuten zuvor war die Rückendeckung Trumps noch explizit begrüßt worden. Pehrke von CBG kommentierte in seiner Wortmeldung: »So unterschiedlich diese Verfehlungen auch sind, sie eint eines: Immer handelt es sich dabei um die Nebenwirkungen einer gnadenlosen Profitjagd.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.04.2026, Seite 5, Inland

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