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WM-Kolumne

Zwick

Gras

Foto: IMAGO/WENN
Gehört auf jede Leseliste: »The Twits« von Roald Dahl

Nicht bloß Sport gucken, Sport treiben!« dekretierte die schöne Frau. Wir fuhren nach Abenberg. Im Naturbadeweiher drehte sie ihre Runden. Danach fühlte sie sich federleicht und fetafrisch.

In Rudelsdorf hielten wir am Landgasthaus Zwick. Beim Namen Zwick springe ich an. Eckhard und Regina Henscheids poetisch aus dem Ruder laufende biographische Studie »Die Zwicks – Fronvögte, Zwingherrn und Vasallen« (1995) über Eduard Zwick, den »Mount Everest« der »Bädertüchtigkeit«, ist Teil meines literarischen Hausaltars.

Zwick hatte dazumal in »unverbrüchlicher Absahngesinnung« »im Freibad Bayern« für »schweinebratenmäßige Sexualbrandungen und grauenvolle Geschlechtsüberbordungen« gesorgt, nebst der obligaten Korruption, Steuerflucht und Politikinfiltration.

Das Landgasthaus Zwick ist ein geschmackvoll renovierter alter Familienbetrieb. Die schöne Frau verspeiste standesgemäß und in eiserner Verantwortung gegenüber der Region einen perfekten und gesitteten Schweinebraten mit vorbildlich ungebundener Soße. Ich Esel schob mir einen deliziösen Burger mit vier Kilo Pommes rein (eherne Regel: einmal im Jahr Burger mit Pommes). Hinterher war mein Körper so drückend schwer wie die schwüle Luft. Ich ließ ein halbes Weizen zurückmarschieren, ich!

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Abends besuchte die schöne Frau, die nie zum Fußball geht, die Pokalpartie TSC gegen Kornburg auf dem pittoresk gelegenen Sportplatz. Ausgerechnet ein Mintal schoss die Auswärtigen zum 1:0-Sieg. Ein Mintal. Der Weltgeist neigt zu Scherzen.

Die schöne Frau war inflammiert. Durch die Nähe zu den Akteuren, die unmittelbar wahrnehmbare Physis, das nachvollziehbare Bild der taktischen Gestaltung und Variationen erschloss sich ihr das Sportspiel zum ersten Mal richtig. »Das ist viel interessanter als im Fernsehen«, sagte sie. Als Schauspielerin besitzt sie ein außerordentlich geschärftes Sensorium für menschliches Gruppengeschehen, für Grundkonstellationen und Ad-hoc-Verhalten, für Regiekonzepte und Improvisationen.

Zwei Tage zuvor hatte ich im Seven Bistro mein Schmierpapier für etwas anderes Relevantes genutzt. Tom Bartels (»Das hat er jetzt klar hinterlegt«, »Sechs Minuten sind sechs Minuten Nachspielzeit«) musste hintanstehen. Ich hatte eine Wettrunde angeregt, Einsatz pro Person: ein Euro. Die elf Euro heimste der Lerd ein (sein Tip: 2:1 Argentinien), jener Lerd, der in der Pokalsache schließlich kneifen würde.

»Na, des Spiel hat si’ rendierd«, sagte er. Und ich lese demnächst »Die Zwicks stehen Kopf« von Roald Dahl. »Aber das steht auf einem anderen Bier.« (Henscheid)

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.07.2026, Seite 11, Feuilleton

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