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Radio
Gras
Ich muss mein heutiges Thema zunächst torpedieren und in der Causa des indiskutablen Gari Paubandt nachhakeln. Ich wollte während der meisterlichen Darbietung der Spanier, die den Feuilletonmythos Frankreich destruierten, nicht mitschreiben, allein, ein paar verbale Kotzbröcklein landeten auf dem Schmierpapier: »Frankreich mit mutigem Anlaufverhalten«, »Darin liegt ein großer Schlüssel«, »Wenn’s um Kontrolle geht, dann geht’s ja auch darum, wer hat die Strippen in der Hand«, »Frankreich hat irgendwie heute nicht die Panzerknackermentalität am Start«.
Der Beweis ist seit langem erbracht: Medienkritik verfängt nicht. Die Unflatemittenten, die die sie tadelnden Interventionen tatsächlich lesen, stümpern genau deswegen mit Fleiß so weiter. Jürgen Kaube moniert den Gebrauch des Knäckebrotwortes »Spielgerät« – und der Knilch mit dem Timbre eines Achtjährigen? »Mbappé immer noch am Spielgerät.«
Same shit mit Kramy und Merty. Die beiden bombardieren die ärmlichen Residuen des Sprachgefühls: »Da treten zwei Mannschaften aufeinander«, »zu jeder Zeit den Knopf umlegen«, »dass man sich mit den Strukturen erst mal Vertrauen schenkt«. – »Desch is’ a grand Fauxpas« (Christian Anstreicher) – oder mit der schönen Frau zu schnurren: »Wenn des Deutsch is’, waaß i a net.«
Zur Sache: Das lineare Radio nutzt niemand mehr. Dafür gleichen die Gefilde der Podcasts Überschwemmungsgebieten. Heutige Medien tendieren zur Maßlosigkeit. Auf ardsounds.de schwimmen aberwitzige Mengen an stumpfen »WM-Updates« und endlos öden Hintergrundwichtigtuereien herum, bis zu Arnd Zeiglers artigen Good-Buddy-Konversationen (»Ball you need is love – Aus Liebe zum Fußball«).
Die mit eindringlichen Zeitzeugenerzählungen gespickte TV-Dokumentation »Radio Memories – Hörgeschichten aus 100 Jahren« (SR 2023) ruft in Erinnerung, was das Küchen-, das Wohnzimmer-, das Koffer- oder das Autoradio einmal bedeutete. Es war eine Musikgeschmacksprägekiste, ein fesselndes Anregungsgerät, das dich in die unbekannte Welt entführte, eine die Wahrnehmungsintensität durch Beschränkung steigernde, befreiende Vorstellungskraftquelle. Ich hörte als Kind RTL aus der Musiktruhe und Eishockeyreportagen unter der Bettdecke und in Brunssum BFBS (das Rockzeug!).
»Es war das ganz andere Leben«, sagt einer im Film. In der Lieblingsserie der schönen Frau, in »Downton Abbey«, nimmt das gerade eingeführte Radio als Ent- und Verzauberungskasten keine geringe Rolle ein.
Die berührendste Passage in »Radio Memories« ist jene, in der ein Bub schildert, wie er die samstäglichen Bundesligaübertragungen genießt: »Ich sitz’ da einfach so (…) und lehn’ mich an die Kommode an, und dann hör’ ich einfach zu.« Und währenddessen liest er die Spielzüge, die er nicht sieht.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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