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Hush
Gras
Walter van Rossum, den ich seit der letzten hervorragenden WDR-Kulturradiophase in den neunziger und den nuller Jahren kenne, war von den Kölnern vor einiger Zeit rausgeschmissen worden, weil er die Denunziationspraktiken im größten Funkhaus Europas öffentlich analysiert und überdies ein brillantes Buch über den untadeligen Herrn Drosten geschrieben hatte.
Auf manova.news betreibt er den Videopodcast »The Great Weset«. Dem Walter, der außerdem zwei medienanalytische Klassiker verantwortet, einen über die Talkshow »Sabine Christiansen« und einen über das Propagandaformat »Tagesschau«, ist der Fußball ein tiefes Rätsel. Doch in der jüngsten Folge bündelt er mit Hilfe seiner Gäste – unter ihnen der ebenfalls verfemte Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen – die üblen Misslichkeiten, die den modernen Rasensport beschweren: die Versuche, die Kontingenz auszutreiben, die Entstrukturierung des Geschehens durch VAR (Videoassistent, jW) und Hydration Breaks, die Verbetriebswirtschaftlichung sämtlicher Vorgänge und Verläufe, die umfassende Infantilisierung. Trotzdem wundere ich mich über den Titel der Sendung: »Erloschenes Fußballfieber«. Fieber erlischt nicht, es klingt ab. Feuer erlischt.
Eine feine, tröstliche Kolumne über den uns Fußballfreunde molestierenden Gari Paubandt las ich in der FAZ. Jürgen Kaube lehnte sich an den Hymnenton Klopstocks oder Hölderlins oder der Voßschen Übertragung des Homer an, um den »schrecklichen« ZDF-Mann in die Schranken zu weisen (»es fürchten dich die Götter«), den »Vollmundigen«, den in wertlose Partikeln vernarrten Phrasenknüppler, den »Herrn der scherzhaften Metapher«.
Kaubes O-Ton-Beispielen (»Du sagst nicht: ›Der Schiedsrichter lässt das Spiel laufen‹, du sagst: ›Selten wurde eine Pfeife seltener benutzt‹«; »einen Wechsel vollführen« et cetera) darf ich meine restlichen beigesellen: »zwei gezwungene Veränderungen«, »Statik pur«, »optionslos, dieser Ball«, »um offensiv mehr gefährlich zu werden«, »Offensivbeschleuniger«.
Während die Elendsfigur Gari Paubandt im Replay ihren speziell törichten Stiefel herunterschlappte (das Spiel ist mir entfallen), ging, ungelogen, unten auf der Straße ein Schulkind vorbei und schrie: »Was soll die Scheiße?!«
Ich suchte im Netz XTC raus: »Shocked me, too, the things we used to do on grass.«
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Onlineabonnent*in Franz S. aus R. 17. Juli 2026 um 10:22 UhrDa hat der »hochgebildete und kluge Kolumnist« – wie ein überschwänglicher Leser den Autor lobt – die Katze aus dem Sack gelassen. Ausgerechnet Walter van Rossum und Michael Meyen, die politisch eher zu den Querdenkern bzw. Coronaleugnern zu zählen sind, werden hier positiv erwähnt. Rossums »brillantes Buch« (Roth) »Meine Pandemie mit Professor Drosten« wird so angepriesen: »Eine altbekannte Allianz aus Seuchenwächtern, Medien, Ärzten und Pharmalobby ist auch zu Corona-Zeiten wieder am Werk (…) Zum Beispiel Prof. Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité. Ein Mann, der fast immer zur Stelle war, wenn im 21. Jahrhundert eine Pandemie aus der Taufe [!] gehoben wurde, und dessen Warnungen – manchmal bis aufs Komma gleichlautend – sich zuverlässig als falsch erwiesen (...)« Über Meyen ist im Internet zu lesen: »Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 25. Mai 2020 hat Meyen in einem von ihm herausgegebenen Blog ›Medienrealität‹ ›fragwürdigen Ansichten ein Forum‹ geboten und Ken Jebsen [siehe jW: 22.12.2017: «Ken Jebsen und Jürgen Elsässer: Der gemeinsame Feind steht links»; 24.04.2020: «Naziflüsterer des Tages: Ken Jebsen»] ›als professionellen Journalisten kennengelernt‹. Von März bis April 2023 war Meyen Mitherausgeber der Zeitung Demokratischer Widerstand, in der er bereits zuvor regelmäßig publizierte. Die Professoren des Instituts für Kommunikation und Medienforschung, an dem Meyen lehrt, nahmen diesen Schritt mit ›Erstaunen und Sorge‹ zur Kenntnis, distanzierten sich von den Positionen der Zeitung und ordneten sie als der Querdenken-Bewegung und der Neuen Rechten nahestehend ein. Die Zeitung publiziert Corona-Verschwörungsmythen, u. a. war in der Ausgabe zum dreijährigen Bestehen zu lesen: ›Im März 2020 erklärten die Regierungen der Welt der Menschheit den Krieg‹.« Fazit: Da wo es wirklich politisch wird, schweigt der angeblich so geniale Sprachkritiker Jürgen Roth vielsagend.
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Frank Graf 17. Juli 2026 um 12:05 UhrIhre Argumentationskunst ist atemberaubend: »Über Meyen ist im Internet zu lesen« – was in der Antike das Orakel von Delphi war und in der frühen Neuzeit Nostradamus, ist für Sie in unserer heruntergekommenen Gegenwart offensichtlich das sogenannte »Internet«. Schauen Sie unbedingt »im Internet« nach, was es dort etwa über die junge Welt zu lesen gibt, oder lesen Sie am besten die entsprechenden Passagen im Bericht des Inlandsgeheimdienstes: eine schlimme Zeitung, diese jW. Und wenn Sie mit dem Verfassungsschutzbericht durch sind, widmen Sie sich bitte dem »Untertan« von Heinrich Mann und Erich Fromms Arbeiten zum »autoritären Charakter« – Sie haben es nötig.
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»Schauen Sie unbedingt ›im Internet‹ nach, was es dort etwa über die junge Welt zu lesen gibt« wollen sie mich belehren. Schauen Sie in der jungen Welt nach, was es dort über Ken Jebsen - von Michael Meyen als professioneller Journalist hochgejubelt – zu lesen gibt.
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Dass Jürgen Roth ein hochgebildeter und kluger Kolumnist ist, weiß ich seit Langem. Ich schätze und genieße seine unterhaltsamen, witzigen und gründlichen Analysen zu all dem sehr, was sich aktuell in den deutschen Leitmedien rund um die Fußballweltmeisterschaften an Unsäglichem abspielt. Dennoch täte es wieder ganz gut, seine Kolumnen lesen zu können, ohne ständig ein Fremdwörterbuch, einen Englischübersetzer und ein Nachschlagewerk über Philosophie und Literaturwissenschaft dabeihaben zu müssen.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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