Kuba soll leben
Von Volker Hermsdorf
Die internationale Solidarität mit Kuba ist ein politisches Signal und zugleich auch ein Zeichen der Hoffnung, dass sich die zivilisierte Welt der kollektiven Bestrafung eines ganzen Volkes durch die imperialistischen Machthaber in Washington widersetzt. Mit ihrer Ankunft vor gut zwei Wochen zeigten die ersten Teilnehmer des Konvois »Nuestra América« der Bevölkerung des von den USA blockierten Landes und der Welt, dass Kuba nicht allein ist.
Die von Aktivisten aus 19 europäischen Ländern gebildete »Vorhut« brachte mehrere Tonnen medizinisches Material und Medikamente für Krankenhäuser in Havanna. Kurz darauf erreichten Delegationen mit Hunderten weiteren Teilnehmern aus Europa, Lateinamerika, den USA, Kanada und anderen Ländern die Insel. Im Gepäck: Lebensmittel, Photovoltaikanlagen und Hilfsmittel aller Art – dringend benötigte Güter angesichts der durch Washingtons totale Energieblockade ausgelösten Versorgungskrise. Die Unterstützer kamen per Flugzeug, mit Segelbooten und Schiffen einer Flottille, die die von der US-Regierung verhängte Blockade durchbrach. Insgesamt beteiligten sich bis Ostern mehr als 600 Aktivisten aus rund 40 Ländern an dem nach dem bekanntesten Essay von Kubas Nationalhelden José Martí benannten Solidaritätskonvoi.
»Die Solidarität mit dem kubanischen Volk macht nicht an Grenzen halt, sie überquert Ozeane«, erklärten Mitglieder der Initiative bei der Übergabe von Hilfsgütern an Einrichtungen des Gesundheitswesens. Nach ihrer Ankunft erlebten die ausländischen Aktivisten dann selbst einige konkrete Folgen der Ölblockade. Sie berichteten von Stromausfällen, die Krankenhäuser zwingen, lebenswichtige Geräte manuell zu betreiben, und von Lieferketten, die durch US-Sanktionen unterbrochen werden. Trotzdem zeige sich im Alltag eine bemerkenswerte Widerstandskraft vieler Kubaner, getragen von gegenseitiger Hilfe und internationaler Unterstützung, stellten Teilnehmer des Konvois beeindruckt fest.
Die Aktion »Nuestra América« war Auftakt einer von sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und politischen Kräften aller Kontinente getragenen weltweiten Mobilisierung – nach dem Motto »Cuba sí – Bloqueo no« – und demonstrierte zugleich die globale Ablehnung der US-Politik. »Lasst Kuba leben«, forderten Mitglieder der US-Bürgerrechtsorganisation Code Pink von Washington. Die Vertreter der Trump-Regierung reagierten mit Schikanen und versuchten, Teilnehmer des Konvois einzuschüchtern. Aktivisten berichteten von stundenlangen Verhören und der Beschlagnahmung elektronischer Geräte durch US-Zollbeamte bei ihrer Rückkehr am Flughafen Miami.
Doch trotz aller Schikanen und Drohungen des Trump-Regimes nimmt die internationale Solidarität mit Kuba weiter zu. Vor einer Woche durchbrach der mit rund 100.000 Tonnen Rohöl beladene russische Tanker »Anatoli Kolodkin« die Seeblockade der USA. Moskaus Energieminister Sergej Ziwiljow erklärte am Donnerstag, dass Russland sich darauf vorbereite, ein zweites Schiff mit Öl nach Kuba zu schicken, um die Folgen der US-Sanktionen abzufedern. »Ein russisches Schiff hat die Blockade durchbrochen. Jetzt wird das zweite beladen. Wir werden die Kubaner nicht im Stich lassen«, versicherte Ziwiljow. Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte an, die Wiederaufnahme von als humanitäre Hilfe deklarierten Öllieferungen zu prüfen.
Derweil tragen die von Teilnehmern des Solidaritätskonvois mitgebrachten Solarmodule dazu bei, erste Krankenhäuser, Gemeindezentren und Produktionsstätten mit einer autonomen Energiequelle auszustatten und deren Abhängigkeit von Treibstoff etwas zu verringern. Jede derartige Installation stärkt die Widerstandsfähigkeit Kubas. Die von Ländern wie Brasilien, Mexiko, Kolumbien oder Spanien, vor allem aber von Russland und China geleistete Hilfe sowie die materielle und politische Unterstützung der internationalen Solidaritätsbewegung helfen dabei, das Überleben der kubanischen Bevölkerung unter extrem widrigen Bedingungen zu sichern. Kuba ist nicht nur ein Land unter Belagerung, sondern auch ein Symbol für Würde und Widerstand. Kuba zu verteidigen bedeutet, die Souveränität und das Recht auf Selbstbestimmung der Völker zu verteidigen.
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