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Keine Rendite mit der Miete

Die Stadt als Beute

Mächtigste Lobbyorganisation der Wohnungswirtschaft ZIA tagt im Berliner Admiralspalast. Nachbarschafts- und Mieterinis protestieren – und fordern Vergesellschaftung von Konzernen

Foto: IMAGO/Emmanuele Contini
Gipfeltreffen der Mietpreistreiber. Tenor: Attraktive Renditeperspektiven für private Investoren!

Was für ein Gewusel: Rollkoffer klappern über das holprige Kopfsteinpflaster, Taxis blockieren im Minutentakt die Straßenbahn. Der Andrang ist enorm: dunkle Sakkos, weiße Hemden, braune Lederschuhe – eine uniforme Masse. Dienstag vormittag, kurz nach halb zehn. Direkt am S-Bahnhof Berlin-Friedrichstraße, Admiralspalast. Ein denkmalgeschütztes Theater mit mehreren Sälen.

Hier geht gleich der »Tag der Immobilienwirtschaft (TDI)« über die Bühne. Veranstalter ist der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), der mächtigste Branchenverband. Rund 1.800 »Entscheider« aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft haben ihr Kommen angekündigt – etwa Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD), CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und Arbeitgeberboss Rainer Dulger. Kurz: Gesichter der herrschenden Klasse.

Fast unbemerkt zieht ein Tross auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf. »Mehr Gegensatz zwischen uns und denen kann es kaum geben«, wird Hannah Rose von der Initiative »Pankow gegen Verdrängung« später gegenüber jW sagen. Zuvor breiten Aktivisten Transparente aus, halten Schilder hoch – darauf steht: »Wohnen darf keine Ware sein.« Oder: »Housing for people, not for profit!« Mieter- und Nachbarschaftsinis haben zur Protestkundgebung aufgerufen. Einer der Organisatoren stöpselt die mitgebrachten Boxen an, testet das Mikro. Alles funktioniert. »Keine Rendite mit der Miete«, skandiert die kleine Meute über die Straße auf die Gegenseite.

Manche blicken irritiert, andere zücken grinsend das Smartphone. Wiederum andere winken ab – genervt von den Rufen. »Ich weiß gar nicht, was die wollen, wir schaffen schließlich Wohnraum«, meint einer zu jW im Vorbeigehen. Ein weiterer: »Bevor es zur Rendite kommt, muss ich erst mal investieren.«

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Typische Aussagen typischer Branchenvertreter – und ganz auf der Linie des TDI. Denn die Bilanz der »schwarz-roten« Bundesregierung sei ernüchternd, wurde ZIA-Präsidentin Iris Schöberl in einer Mitteilung zitiert. »Viel Reformrhetorik ohne Wirkung.« Handlungsbedarf gebe es vor allem beim Wohnungsbau. Es brauche verlässliche Rahmenbedingungen, vereinfachte Verfahren, eine investitionsfreundliche Förderkulisse. Schöberl meint: »Attraktive Renditeperspektiven für private Investoren.« Schöne Aussichten für Immobilienhaie.

Rose kontert auf Nachfrage: »Auf diese Luxusscheiße haben wir überhaupt keinen Bock.« Wohnungskonzerne machten mit dem Geld der Mieterinnen und Mieter kräftig Kasse. Und Valentina Hauser vom Bündnis »Mietenwahnsinn Berlin« ergänzt: »Der Immobilienmarkt ist eine sichere Anlage in unsicheren Zeiten.« Nicht von ungefähr bleibe die Forderung, Großeigentümer von Wohnraum zu enteignen, zu vergesellschaften – abermals mittels Volksentscheid.

Bleibt die Frage, ob die Mietenbewegung nach Jahren der Auseinandersetzungen geschwächt ist. Hauser erwidert: »Rund 85 Prozent der Berlinerinnen und Berliner wohnen zur Miete, zirka 3,2 Millionen Leute.« Das sei ein Machtfaktor. Und der müsse weiter gestärkt werden. An der Basis: Hausversammlungen, Nachbarschaftstreffs, Kiezspaziergänge.

Dieser kontinuierliche Druck auf Verantwortliche hinterlasse Eindruck, weiß Hauser. Beispielsweise will die SPD Bundesländern per Gesetz ermöglichen, feste Obergrenzen für Mieten einzuführen, also einen Mietendeckel. »Das ist ein Teilerfolg«, sagt Rose. Klar ist aber: Egal, wer an der Regierung ist, die beiden Aktivistinnen setzen auf die eigene Kraft. Auf solidarische, widerständige Kerne aus der Stadtgesellschaft – die größer, die breiter werden.

Zurück zum Kontrastprogramm: halb eins mittags, »Lunch Break« im Admiralspalast. Hunderte versammeln sich im sonnendurchfluteten Hof – und netzwerken bei Häppchen. Eine dumpfe Geräuschkulisse rauscht böig an Ständen und Zelten vorbei auf das offene Straßenland. Die Protestierer sind längst abgezogen. Sie mobilisieren für ihren Großkampftag. 5. September, Demo in Berlin – Motto: »Runter mit der Miete! Her mit den Wohnungen!«

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.05.2026, Seite 1, Titel

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→ Leserbriefe
  • Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 20. Mai 2026 um 07:02 Uhr
    Der genannte Investor weiß natürlich, dass sein Auto und sein blütenweißes Hemd von den Mietern bezahlt werden. Eine repräsentative Studie ergab vor Jahren, dass weit mehr als ein Drittel der Mieteinnahmen zu Zwecken verwendet werden, die mit Wohnen und Bauen überhaupt nichts zu tun haben. Wenn in diesem Bereich etwas verlässlich funktioniert, dann sind es die Bereicherungsaussichten.
    • Reinhard Hopp aus Berlin 20. Mai 2026 um 10:28 Uhr
      Und unter einem Blackrock-Kanzler und mit seinesgleichen dürfte sich daran wohl so schnell auch kaum etwas ändern.
      • Onlineabonnent*in Franz S. aus R. 20. Mai 2026 um 14:36 Uhr
        »Blackrock-Kanzler«! Da ist er wieder, der Dauerbrenner mit der antiamerikanischen Note bei vielen Lesern. Da könnte man glatt meinen, Ausbeutung von Mietern oder Ausbeutung allgemein wäre eine US-amerikanische Erfindung.
        • Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 20. Mai 2026 um 15:08 Uhr
          Die anglo-amerikanische Version des heutigen Kapitalismus hat schon etwas Besonderes an sich. Sie ist direkter, brutaler und das Soziale spielt in ihr eine deutlich geringere Rolle als (noch) in Deutschland. Dass Blackrock Merz als Kanzler wollte und das auch durchgesetzt hat, ist eine Tatsache, keine antiamerikanische Beschimpfung. Den Antiamerikanismus holt man übrigens als Totschlagargument heute genauso oft hervor wie den angeblichen Antisemitismus von Kritikern israelischer Regierungspolitik.
          • Onlineabonnent*in Franz S. aus R. 21. Mai 2026 um 11:01 Uhr
            Der inflationäre Gebrauch des Begriffs »Blackrock-Kanzler« suggeriert, dass Blackrock quasi Deutschland beherrscht. In der KAZ Nr. 386 – Februar 2024 Artikel »Blackrock, der Allianz-Konzern und die reichsten Familien Deutschlands« ist man der Sache auf den Grund gegangen. Leseprobe: »Neben der Kapitalanlage erbringt ja das Versicherungsgeschäft als eigentliches Hauptgeschäft der Allianz weitere Erträge. Die Allianz ist so die derzeit größte Finanzinstitution in Deutschland und gerade durch seine breite Aufstellung ein weltweit relevanter Akteur. Der Börsenwert aller Allianz-Aktien liegt mit rd. 90 Milliarden Euro in ähnlicher Größenordnung wie die der Blackrock-Aktien. Der erzielte Profit (Gewinn) war bei der Allianz in den letzten Jahren jedoch regelmäßig höher als der von Blackrock (…). Blackrock lenkt nur einen geringen Teil der von ihm verwalteten Gelder nach Deutschland. Die Anleger in Deutschland geben Blackrock mehr zur Verwaltung als von Blackrock verwaltete Gelder im deutschen Kapital angelegt sind. (…) Die reichsten Familien in Deutschland sind eine sehr kleine Schicht. Wir meinen hier die etwas mehr als 200 Familien, die als Milliardäre gezählt werden. Sie sind der Kern der deutschen Monopolbourgeoisie. Ihre Stellung, ihr Billionenvermögen, ihr Kapitalexport wird durch Blackrock nicht verändert oder gar gefährdet. Aber Blackrock ist ihnen hilfreich als Ablenkung von ihrem eigenen Handeln, von ihren Verbrechen, von ihren Profiten, von dem Blut an ihren Händen. Somit steht auch am Ende dieser Betrachtung die Erkenntnis: Der Hauptfeind steht im eigenen Land und heißt deutscher Imperialismus!« Dass die Legende vom allmächtigen Blackrock-Konzern so verbreitet ist, dafür ist sicherlich auch Werner Rügemer verantwortlich. Bestseller: »Blackrock Germany. Die heimliche Weltmacht, ihre Praktiken in Deutschland und Friedrich Merz«; »Verhängnisvolle Freundschaft: Wie die USA Europa eroberten«; »BlackRock & Co. enteignen!: Auf den Spuren einer unbek. Weltmacht«
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