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18.05.2026
- → Feuilleton
Eine Legende
Am 16. Mai verstarb die Schauspielerin Angelica Domröse in ihrer Heimatstadt Berlin
Wenn Paul und Paula an ihrem kleinen Kino an der Berliner Fruchtstraße vorbeikommen, läuft dort der erotische Historienfilm »Angélique« (Bernard Borderie, 1964) mit Michèle Mercier. Doch in »Die Legende von Paul und Paula« löste 1973 mit Angelica Domröse eine neue Angélique ein ebenso großes erotisches Beben aus wie die Französin. Dass der Film heute als Kultfilm gilt, seine Aufführung damals aber auf der Kippe stand, erklärte Angelica Domröse so: »Das Neue daran war, dass es nicht um eine Frau ging, die studierte oder Doktor war oder sich qualifizieren wollte, sondern um ein einfaches Mädchen, das alle Chancen des Staates ignorierte und einen sehr persönlichen Glücksanspruch hatte.« Zwar gaben ihr Regisseur Heiner Carow und Autor Ulrich Plenzdorf hier die Filmrolle ihres Lebens, doch war sie schon zuvor ein Filmliebling, der seit den 60er Jahren immer wieder vordere Ränge bei der Umfrage nach den beliebtesten Schauspielerinnen des Jahres im Jugendmagazin Neues Leben belegte.
Die am 4. April 1941 in Berlin geborene Stenotypistin beim Außenhandel zog es früh zur Schauspielerei. Im Haus der Jungen Talente der Berliner FDJ trat sie im Theaterzirkel auf, bewarb sich erfolglos zum Schauspielstudium – »Zu jung!« – und schrieb 1958 auf eine Annonce der Defa, als Slatan Dudow eine Hauptdarstellerin für einen sozialistischen Liebesfilm suchte. Aus über 100 Bewerberinnen wählte er sie für eine Hauptrolle neben Annekathrin Bürger, Stefan Lisewski und Willi Schrade in »Verwirrung der Liebe« aus. Weil sie sich nicht auf ihre jugendliche Ausstrahlung verlassen wollte, studierte sie dann an der Babelsberger Filmhochschule, durfte weitere Filmrollen übernehmen und debütierte schließlich am Berliner Ensemble, wo sie die Polly in der »Dreigroschenoper« als ebenso naiven wie geschäftstüchtigen Backfisch spielte. An der Volksbühne wurde sie danach in einer Vielzahl von Rollen bewundert, sowohl als leichtbekleidete ägyptische Königin in Shaws »Caesar und Cleopatra«, als freche »Schöne Helena« nach Offenbach und Hacks, wie auch als minutenlang bewegungslose Statue in Gozzis »Das grüne Vögelchen«.
Von ihren zahllosen DFF-Produktionen (so 1966 im Krimi »Schatten über Notre Dame« neben ihrem damaligen Ehemann Jiří Vrštala) ist vor allem die Adaption von Fontanes »Effi Briest« (1969) in Erinnerung wie auch anspruchsvolle Mehrteiler: »Eva und Adam« (1973), »Fleur Lafontaine« (1978, neben Ehemann Nr. 2 Hilmar Thate) und »Abschied vom Frieden« (1979).
Nach kulturpolitischen Unstimmigkeiten, die mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns einsetzten, arbeiteten Domröse und Thate ab 1980 im Westen, wo Angelica Domröse nicht nur an großen Häusern in Hamburg und Wien Theater spielte, sondern auch inszenierte und ab 1992 in Berlin als Dozentin ihr Können an eine jüngere Generation weitergab. 1991 kehrte sie für Heiner Carows letzten Kinofilm »Die Verfehlung« zur Defa zurück, wurde für drei Folgen »Polizeiruf«-Kommissarin und nahm mit der Komödie »Bis zum Horizont, dann links!« 2012 Abschied von ihrem Beruf. Zehn Jahre nach ihrem Mann Hilmar starb sie am vergangenen Freitag kurz nach ihrem 85. Geburtstag in Berlin.
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