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Festivalfilm

Verständigung ist möglich

Das trinationale Neiße-Filmfestival zum 23. Mal in der Dreiländerregion

Foto: Schuldenberg Films
Der Tod als Ausgangspunkt (Filmszene aus »Noah« von Ali Tamin)

»Zittau würde Ursu wählen!« So plakatierte das Bündnis Demokratische Oberlausitz in der Hochschulstadt anlässlich der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in der Kreisstadt Görlitz für den Amtsinhaber Octavian Ursu (CDU), der sich letztlich per Briefwahlstimmen gegen seinen AfD-Herausforderer behaupten konnte.

Erleichterung herrschte darüber bei der Leitung des Neiße-Filmfestivals (NFF) in Großhennersdorf, das zum 23. Mal nicht nur in Zittau und Görlitz, sondern an insgesamt elf Spielstätten in der Lausitz und den angrenzenden Regionen in Polen und Tschechien ausgetragen wurde. Im trinationalen Wettbewerb um die Trophäen, die neu gestalteten Neißefische, traten Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme von jungen Filmemachern an, wobei hier letztere betrachtet werden.

Unter dem Festivalmitbegründer Andreas Friedrich und dem neuen Kochef Clemens Meyer (nicht identisch mit dem Schriftsteller) wurde ein thematisch anspruchsvolles Programm (einschließlich mehrerer Nebenreihen) zusammengestellt, das soziale Probleme der Gegenwart in den Mittelpunkt rückte: Ausbeutung, Identitätsdiebstahl, Bürokratie, Trauer um geliebte Menschen, Fremdsein, Suchtkrankheit, Umweltzerstörung, Geschäftemacherei im Kampfsport, Polizeigewalt gegen Ausländer.

Wohin die Reise geht, deutete der Streifen »Etwas ganz Besonderes« von Eva Trobisch an, der zur Eröffnung im Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater lief. Wir erleben eine Familie in Greiz, in der alle aneinander vorbeireden, sich gegenseitig Vorwürfe machen und offenbar nur notdürftig miteinander auskommen, das Ganze immer wieder im Halbdunkel gefilmt. Nur manchmal setzt Kameramann Adrian Campean Gesichter oder Gegenstände ins Licht, was von der Schnittmeisterin Laura Lauzemis nach Sekunden unbarmherzig unterbunden wird. Modischerweise fehlt ein Vorspann, so dass man die schemenhaften Schauspieler wie Eva Löbau oder Max Riemelt an den Stimmen identifizieren musste.

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Böse ist auch der episodische Film »Noah« von Ali Tamin, zwar im reinen Filmhandwerk erfreulicher gestaltet, der aber ausgehend vom Tod eines Ausländers bei einem Polizeieinsatz in Berlin die Unversöhnlichkeit von Deutschen und Zuwanderern propagiert. Verständigung ist unmöglich.

Hoffnung lässt der polnische Film »Capo« von Robert Kwilman, der nach persönlichen Erfahrungen von einem kolumbianischen Vorarbeiter erzählt, der mithilft, illegal angeworbene lateinamerikanische Arbeitskräfte in einer (der Firma Tönnies vergleichbaren) polnischen Großfleischerei auszubeuten. Der Mann wandelt sich, aber der Schluss bleibt offen. Auf der Abschlussveranstaltung im tschechischen Varnsdorf erhielt der Beitrag den Spezialpreis des Festivals, weil er sich »im besonderen dem Verständnis für die kulturellen und ethnischen Unterschiede verschiedener Länder« widmet.

Einer der wenigen Wettbewerbsfilme, der eine fast französisch anmutende Leichtigkeit zeigte, erhielt einen Preis für das beste Drehbuch. Den konnten die Regisseurin Emi Buchwald und Karol Maczek für den polnischen Alltagsfilm »Keine Geister in der Dobrastraße« (Nie ma duchów w mieszkaniu na Dobrej) für sich verbuchen. Vier Geschwister um die 20 halten trotz aller Differenzen zusammen und besuchen ab und an die elterliche Wohnung, in der es spuken soll.

Beim NFF wurden auch Publikumspreise vergeben. Erfreulich, dass eine konsequent erzählte Parabel um das gegenseitige Fremdeln eines Heimkehrers und seiner Gemeinschaft, eine Insel in vorindustrieller Zeit, vom Publikum in der Sparte Spielfilm gekürt wurde. Debütant Kai Stänicke hat in »Der Heimatlose« ein starkes Gespür für menschliches Verhalten mit vielen Umschwüngen bewiesen und eine überhöhte Filmsprache entwickelt. Die Festivaljury zeichnete auch Szenenbildner Seth Turner aus und betonte: »Durch Setdesign, Raumgestaltung und künstlerische szenische Umsetzung entsteht ein eindrucksvolles Gefühl von Transformation – zwischen Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit.«

Dieser, wie auch andere Filme, die auf dem NFF zu begutachten waren, wird schon bald den Weg in die deutschen Kinos finden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.06.2026, Seite 10, Feuilleton

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