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18.05.2026
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Antiterrorkampf trifft Zivilisten
Nigeria feiert sich mit US-Militär für Tötung von führendem Dschihadisten. Dutzende zivile Opfer nach Luftangriffen der nigerianischen Streitkräfte interessieren weniger
Das US-Militär hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump in Zusammenarbeit mit den nigerianischen Streitkräften einen ranghohen Kommandeur des sogenannten Islamischen Staats (IS) getötet. Bei dem Angriff, der am Freitag abend erfolgte, wurde demnach Abu Bilal Al-Minuki getötet. Trump bezeichnete ihn auf seiner Plattform »Truth Social« als »die weltweite Nummer zwei des IS« und den »aktivsten Terroristen der Welt«. Die Operation sei auf Grundlage präziser Geheimdienstinformationen durchgeführt worden. Durch die Tötung Al-Minukis seien die weltweiten Einsätze des IS »massiv geschwächt« worden, schrieb Trump. Der nigerianische Präsident Bola Ahmed Tinubu bezeichnete den Angriff auf X als »ein bedeutendes Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus«.
Die nigerianischen Streitkräfte kämpfen bereits seit mehr als 15 Jahren vor allem im Nordosten des Landes gegen dschihadistische Gruppierungen. Die Region gehört zu den ärmsten Gebieten Nigerias. Hinzu kommen die fortschreitende Wüstenbildung und die Folgen des Klimawandels, die zu Wasserknappheit und fehlenden Weideflächen führen – eine fatale Entwicklung für eine Region, in der vor allem Bauern und Hirten leben. Diese Bedingungen sorgen für große Frustration innerhalb der lokalen Bevölkerung und erleichtern dschihadistischen Gruppierungen die Rekrutierung neuer Kämpfer. Der IS-Ableger »Islamischer Staat in Westafrika« kontrolliert inzwischen ganze Gebiete der Region. Auch die militant-islamistische Gruppe Boko Haram, die seit 2002 Tausende Menschen ermordet hat, gewinnt dort wieder an Einfluss. Weltweite Bekanntheit erlangte Boko Haram insbesondere durch die Massenentführungen von Schülerinnen.
Die US-Regierung hatte Ende vergangenen Jahres extremen Druck auf die nigerianische Regierung ausgeübt. Washington behauptete, Christen würden in Nigeria systematisch verfolgt und massakriert, und drohte mit Militärschlägen sowie dem Stopp von US-Hilfen, falls die Regierung nicht stärker gegen die Gewalt vorgehe. Belege für eine systematische Christenverfolgung oder konfessionell motivierte Gewalt legte Washington jedoch nicht vor. Im Dezember folgten schließlich militärische Maßnahmen: Das US-Militär führte Angriffe gegen mit dem IS verbundene Kämpfer durch. Seitdem hat Washington rund 200 Soldaten sowie Drohnen entsandt und damit direkt in den Konflikt eingegriffen. Der Druck der US-Regierung führte zuletzt auch zu einer verstärkten Militärpräsenz und häufigeren Einsätzen der nigerianischen Streitkräfte.
Dabei wird der Konflikt zwischen Militär und dschihadistischen Gruppierungen vor allem auf Kosten der Zivilbevölkerung geführt. Sowohl Christen als auch Muslime fallen der Gewalt zum Opfer. Die Dschihadisten greifen regelmäßig Moscheen, Märkte und öffentliche Plätze an. Doch nicht nur sie sind für Angriffe auf Zivilisten verantwortlich. Laut Berichten von Amnesty International wurden vergangene Woche bei Angriffen der nigerianischen Streitkräfte auf einen Markt im Bundesstaat Zamfara im Nordwesten des Landes rund 100 Menschen getötet. Unter den Opfern befanden sich demnach viele Frauen und Mädchen. Das nigerianische Militär hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die nigerianische Nationale Menschenrechtskommission hat daraufhin die Streitkräfte aufgefordert, eine »gründliche und zügige« Untersuchung der ihrer Meinung nach immer wieder auftretenden zivilen Opfer bei Luftangriffen einzuleiten. Bereits im April waren bei einem Luftangriff auf einen Wochenmarkt in Jilli im Nordosten des Landes rund 200 Zivilisten getötet worden. Das Militär stritt zunächst ab, Zivilisten angegriffen zu haben, leitete aber dennoch eine Untersuchung ein.
In der lokalen Bevölkerung wächst die Sorge über die steigende Zahl ziviler Opfer. »Dieses Muster von Menschenrechtsverletzungen wird zunehmend zur Norm«, erklärte Amnesty International. »Die Dorfbewohner sind die Leidtragenden der Greueltaten bewaffneter Gruppen, von Banditen und des Militärs.« Die Luftangriffe seien rechtswidrig und zeigten eine Missachtung des Lebens von Zivilisten. Das hält Washington und Abuja nicht davon ab, den Einsatz – ungeachtet aller Kritik – als Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus darzustellen.
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