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Ein stiller Sieg

Trump zu Gast in China

Foto: Kenny Holston/The New York Times/REUTERS
Trump wurde in Beijing mit großem Aufgebot und militärischen Ehren empfangen (14.5.2026)

Stimmt schon: Am Ende des Staatsbesuchs von US-Präsident Donald Trump in China wurde der Welt kein Papier vorgelegt, das die neue Machtordnung darlegt. Daraus zu schließen, bei dem Treffen habe es keine wirklichen Entwicklungen gegeben, wäre natürlich verkehrt. Wer registriert, wer welche Themen setzen und durchsetzen konnte, wer am Ende mit welchen »Erfolgen« und welchen Zugeständnissen nach Hause ging, der blickt auf eine so handzahm auftretende herrschende Klasse der USA, wie sie vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre.

Sicher, bei der Handelspolitik mussten die US-Industriellen nicht mit ganz leeren Händen abreisen. Beijing will dem kriselnden Flugzeughersteller Boeing 200 Maschinen abkaufen, ebenso 450 (kein Witz) Motoren von General Electric, dazu einige noch unklare Deals, wie Trump mitteilte. Aber sieht es mittlerweile so aus, wenn die geballte US-Kapitalmacht sich durchzusetzen versucht?

Noch deutlicher die Frage der Computerchips: Nvidia-Chef ­Jensen Huang hatte sich offenkundig erhofft, endlich zu erreichen, dass Beijing seine Blockadehaltung aufgibt und bestimmte KI-Prozessoren aus seinem Hause kauft. Geworden ist daraus nichts. Das Thema sei zwar angesprochen worden, doch die Chinesen »wollen lieber ihre eigenen entwickeln«, so Trump. Klartext: Wir sind aufgelaufen und können da jetzt auch nichts machen.

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Ähnlich in der Außenpolitik. Das einzige wirkliche Zugeständnis, das die USA Beijing abringen konnten, war die Aussage, dass Iran keine Atomwaffen besitzen soll – was ohnehin nicht unbedingt auf der chinesischen Agenda stand. Die offensichtliche US-amerikanische Hoffnung, die Volksrepublik bewegen zu können, Teheran in Washingtons Sinne zu einem Deal zu drängen, wurde nicht realisiert. Und auch bei der Taiwan-Frage trauten sich die US-Vertreter sichtlich nicht, allzu trotzig auf ihrem Standpunkt zu bestehen. »Das letzte, was wir brauchen, ist ein 9.500 Meilen entfernter Krieg«, und: »Wir wollen nicht, dass jemand sagt, wir machen uns unabhängig, weil wir die Vereinigten Staaten im Rücken haben«, so Trump. Ansprüche Richtung Beijing stellte er keine.

Der chinesische Erfolg der zurückliegenden Tage besteht, in diesem Lichte besehen, weniger in den Positionen, die man selbst durchsetzen konnte, als vielmehr darin, aller Welt vorzuführen, mit welch höflicher Zurückhaltung die USA von heute an Beijing herantreten müssen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.05.2026, Seite 1, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Istvan Hidy aus Stuttgart 16. Mai 2026 um 10:25 Uhr
    Ich sehe die Darstellung etwas anders. Erstens: Die chinesische Ölversorgung aus Venezuela wurde faktisch eingeschränkt, und auch die Lieferungen aus dem Persischen Golf sind zumindest erschwert. Die aktuelle Ölkrise wirkt sich daher negativ auf große Teile Asiens aus; der Hauptnutznießer ist derzeit eindeutig Russland. Für die USA ist die Lage differenzierter: Zwar sind die Vereinigten Staaten inzwischen ein bedeutender Energieproduzent und profitieren teilweise von höheren Weltmarktpreisen, zugleich haben jedoch niedrige Benzinpreise innenpolitisch und wirtschaftlich eine zentrale Bedeutung. Steigende Energiepreise wirken dort daher eher ambivalent und werden im Inland vielfach als Belastung wahrgenommen. Zur Taiwan-Frage: Derzeit ist kein erkennbarer Fortschritt zu sehen, da China Taiwan weiterhin als innenpolitische Angelegenheit betrachtet, die niemanden sonst etwas angehe – was allerdings der Realität widerspricht. Ein Konflikt um Taiwan wäre für die USA zwar mit erheblichen Kosten verbunden, würde für China jedoch potenziell noch weitaus größere wirtschaftliche und menschliche Verluste bedeuten. China hat zweifellos erhebliche wirtschaftliche Fortschritte gemacht, bislang jedoch keinen epochalen geopolitischen Durchbruch erzielt. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die eigene kommunistische Wirtschafts- und Systemlogik im Spannungsfeld zu den weiterhin bestehenden marktwirtschaftlichen Elementen stabil weiterzuentwickeln, ohne dabei in strukturelle gesellschaftliche Widersprüche zu geraten.
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