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16.05.20262 Leserbriefe
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Genie und Wahnsinn
Das Schicksal des gesamten Planeten in ihren Händen. Vier Fäuste für ein Halleluja. Weil Medien per definitionem immer auch Aufmerksamkeitserregungsmaschinen sind, musste die Sache noch ein bisschen größer gemacht werden, als sie objektiv durchaus ist. Trump traf Xi in Beijing, und alle schauten hin. Der Anführer der Weltmacht im Niedergang kommt zum Anführer der Weltmacht im Aufstieg. Die welthistorische Bedeutung dieser Rivalität scheint der chinesische Staats- und Parteichef viel deutlicher erfasst zu haben als sein narzisstischer Kontrahent, als nämlich Xi vor der »Thukydides-Falle« warnte. Doch letztlich blieb das schwergewichtige Celebrity Deathmatch ohne handfeste Ergebnisse.
Konstatiert mit Sätzen wie diesen nicht bloß die New York Times: »Es kam nicht zu dem ›großen Deal‹, den viele erwartet hatten. (…) Letztendlich kehrt der Präsident zu steigenden Ölpreisen und einem einbrechenden Anleihemarkt zurück. (…) Der Gipfel scheint selbst die ohnehin schon gedämpften Erwartungen nicht erfüllt zu haben.«
Ähnlich die FAZ: Der US-Präsident werde mögliche Handelsdeals »als Gewinn verbuchen. Doch für die Lösung von Amerikas wahren Problemen nimmt er nichts mit. China kommt Trump im Iran-Krieg kein Stück entgegen.« Und kein Deut besser die Lage in der Taiwan-Frage: »Xi sprach gezielt Taiwan an und warnte davor, dass Amerikas Unterstützung der Inselrepublik zu einem Konflikt mit China führen könne. Vom Weißen Haus war dagegen nichts zu Taiwan zu hören. Das muss in Taipeh für Unruhe sorgen.«
Ein Problem, das auch die Süddeutsche Zeitung umtreibt: »Es klang bei Trump manchmal so, als dürfe sich China ruhig um den Osten kümmern, wenn es Amerika den Westen überlässt. Früher oder später wird sich Trump entscheiden müssen, wie nah ihm dieses ferne Taiwan wirklich ist.«
Wie fern dem US-Präsidenten das nahe Europa ist, beklagt wiederum Les Échos aus Paris: »Aus europäischer Sicht ist es dramatisch, dass diese beiden Staatschefs Entscheidungen zu Themen wie Handel und Naher Osten treffen, die Europa direkt betreffen, ohne dass es dabei ein Mitspracherecht hat. Wurde Europa in den Gesprächen zwischen den beiden Staatschefs überhaupt erwähnt?«
Sorgen der Nichtachtung haben die Chinesen selbstverständlich nicht. Lässig und entspannt kommentiert die South China Morning Post: »China ist Kutusow (gemeint ist der russische General in der Gestaltung von Leo Tolstois ›Krieg und Frieden‹; jW): alt, geduldig und risikoscheu. Es gewinnt, indem es nicht verliert und Eigentore vermeidet oder zumindest weniger und weniger schwerwiegende Fehler macht als die Vereinigten Staaten. (…) Unter solchen Umständen muss Xi nicht viel tun, um wie ein Genie zu wirken.« Was sich mit jedem weiteren Tag von Trumps Amtszeit als wahr erweist. (brat)
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Istvan Hidy aus Stuttgart 16. Mai 2026 um 10:48 UhrDer Kommentar der Jungen Welt erscheint letztlich wie eine geopolitische Variante von Shakespeares Viel Lärm um nichts: große historische Dramatisierung, aber wenig analytischer Ertrag. Dass die USA ihre globale Hegemonialstellung behaupten wollen, ist ebenso erwartbar wie Chinas Bestreben, seine gewachsene ökonomische und geopolitische Bedeutung selbstbewusst, jedoch nicht zwingend offen konfrontativ auszuspielen. Historisch betrachtet ist der Machtverlust etablierter Großmächte kein außergewöhnliches Phänomen. Vieles deutet darauf hin, dass sich der Westen dem Ende einer rund 500jährigen Phase globaler Dominanz nähert – ein Prozess, die für europäische Gesellschaften erhebliche politische, wirtschaftliche und soziale Verwerfung mit sich bringen dürfte. Zugleich bleibt zu hoffen, dass China als sich kommunistisch verstehender Staat nicht jene hegemonialen Macht- und Konfliktmuster reproduziert, mit denen frühere westliche Führungsmächte wie Spanien, Großbritannien oder die USA ihre globale Stellung historisch durchgesetzt und abgesichert haben.
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Reinhard Hopp aus Berlin 15. Mai 2026 um 21:15 UhrNicht der Ober-Irre aus dem Weißen Haus wird über die Zukunft Taiwans entscheiden, sondern Taiwan wird im eigenen Interesse schon bald begreifen, wo seine kulturellen Wurzeln liegen und dass es vom Westen nichts außer seinem physischen Untergang zu erwarten hat. Oder um es pragmatisch zu formulieren: Halte dich an den Sieger!
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