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Handelsbeziehungen USA-China

US-Kapital auf Reisen

Staatsbesuch von Trump in China von zahlreichen Kapitalvertretern begleitet. Handelsgespräche geprägt von Versuch, chinesischen Markt zu öffnen

Foto: Mark Schiefelbein/AP
Viele hohe politische und wirtschaftliche US-Repräsentanten schlossen sich dem Staatsbesuch an (Beijing, 14.5.2026)

Das Treffen der Präsidenten der beiden größten Volkswirtschaften der Welt in Beijing war auch ein Pokern um Handelsbeziehungen. Nicht umsonst wurde US-Präsident Donald Trump bei seinem Staatsbesuch in der Volksrepublik China am Mittwoch und Donnerstag von einer ganzen Entourage US-amerikanischer Großkapitalisten begleitet. Bis zum Donnerstag nachmittag waren bereits einige Deals, Zugeständnisse und Weichenstellungen für die zukünftigen wirtschaftlichen Beziehungen bekannt.

Es genügt ein kurzer Blick auf die Liste von Konzernrepräsentanten, die Trump bei seiner Reise begleitet haben, um die wirtschaftliche Tragweite des Treffens zu verdeutlichen: Zahlreiche Technologiekonzernchefs, darunter Apple-CEO Tim Cook, Tesla-Chef Elon Musk oder auch Jensen Huang, Chef des Chipherstellers Nvidia, wurden begleitet von Größen der Finanzindustrie (darunter Blackrock-Chef Larry Fink nebst den Konzernspitzen von Visa, Mastercard und Goldman Sachs) und Unternehmern wie ­Kelly Ortberg, dem Geschäftsführer des Flugzeugherstellers Boeing. Ihre jeweiligen Branchen sind auf das China-Geschäft essentiell angewiesen – oder erhoffen sich zumindest, dort in Zukunft satte Gewinne machen zu können.

Wobei viele von ihnen keineswegs aus einer Position der Stärke mitgereist sind. Einige, wie Elon Musk, erhofften sich, Handelsdeals erreichen zu können – in Musks Fall laut Medienberichten vor allem bei autonom fahrenden Taxis und humanoiden KI-Robotern. Boeing-Chef Ortberg hingegen hoffte laut Medienberichten auf einen Großauftrag für Passagierflugzeuge aus seinem Haus. Eine solche könnte dem kriselnden Luftfahrtkonzern die dringend benötigte Trendwende bescheren. Bei seinem letzten Staatsbesuch 2017 brachte Trump einen solchen Deal als Erfolgsbeweis auf den Tisch. Andere Technologieunternehmer wie Nvidia-Chef Huang wiederum schielten wohl vor allem auf Zugeständnisse beim Export seltener Erden aus der Volks­republik.

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Insbesondere die Halbleiterindustrie spielt eine gewichtige Rolle in den Handelsbeziehungen und -verwerfungen zwischen den beiden Ländern. Washington hält ein strenges Exportkontrollregime aufrecht, um der Volksrepublik den Zugang zu besonders modernen KI-Chips zu verwehren. Während Beijing diese Ausfuhrbeschränkungen zwar öffentlich scharf kritisiert und auf ihre Aufhebung drängt, wird zugleich eine Strategie des Kapazitätsausbaus im eigenen Land verfolgt. Als »Friedensangebot« genehmigte Washington Ende vergangenen Jahres den Export von H200-Chips des Nvidia-Konzerns an zehn Unternehmen in der Volksrepublik – bisher wurde jedoch nicht ein einziger von China gekauft, wie Reuters am Donnerstag berichtete. Die äußerst kurzfristige Mitreise des Nvidia-Chefs dürfte auch den Zweck verfolgt haben, die chinesische Seite hier zum Einlenken zu bewegen.

Im Bereich der Landwirtschaftsindustrie schien Washington zunächst einen Erfolg erzielt zu haben: Reuters berichtete, dass Beijing während der Gespräche mit der Erneuerung für Einfuhrlizenzen Hunderter US-amerikanischer Fleischexporteure begonnen habe. Nur wenige Stunden später wurden die Erneuerungen jedoch scheinbar wieder zurückgenommen. Die US-Seite hatte angekündigt, die Frage der Agrarexporte bei den Gesprächen anbringen zu wollen.

Von US-amerikanischer Seite wurde im Vorfeld die Idee eines »Board of Trade« ins Spiel gebracht, über das die Warenströme zwischen den beiden Ländern hätten geregelt werden können. Dieses Konzept hat sich scheinbar nicht durchgesetzt. Dafür war am Donnerstag die Rede von einem »Board of Investments«, das chinesische Investitionen in bestimmte »nichtstrategische, nichtsensible« US-Industriesektoren ermöglichen und regulieren soll, wie US-Finanzminister Scott Bessent gegenüber dem Sender CNBC ausführte. Bessent gab ferner an, bei den Gesprächen sei es auch um mögliche Energiedeals zwischen China und den USA gegangen.

Chinas Präsident Xi Jinping teilte dem chinesischen Sender CCTV seinerseits mit, man habe sich mit den USA auf ein Paradigma der »konstruktiven strategischen Stabilität« geeinigt. Diese Leitlinie solle als »positive Stabilität« im Sinne von Kooperation, angemessenem Wettbewerb und »bewältigbaren Differenzen« verstanden werden, so die South China Morning Post. Im Abschlussstatement des Weißen Hauses fand das Konzept jedoch keine Erwähnung. Seine genaue Auslegung bleibt abzuwarten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.05.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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