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Aus: Ausgabe vom 06.03.2026, Seite 6 / Ausland
Krieg gegen Iran

Tod in Teheran

Iran: Ali Khamenei war jahrzehntelang das Oberhaupt der islamischen Republik
Von Karin Leukefeld
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Für Kubas Staatschef Fidel Castro war Ali Khamenei ein Verbündeter gegen den US-Imperialismus (Teheran, 9.5.2001)

Ali Khamenei wurde 1939 in Maschhad im Nordosten des Iran geboren. Sein Vater Sejed Dschawad Khamenei war ein schiitischer Gelehrter und hatte für seinen Sohn ebenfalls ein religiöses Studium vorgesehen. Ali Khamenei ging nach Qom, einem wichtigen Zentrum des schiitischen Islam im Iran, wo er erstmals auch mit Ajatollah Ruhollah Khomeini zusammentraf. Anders als in der älteren Gelehrtenschule in Nadschaf im Irak, die gegenüber der Politik Distanz hielt, entwickelte sich in Qom in den 1950er Jahren ein akademisches Klima, in dem theologische Studien mit Philosophie, Ökonomie und Politik verbunden wurden. Das war die Grundlage, auf der Khomeini das Konzept einer »Regierung der Rechtsgelehrten« entwickelte, dem Khamenei sich früh anschloss. Er wurde zu einem engen Weggefährten Khomeinis, der zeitweise im Irak und in Frankreich im Exil lebte.

Khamenei war 15 Jahre alt, als er den von der CIA und dem britischen Geheimdienst MI6 orchestrierten Putsch gegen den gewählten Premierminister Mohammed Mossadegh erlebte. Mossadegh war ein Gegner des Schahs, bewunderte den ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser und dessen Linie der nationalen Entwicklung. USA und Großbritannien wollten die Verstaatlichung des iranischen Öls verhindern, die Mossadegh angeordnet hatte, und setzten Schah Reza Pahlavi ein. Dieser lud britische und US-Firmen auf die iranischen Ölfelder ein. Khamenei war aktiv in der vielschichtigen revolutionären Bewegung gegen die Herrschaft des Schahs. Sechsmal wurde er verhaftet, 1977 wurde er in die Verbannung in der Provinz Balutschistan geschickt. Nach der Flucht des Schahs im Januar 1979 kehrte Khomeini in den Iran zurück und übernahm als »Oberster Führer« der »islamischen Revolution« die Führung im Iran. Ali Khamenei wurde Mitglied im Revolutionsrat.

In dem Buch »Umbruch im Iran« fasste der langjährige Journalist und Korrespondent Ulrich Tilgner 1979 Augenzeugenberichte, Analysen und Dokumente zusammen, die Aufschluss über die starke Streikbewegung, die den Schah zum Rückzug zwang, und die Entwicklung der revolutionären Bewegung Irans geben. »Das Urteil über die Islamische Republik (sei) schon fertig, bevor sie sich etablieren konnte«, heißt es im Vorwort. Gegenüber dem Schlagwort vom »Rückfall ins Mittelalter« konstatierte Tilgner: Persien habe einen »einmaligen, viele Monate dauernden Volksaufstand erlebt« und suche nun »unter der Führung des Schiitenführers Khomeini einen eigenen, weder von Moskau noch von Washington bestimmten islamischen Weg in die Zukunft«. Khomeini zwinge den Westen, »Persien nicht nur als Ölquelle zu sehen und zu behandeln«.

Die erfolgreiche Revolutionsbewegung zerfiel, die islamische Führung setzte sich gegen Kräfte der säkularen, zumeist kommunistischen Bewegung durch. Viele wurden verhaftet, getötet, viele verließen das Land. Nur ein Jahr später begann der vom Westen und arabischen Golfstaaten befeuerte Iran-Irak-Krieg (1980–1988), der beide Länder wirtschaftlich verwüstete. 1989 wurde Ali Khamenei nach dem Tod Khomeinis vom Expertenrat ins Amt des »Obersten Revolutionsführers« gewählt. Er stellte das Konzept der »Unterstützung der Unterdrückten« gegen Arroganz und Hegemonie als religiöses und ethisches Prinzip in den Mittelpunkt des Handelns, was auch in die Verfassung aufgenommen wurde.

Eines seiner Lieblingsbücher, über das er immer wieder sprach, war »Der stille Don« von Michail Scholochow. Darauf weist der iranische Historiker und Professor für internationale Beziehungen an der Universität Teheran Arash Reisinezhad hin. Der Protagonist des Buches, Grigori Melechow, durchlebe den Ersten Weltkrieg, die Russische Revolution und den Bürgerkrieg und halte dabei an seinem tiefen Ehrgefühl und seiner Widerstandsfähigkeit fest. Der Roman feiere keinen Sieg, sondern handele vom Überleben inmitten von Umbrüchen. Khamenei fühle sich nicht zu distanzierten Beobachtern der Revolution hingezogen, sondern zu Schriftstellern, die aus ihr hervorgegangen seien. Widerstand sei »Treue zu sich selbst«. Dieses Pflichtbewusstsein führte dazu, dass Ali Khamenei an seinem Platz war, als der erste US-israelische Angriff seinen Wohnsitz traf. Das war am 28. Februar 2026.

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