Blutbad im Libanon
Von Karin Leukefeld
UN-Generalsekretär António Guterres hat am Wochenende Libanon besucht, um den Menschen dort seine Solidarität zu zeigen. In Gesprächen mit der Regierung und UN-Hilfsorganisationen forderte er »Waffenstillstand, Diplomatie und Dialog«, um den Krieg zu beenden. Die Hisbollah forderte er auf, das Gewaltmonopol der libanesischen Regierung zu respektieren.
Hunderttausende Inlandsvertriebe aus dem Süden Libanons suchen derweil Schutz in der Hauptstadt. Benötigt werden Unterkünfte, Essen, Kleidung, medizinische Versorgung und für Schüler und Studierende Zugang zum Onlineunterricht, der seit Anfang März wieder angeboten wird. Geklärt werden muss auch die Wiederaufnahme der Müllentsorgung. Das Unternehmen Ramco, das im Zentrum von Beirut dafür zuständig ist, kann aufgrund großer Staus auf den Straßen die Müllkippe nicht erreichen. Der Verkehr kann nicht geregelt werden, weil es an Polizeibeamten fehlt.
Angesichts der Hilflosigkeit der Regierung, die Bevölkerung und die Infrastruktur des Landes vor den fortgesetzten Angriffen der israelischen Armee zu schützen, liegen die Nerven blank. Beirut steht unter Druck der US-Regierung, Frankreichs, Deutschlands und Saudi-Arabiens, härter gegen die Hisbollah vorzugehen. Vertreter dieser Staaten haben sich die Forderung Israels zu eigen gemacht, wonach die Hisbollah nicht nur entsprechend der UN-Sicherheitsratsresolution 1701 zwischen der »blauen« Waffenstillstandslinie und dem Litani-Fluss im Südlibanon zu entwaffnen sei. Vielmehr soll dies im ganzen Land geschehen. Wenn das umgesetzt sei, werde Israel seine Angriffe einstellen und sich aus dem Libanon zurückziehen, hatte zuletzt auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seinem libanesischen Amtskollegen Joseph Aoun in Beirut versichert. Eine Garantie dafür gibt es nicht.
Die Hisbollah lehnt es ab, die Waffen abzugeben, solange die Angriffe der israelischen Armee auf Libanon anhalten. Offiziere der libanesischen Armee warnen davor, dass es zu einem neuen Bürgerkrieg führen könne, sollte die Armee versuchen, die Hisbollah gewaltsam zu entwaffnen. Vertreter der USA, Frankreichs und Saudi-Arabiens fordern inzwischen die Entlassung des Oberkommandierenden General Rodolphe Haykal, weil er seinem Auftrag nicht nachkomme.
Berichten zufolge bereitet Israel eine Bodeninvasion vor. Ziel sei es, eine Pufferzone bis nach Sidon zu besetzen. Verbände israelischer Siedler planen schon die Einnahme libanesischer Dörfer, denen sie auf Werbekarten hebräische Namen gegeben haben. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Israel werde die nationale Infrastruktur des Libanon angreifen und Land besetzen, auf dem sich jetzt die Hisbollah aufhalte. Das werde so lange weitergehen, bis die Regierung in Beirut ihre Zusage der Entwaffnung der Hisbollah einhalte.
Am frühen Donnerstag morgen hatten zwei israelische Raketen Autos und Zelte getroffen, in denen Inlandsvertriebene an der Küstenstraße von Beirut, der Ramlat Al-Baida, übernachtet hatten. Es ist unklar, wie viele Menschen dabei getötet wurden. Zehn Personen, sagen Augenzeugen, von sechs oder acht Todesopfern berichten Medien. »Manche der Toten waren zerschnitten«, sagt ein Augenzeuge der Autorin telefonisch. »Ein schreckliches Blutbad. Diese Menschen hatten nichts, nur diese Zelte.« Israel bezeichnet alle seine Ziele als »Hisbollah-Stellungen«, ohne Beweise vorzulegen. Dazu zählten am Freitag auch eine Brücke über den Litani-Fluss und ein medizinisches Zentrum in Bint Dschubail, in dem zwölf Ärzte, Sanitäter und Pfleger massakriert wurden. Kurz zuvor waren in der Ortschaft Sarawana bereits Rettungskräfte unter israelischen Beschuss geraten.
Seit dem 2. März sind damit mindestens 31 Angehörige des Gesundheitswesens im Libanon bei israelischen Angriffen getötet worden. Insgesamt sind circa 700 Todesopfer durch israelischen Beschuss zu beklagen, mehr als 700.000 Menschen wurden gezwungen, ihr Heim zu verlassen. Die israelischen Bomben treiben die Menschen vor sich her und töten sie selbst in Hotels und Wohnungen in Beirut.
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