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08.05.2026
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Krieg unter Kriegsherren
Vielleicht steht das »G« für Groll. Diesen Eindruck erwecken die G7-Staaten dieser Tage jedenfalls. So sollten ihre Handelsminister am Mittwoch in Paris ausloten, wie die hausgemachte Energiekrise gemeinsam abgefedert werden könnte. Kein Leichtes. Zum Ding der Unmöglichkeit wurde es, weil die Beteiligten auch unter- und gegeneinander Krieg führen – bislang zum Glück nur handelspolitisch. Diese kriegerische Diplomatie beschäftigte drei EU-Gremien daraufhin in Gestalt des Handelsabkommens mit den USA. Am Donnerstag befleißigte sich der Blätterwald, die Vorgänge für das deutsche Publikum einzuordnen.
»Überschattet« hätten die Drohung des US-Präsidenten Donald Trump, Fahrzeugimporte aus Europa noch diese Woche mit 25 Prozent zu bezollen, die Verhandlungen in Paris, befand DW. »Besonders betroffen« sei die deutsche Industrie. Täter und Opfer sind beim Auslandsrundfunk der BRD fix ausgemacht. Auf die Frage, ob diese Drohung als »politische Retourkutsche« für Friedrich Merz’ ausnahmsweise kritische Töne zum Krieg gegen den Iran zu verstehen sei, erfuhr DW von der Denkfabrik German Marshall Fund, es sei »wohl nicht nur um die deutsche Autoindustrie, sondern auch um die italienische gegangen«. Immerhin habe sich auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni »kritisch über Trump geäußert«. Offenbar müssen Abweichungen von der Linie der USA hierzulande gerechtfertigt werden.
»Gerungen worden« sei um den Zolldeal »bis in den frühen Donnerstagmorgen«, stieg die FAZ mit einem kleinen Loblied auf den Fleiß der Bürokraten in Brüssel ein. Der »ultimative Durchbruch« sei aber ausgeblieben. Der werde trotz »erkennbarer Annäherung beider Seiten« – im »Trilog«? – und obwohl »die Zeit drängt« auch bis mindestens Mitte Mai auf sich warten lassen, »weil ein Rechtstext zuvor noch von Juristen geprüft und in alle Amtssprachen übersetzt werden muss«. Verzögert habe sich das Ganze aber nur »wegen der trumpschen Drohungen gegen Grönland«. Klären müsse man noch, wie mit möglichen Verstößen der USA umgegangen werden soll und wann das Abkommen enden soll. Es bleibt ebenso spannend wie bürokratisch.
Der Freitag geißelte derweil die »windelweiche Haltung Deutschlands«, das das Ende der Verhandlungen kaum abwarten könne und zu Abstrichen bereit sei, »um Trump zu besänftigen«. Sobald der mit Zöllen drohe, knickten Merz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EVP-Chef Manfred Weber sofort ein. Das gleiche »Appeasement«, womit Trump »nicht beizukommen« sei. »Im Gegenteil: Je nachgiebiger Brüssel im Handelsstreit mit Washington auftritt, desto größer wird der wirtschaftliche und politische Schaden«. Der Rat in Richtung EU: »Nicht schon wieder den deutschen Beschwichtigern folgen«. (nu)
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