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08.05.2026
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Spartiat des Tages: Moritz Schularick
Mit Pauken und Trumpeten in die neue Zeit. Auf die Jungs am Potomac ist kein Verlass mehr, Durchmilitarisierung und Stiftung allgemeiner Wehrfreudigkeit muss man allein wuppen, Europa sich von den USA emanzipieren. Noch je, wenn es um Vorherrschaft ging, wurde das als Befreiung vom Joch verkauft. Zur Tat schreitet dabei stets auch jener Schlag, den Brecht »Tuis« nannte, Influencer mit akademischem Hintergrund.
Ein Paper jagt das nächste. Nun haben der Ökonom Moritz Schularick und vier Mittäter (aus der Rüstungsindustrie u. a.) eine Art Plan vorgezeichnet, nach dem Europa ohne Mehrkosten militärische Eigenständigkeit erlangen könne. Zarte 500 Milliarden innerhalb von zehn Jahren. Die die Autoren nicht als Mehrkosten sehen, da diese Mehrkosten im Zuge der Hochrüstung ohnehin verausgabt würden. Weder Technologie noch finanzielles Potential sei ein Hindernis, allein das Fehlen politischer Einheit. Die Kleinstaaterei in den europäischen Staaten müsse überwunden werden.
Das Stichwort weist nicht zufällig auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, dessen partikularer Zustand eben nicht durch Zusammenwachsen, sondern unter dem Diktat Preußens überwunden kam. Unschwer zu raten, welche Führungsmacht die Autoren für Europa im Blick haben. Auch der Titel der Schrift ist bezeichnend: »Sparta 2.0«. Die Führungsmacht des Attischen Seebunds war nicht Sparta, sondern Athen. Erst ein drei Jahrzehnte dauernder, blutiger Krieg brachte die Hegemonie der Lakedaimonier. Und Sparta, welch ein Vorbild. Für die Wehrtüchtigkeit drillte man dort den Nachwuchs ab Geburt, physisch unzureichende Kinder wurden dem Tod überlassen, zum Initiationsritus der Spartiaten gehörten Jagd und Ermordung von Heloten, leibeigenen Mitbewohnern der Polis. Doch scheiß drauf: À la guerre comme à la guerre, sagen die Franzosen, und die sind ja auch Europäer.
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