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17.04.20261 Leserbrief
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Erfinder des Wassers
Frank Schäfers Buch über Black Sabbath und die Anfänge des Heavy Metal
Wie heißt es in der ersten Strophe von Black Sabbaths »Heaven and Hell« (1980): »Sing me a song, you’re a singer / Do me a wrong, you’re a bringer of evil / The devil is never a maker / The less that you give, you’re a taker«. Die 1968 als Earth gegründete Birminghamer Band gab viel – der Welt den Heavy Metal – und nahm dafür wenig – nur Ruhm und Geld.
Was die einstmaligen Bluesrocker von Black Sabbath jenen bedeuteten, die den Powerchord brauchen wie Fische das Wasser, konnte man 2010 erleben, als Ronnie James Dio (bürgerlich: Ronald James Padavona), Pommesgabelerfinder und Sabbath-Sänger von 1979 bis 1984 und 1991 bis 1993, an Magenkrebs starb. Und als John Michael Osbourne zwei Wochen nach einem großen Abschiedskonzert in der Heimat im Juli 2025 die »Wicked World« verließ, weinten die Kutten allüberall über »Ozzy«. Sie betrauerten ihren »Madman«, der sich in den Nullerjahren auf MTV zur Feile machte, und selbst alles dafür tat, keine 76 Jahre alt zu werden, wäre da nicht Gattin und Managerin Sharon, die jede Eskapade ertrug, selbst den Mordversuch im Drogenrausch des »Fürsten der Finsternis«.
Sucht und Zank sind bekanntlich auch Teil der Bandbiographie von Sabbath. Frank Schäfer, der uns letztes Jahr erst mit einem Buch über Motörhead (Suhrkamp-Verlag) beglückte, und davor mit 100 Seiten zu AC/DC (Reclam-Verlag), hat sich nun auch dem Ursprungsmythos des Heavy Metal angenommen. Kein leichtes Unterfangen, drohen solche Werke doch oft in Huldigungen zu kippen, wenn sie ein Berufsfan für Seinesgleichen tippt, oder es wird in Boulevardmanier ein Skandalnudelsalat serviert, der die Künstlerinnen und Künstler vom Werk als Eigentlichem trennt. Schäfer dagegen gelingt die Verknüpfung von Vita und Albenanalyse. Das angehängte Literaturverzeichnis zeugt davon, dass das bei Wallstein erschienene Bändchen prima in eine Regalreihe passt, neben mehrere Autobiographien, die Schäfer wiederum journalistisch zitiert, also hinter diesem und jenem vom Mythenselbstbildner erinnerten oder gefühlten Fakt ein Fragezeichen setzt.
Der Hippieära entstammend, ging es bei Black Sabbath selten darum, nur von Luft und Liebe zu leben – etwas, das man von Musikerinnen und Musikern, Künstlerinnen und Künstlern allgemein, oft zu dem, was sie tun, obendrauf verlangt, damit sich ihr Schaffen noch schmackhafter verknuspern lässt. Auch Sabbath sind nicht astrein. Sprich: »Plebejer mit gesellschaftspolitischem Engagement« mögen sie (gewesen) sein, wie Schäfer zu »Wicked World« auf dem 1970er selbstbetitelten Debütalbum schreibt. Nicht zu vergessen der Antikriegssong »War Pigs« auf dem Nachfolgealbum »Paranoid« aus demselben Jahr. Aber es brauchte nicht erst professionelle Geschäftsleute wie Sharon Osbourne, damit es bei Black Sabbath auch um den schnöden Mammon ging. Als Sabbath Mitte der 80er – damals tief im Beliebtheitsloch – sogar im weitreichend boykottierten Apartheidssüdafrika auftraten, waren die Gigs vom Management nicht gegen den Willen der Band gebucht worden. »Er habe die Tragweite dieser Entscheidung nicht erkannt und sei ohnehin der Ansicht, man dürfe Musik und Politik nicht vermengen«, paraphrasiert Schäfer mit gebührendem Abstand Interviewaussagen von Gitarrist Tony Iommi, der einzigen personellen Konstante in 57 Jahren Bandbestehen.
Wie kein zweiter im deutschen Metal- und Hardrockjournalismus, liefert Schäfer gestochene Kurzrezensionen zu den Alben der »Stammväter des Genres«, die sich trotz ihres Images als teufelshörige Unterweltler etwa mit der Theodizee beschäftigten und in ihren Lyrics (sowie um die Band selbst) eine Art »Kunstreligion« (Schäfer) schufen. Einzig bleibt dem Autoren vorzuwerfen, dass er gern von »Deutschland« schreibt, wenn er offensichtlich die Bonner Bundesrepublik meint. Es sei ihm verziehen, und »Black Sabbath – Die Erfindung des Heavy Metal« wärmstens empfohlen.
Frank Schäfer: Black Sabbath. Die Erfindung des Heavy Metal. Wallstein-Verlag, Göttingen 2026, 160 Seiten, 20 Euro
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Jonte Svensson aus Örebro / Schweden 20. Apr. 2026 um 10:46 UhrDer Musikhistoriker Ian Christe beschreibt, was die Bestandteile des Begriffs Heavy Metal in »Hippiesprache« bedeuten: »schwer« ist in etwa gleichbedeutend mit »potent« oder »profound«, und »metal« bezeichnet eine bestimmte Art von Stimmung, schleifend und gewichtet wie bei Metall. Das Wort »schwer« in diesem Sinne war ein Grundelement von Beatnik und späterem gegenkulturellen Hippie-Slang. Verweise auf »schwere Musik« – waren typischerweise langsamere, verstärkte Variationen der Standard-Pop-Kost – bereits Mitte der 1960er Jahre üblich, beispielsweise in Bezug auf Vanilla Fudge und Iron Butterfly. Das Debütalbum von Iron Butterfly, das Anfang 1968 veröffentlicht wurde, trug den Titel »Heavy«. Die erste Verwendung von »Heavy Metal« in einem Liedtext bezieht sich auf ein Motorrad im Song der Band Steppenwolf »Born to Be Wild« von 1968: »Ich mag Rauch und Blitz / Heavy Metal Donner / Rennen mit dem Wind / Und das Gefühl, unter dem ich bin«. Eine frühe dokumentierte Verwendung des Ausdrucks erscheint Februar 1967 von Sandy Pearlman im Musikmagazin Crawdaddy zum Rolling Stones Song »Got Live If You Want It« (1966), allerdings eher als Beschreibung des Sounds denn als Genre: »Auf diesem Album geben die Stones Metal. Technologie ist im Sattel – als ein Ideal und als Methode«. Ein weiterer Hinweis erscheint in der Ausgabe vom 11. Mai 1968 des Rolling Stone, in dem Barry Gifford zum Album »A Long Time Comin’« der Band Electric Flag: »Niemand, der Mike Bloomfield zugehört hat – entweder beim Reden oder Spielen – in den letzten Jahren hätte damit rechnen können. Das ist die neue Soulmusik, die Synthese aus White Blues und Heavy Metal Rock«. In der Ausgabe vom 7. September 1968 des »Seattle Daily Times« schrieb die Rezensentin Susan Schwartz, die Jimi Hendrix Experience »hat einen Heavy-Metal-Blues-Sound«. Im Januar 1970 schrieb Lucian K. Truscott zum Album »Led Zeppelin II« für Village Voice, der Klang ist »Heavy« und zieht Vergleiche mit den Bands Blue Cheer und Vanilla Fudge.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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