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Metal

Stunde Null

Frozen Souls drittes Album »No Place of Warmth«

Foto: Frozen Souls/MGMT
Ganz schöne Brummer: Frozen Soul

Es komplettiert das Bild vom Metal der Gegenwart, dass am Tag, als Frozen Souls drittes Album »No Place of Warmth« erschien, Darkthrone »Pre-Historic Metal« herausbrachten und auch Ingested (»Denigration«) mit Neuem aufwarteten. Denn wenn auch nicht ins Prähistorische reisend, so greifen Frozen Soul doch in jene Zeiten des Death Metal zurück, die Ingested mit ihrem vom Grindcore ausgehenden Technizismus hinter sich gelassen haben. »No Place of Warmth« macht als Freudsche Verneinung schon im Titel auf, wieviel Nestwärme das Album verströmt, indem man stets Morbid Angel, Obituary und also die erste Reihe des Death Metal der späten 80er und frühen 90er mithört.

Chad Greens Bärenknurren ist im Retrochic leicht von einem Halleffekt verstärkt, als röhre er aus einer Höhle heraus. Die Abmischung ist schnörkellos, auch wenn man die Stunden im Studio heraushört und nicht wie bei Darkthrone der Eindruck erweckt wird, hier habe jemand zu Beginn einer Live-Session den Aufnahmeknopf gedrückt und fertig.

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»Ground to nothing / Concealed in snow / Reduced to / Absolute zero / Absolute zero« – keine Minute lang ist »Absolute Zero«, das Stück, für das Green mit seinen Growls den Eingang zum Abgrund aufmacht, von dem wir seit Dante wissen, dass die Hoffnung leider draußen bleiben muss. Der einen in die Hölle hinabstoßende Bassdrop hier, der Group-Shout-Chor bei »Killin’ Time (Until It’s Time to Kill«) dort, lassen vermuten, dass auch Frozen Soul nicht vor 35 Jahren eingefrostet und 2018 aufgetaut worden sind, sondern durchaus mit den Hardcore-Anleihen operieren, die Puristinnen und Puristen zum Boykott veranlassen mögen.

Heikler dagegen ist die Unsitte, so kurze Alben mit so vielen Features zuzuknallen, wohlwissend, dass ein Song mit dem omnipräsenten Egoshouter Robb Flynn (Machine Head) und den Death-­Metal-Herrschern der 2020er, Sanguisugabogg, dazu führt, dass die Songs auch in deren Playlisten landen und zu entsprechender Reichweite gelangen. Hätten Frozen Soul es bei der charmant-abwegigen Liaison mit Gerard Way belassen, der für seine Liveleistungen als Sänger von My Chemical Romance viel Gescholtene, der für »No Place of Warmth« den inneren, von transsilvanischem Hunger überkommenen ­Nocturno Culto entdeckt hat, ließe sich wenig lamentieren. Aber wie einst Brecht, halten es auch Frozen Soul mit beidem: Dem guten Alten, und dem schlechten Neuen.

→ Frozen Soul: »No Place of Warmth« (Century Media)

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.05.2026, Seite 10, Feuilleton

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