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Aus: Ausgabe vom 02.04.2026, Seite 1 / Titel
Kriegsgefahr

Krieger brauchen Kontra

Die USA riskieren mit dem Iran-Krieg nicht nur den Kollaps der Weltwirtschaft, sondern auch einen Weltkrieg
Von Arnold Schölzel
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Mehr denn je seit ihrem Entstehen sind die Ostermärsche, ist Protest gegen Krieg nötig. Zumal in Deutschland, das laut Kanzler die »stärkste konventionelle Armee« in Europa aufstellen will. Friedrich Merz will schon jetzt den NATO-Stellvertreterkrieg in der Ukraine nicht enden lassen, weil Russland erst militärisch und ökonomisch erschöpft sein soll. »Europa« wiederum muss »seine Sicherheit gegen Russland, nicht mit Russland organisieren«, so der Bundespräsident. Geschichtsvergessen und machtbesessen sind beide, sie stehen für einen Teil der herrschenden Klasse, der aus Geschichte nichts gelernt hat, aber Russenhass in der Bevölkerung verankern will.

Auch der US-Präsident und seine Leute sind repräsentativ: Donald Trump hat gegen den Iran den achten Militäreinsatz seiner zweiten Amtszeit zwar an die zehnmal gewonnen, konnte ihn bis Mittwoch aber nicht beenden. Und will sich als nächstes Kuba vorknöpfen. Trump akzeptiert, dass sein Freund Benjamin Netanjahu das Gazakriegsprinzip – Unbewohnbarmachen ohne jede Rücksicht – auch im Libanon praktiziert. Die EU-Europäer bleiben gewohnt still. Für sie alle gilt das Brecht-Wort: »Die Kapitalisten wollen keinen Krieg, sie müssen ihn wollen.«

Allerdings enden ihre Kriege und Aufrüstungspläne regelmäßig anders als geplant. Über ihre Opfer reden sie kaum noch. Wer’s tut, gilt hierzulande als Extremist oder verbreitet »Hamas-Scheiße« (Bodo Ramelow, Die Linke). Wichtiger als Tote und Verletzte sind ihren Schreibtischhelden Börsenkurse, Spritpreise, die Halbierung der deutschen Wirtschaftsleistung als Folge des Iran-Kriegs, Trumps jeweils neueste Verlautbarung zur NATO-Zukunft oder der Stopp seines Ballsaalbaus am Weißen Haus durch einen Richter. Dafür darf er nach Entscheidung eines anderen nach der Anzahl jüdischer Angestellter an der Universität von Pennsylvania fragen. Auf der Suche nach Antisemitismus. Passt zu Kriegszeiten und dazu, die Todesstrafe ausschließlich für Palästinenser in Israel in Gesetzesform zu bringen.

Kein Krieg des Imperialismus ohne propagandistische Einteilung von Menschen in höher- und minderwertige. Soziale Ungleichheit, also Klassengegensätze, auf die Spitze getrieben bis hin zur mit Leichtigkeit begangenen Massenvernichtung von Habenichtsen dieser Welt sind fester Bestandteil dieser Gesellschaftsform. Trumps Freikorps ICE exekutiert das in den USA in eigenen Lagern, nicht mehr auf Straßen wie in Minneapolis. Und wer von Trump spricht, darf von den faschistischen Techoligarchen, die ihn gemacht haben, nicht schweigen.

Die USA riskieren nicht nur regelmäßig wie durch den Iran-Krieg den Kollaps der Weltwirtschaft, sondern auch einen Weltkrieg. Am 27. Januar wurde die Weltuntergangsuhr auf 85 Sekunden vor Mitternacht gestellt, ein neuer Spitzenwert. Es ist höchste Zeit, wenigstens auf die Straße zu gehen.

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  • Leserbrief von Frank Lukaszewski aus Oberhausen (2. April 2026 um 13:15 Uhr)
    Trumpel-Strategie des Tages? In den nächsten drei Tagen werden die »Märkte« sowohl der USA als auch Europas geschlossen sein. Das wäre tatsächlich eine vermeintlich »gute« Option für das US-Regime zu Landoperationen im Iran.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (2. April 2026 um 09:11 Uhr)
    »Halbierung der deutschen Wirtschaftsleistung als Folge des Iran-Kriegs«, das stimmt so nicht, da sind zwei verschiedene Fakten durcheinandergewürfelt worden. Es war die ukrainische Wirtschaftsleistung, die sich ab 2013 in Folge der russophoben Politik halbiert hatte. In Deutschland halbiert sich einstweilen nur das Wirtschaftswachstum in Folge des Iran-Krieges. Aber was nicht ist, kann schnell werden. Man arbeitet fleißig daran, den Ukraine-Krieg nach Deutschland zu holen. Der Deutschlandfunk hat – siehe jW-Medienschau vom 30.3. – den bösen Russen schon mal frei Haus die völkerrechtliche Legitimation für einen Angriff auf Europa und die USA geliefert. Die war zwar nur als Rechtfertigung des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran gedacht. Aber über den eigenen Horizont und über die akuteste Interessenlage hinauszublicken, das hat man im Westen schon lange verlernt. Man meint, das Völkerrecht gelte je nach Gusto mal auf die eine und mal auf die andere Weise. Wer derart eine Willkürherrschaft zur Herrschaft des Rechts erklärt, der lässt auch die Deutschen ihr eigenes Grab schaufeln und verkauft ihnen das als Arbeit für Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit. Die Rufe, den Gürtel enger zu schnallen, sind längst da.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

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