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Aus: Ausgabe vom 31.03.2026, Seite 7 / Ausland
Krieg gegen Iran

Dichtung und Wahrheit

Gezielte Angriffe Irans auf US-Anlagen und jene verbündeter Staaten gehen trotz gegenteiliger Behauptungen aus Washington und Tel Aviv unvermindert weiter
Von Lars Lange
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Israel gibt an, dass die Ölraffinerie in Haifa am Montag von Teilen einer abgefangenen iranischen Rakete getroffen wurde

Der Krieg gegen Iran geht in den zweiten Monat und weitet sich aus. Seit Beginn der US-amerikanisch-israelischen Aggression am 28. Februar wurden mindestens 1.550 Zivilisten im Iran getötet, 1.238 im Libanon und 100 im Irak. Am Montag bestätigte Teheran den Tod des Kommandanten der Marine der Revolutionsgarden, Aliresa Tangsiri. In den vergangenen 48 Stunden griff Iran Ziele in mindestens fünf mit den USA verbündeten Ländern an, während die Kriegsallianz ihre Luftangriffe auf iranisches Gebiet fortsetzt. In den vergangenen Tagen wurden dabei auch mehrere Universitäten zerbombt. Betroffen sind drei Hochschulen in der Hauptstadt Teheran sowie die technische Universität in Isfahan. Als Reaktion drohte das Korps der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) mit Vergeltungsangriffen auf Ableger von US-Hochschulen in der gesamten Golfregion.

Iran setzt unterdessen seine Angriffe auf die militärische und ökonomische Basis der US-Verbündeten fort. So wurden am Wochenende in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) der Aluminiumkonzern Emirates Global Aluminium (EGA) und die Industriezone Mussafah in Abu Dhabi von iranischen Raketen getroffen, das Werk habe »erhebliche Schäden« davongetragen, hieß es. In Bahrain geriet die Aluminiumhütte Alba – die weltweit größte an einem einzigen Standort – unter Beschuss. Die Sperrung der Straße von Hormus hat bereits zu Einschränkungen bei den Aluminiumlieferungen in die Exportmärkte der USA und Europas geführt. Im Irak trafen Angriffe unter anderem das vom US-Mineralölkonzern betriebene wichtige Ölfeld Madschnun im Süden des Landes.

Als einer der folgenreichsten Einzelschläge gilt der Angriff auf die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien südlich von Riad in der Nacht zum Freitag. Iran kombinierte dabei mindestens eine ballistische Rakete mit mehreren Langstreckendrohnen zu einem koordinierten Präzisionsangriff; mindestens zehn US-Soldaten wurden verletzt, mindestens zwei schwer. Zerstört wurde eine E-3 »Sentry« AWACS, ein zentrales luftgestütztes Frühwarn- und Führungsflugzeug der US-Luftwaffe. Bildmaterial zeigt den ausgebrannten hinteren Rumpf, iranische Satellitenaufnahmen sollen den Treffer auf dem Rollweg belegen. Vor Kriegsbeginn hatte die US Air Force über 16 einsatzbereite Maschinen verfügt, sechs davon im Nahen Osten. Der Verlust trifft Washington an einem neuralgischen Punkt: Die E-3 bündelt Luftraumüberwachung, Zielzuweisung und operative Führung. Zusätzlich wurden bis zu sechs KC-135-Tankflugzeuge beschädigt. Bereits frühere Angriffe auf die Basis hatten Verluste verursacht; am 1. März wurde dort ein US-Soldat getötet. Insgesamt sind laut Wall Street Journal inzwischen mehr als 14 US-Militärflugzeuge beschädigt oder zerstört worden.

In Israel schlug ein Splitter einer abgefangenen ballistischen Rakete Irans am Sonntag in ein Pestizidwerk des Unternehmens Adama nahe Beerscheba ein und löste einen Großbrand aus. Das Umweltministerium gab nach Messungen vor Ort Entwarnung wegen möglicher Belastungen der Luft. In der Region befinden sich neben einer Industriezone auch zahlreiche Militärbasen. Am Montag wurden ein Industriegebäude und ein Treibstofftank in der Nähe des Hauptstützpunktes der israelischen Marine in der nördlichen Stadt Haifa von Trümmerteilen einer abgefangenen Rakete getroffen, wie die Feuerwehr mitteilte.

Treffermuster deuten darauf hin, dass Iran über aktuelle, hochauflösende Lagebilder der Flugzeugpositionen verfügte – möglicherweise aus chinesischen oder russischen Satellitenquellen. Die Behauptung, Irans Raketenkapazitäten seien durch die anhaltenden Angriffe nachhaltig geschwächt worden, lässt sich anhand verfügbarer Daten kaum aufrechterhalten. Grafiken des Silverado Policy Accelerator zeigen den gleitenden Dreitagesdurchschnitt iranischer Abschussaktivität in der Operation »Wahres Versprechen 4«. Sie basieren auf Daten der israelischen Streitkräfte sowie der Verteidigungsministerien der VAE, Saudi-Arabiens, Katars, Kuwaits und Bahrains. Demnach stiegen die täglichen Raketenstarts zuletzt wieder an – von einem Tiefstand von 23 um den 23. März auf 40 am 29. März. Auffällig ist zudem, dass die Drohnenzahlen im Vergleich zur geschätzten iranischen Produktionskapazität von 10.000 Stück pro Monat vergleichsweise niedrig bleiben, was darauf hindeutet, dass Iran seine Bestände bislang bewusst zurückhält.

Washington bereitet sich unterdessen nach Angaben der Washington Post auf möglicherweise wochenlange Bodeneinsätze vor, die vorrangig auf eine Öffnung der Straße von Hormus abzielen würden. Parlamentssprecher Mohammed Bagher Ghalibaf ließ am Wochenende keinen Zweifel an der iranischen Antwort: »Unsere Männer warten darauf, dass amerikanische Soldaten den Boden betreten.«

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