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Krieg im Iran

Werden Sie in den Krieg der USA und Israels eintreten?

Iran: Die kurdische PJAK ist für einen »dritten Weg« zwischen den Regional- und Großmächten, sagt Zagros Enderyarî

Foto: Vahid Salemi/AP/dpa
Schwere Angriffe der USA und Israels auf ein Öllager in Teheran (8.3.2026)

Seit fast zwei Wochen greifen die USA und Israel den Iran an. Teheran schlägt seinerseits zurück. Immer wieder wird gemeldet, der Großteil der iranischen Verteidigungskapazitäten sei bereits vernichtet. Manche behaupten gar, die Islamische Republik stehe schon kurz vor dem Zusammenbruch. Wie sehen Sie die Lage auf dem Boden?

Im Krieg zwischen dem Iran auf der einen und den USA und Israel auf der anderen Seite wurden schwere Angriffe gegen militärische und logistische Einrichtungen des Iran durchgeführt. Gleichzeitig sind das iranische Staatsoberhaupt und eine große Anzahl von Militärkommandanten getötet worden. In Teheran und in den westlichen Teilen des Landes, zu denen auch Ostkurdistan gehört, wurden viele Militär-, Sicherheits-, Radar- und Logistikzentren der Islamischen Revolutionsgarde und der Armee angegriffen. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass die militärische Macht des Regimes vollständig zerstört wurde. Das Regime hat sich schnell an die Kriegssituation angepasst und versucht, den Schaden zu begrenzen, indem es seine Streitkräfte an andere Orte wie Schulen, Moscheen, Sportzentren und Regierungsgebäude verlegt hat. Das Regime bereitet sich auf einen langen Krieg vor.

Wie steht es um die Lage der Zivilbevölkerung im Iran und in den kurdischen Gebieten?

Durch den fortschreitenden Krieg ist die Lage für die Menschen sehr schwierig geworden. Grundlegende tägliche Bedarfsgüter sind knapp, das Internet ist vollständig abgeschaltet, und es kommt häufig zu Stromausfällen. Israelische Angriffe auf die nun in den Städten stationierten Streitkräfte haben viele zivile Opfer gefordert. Viele Städte sind unter strenge Sicherheitskontrolle gestellt worden, und all dies geschieht nur kurz nach der Tötung einer großen Zahl von Demonstranten während der Proteste vor zwei Monaten. Infolgedessen ist die Lage der Menschen im gesamten Iran und insbesondere im östlichen Kurdistan, wo viele der Angriffe stattfanden, äußerst ernst und kritisch geworden.

Immer wieder wurde in den vergangenen Tagen behauptet, kurdische Verbände könnten auf seiten der USA und Israels in den Krieg eintreten. Was sagen Sie zu diesen Spekulationen?

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass dieser Krieg weder der Krieg des kurdischen Volkes noch eines anderen Volkes im Iran ist. Die USA und Israel verfolgen in diesem Krieg nur ihre eigenen Interessen und kümmern sich nicht um die Forderungen des kurdischen Volkes oder der Völker des Iran. Daher ist für uns klar, dass keine strategische Allianz mit den Vereinigten Staaten gebildet werden kann. Wir werden nur dann in diesen Krieg eingreifen, wenn die Gefahr besteht, dass unser Volk vom Regime massakriert wird und wir es verteidigen müssen, oder wenn sich die Lage so verändert, dass sich eine reelle Chance für einen politischen Wandel ergibt. Derzeit ist eine solche Situation aber nicht erkennbar.

Ihre Organisation hat erklärt, dass sie im aktuellen Konflikt auf keiner Seite, sondern auf der Seite des Volkes stehen wird. Was können wir darunter verstehen?

Wir haben stets betont, dass ausländische Interventionen, insbesondere Kriege, nicht zu Demokratie führen können. Wir setzen unsere Hoffnungen nicht auf Weltmächte, die bei der Konfrontation mit der Diktatur im Iran nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Unser Hauptprinzip ist es, einen dritten politischen Weg zwischen den globalen und regionalen Hegemonialmächten zu beschreiten. Dabei geht es um die Organisation und Aufklärung unseres eigenen Volkes. Unter diesen Kriegsbedingungen, unter denen beide Konfliktparteien den Willen der Völker ignorieren und nur ihre eigenen Machtinteressen verfolgen, müssen die Völker des Iran ihre Solidarität und Einheit stärken und sich von den Gefahren dieses Krieges fernhalten. Gleichzeitig sollte jede Gelegenheit genutzt werden, um die Demokratie auszubauen und ein dezentrales Regierungssystem zu schaffen, das die Rechte aller Völker des Iran achtet. Wir bestehen weiterhin darauf, dass die Lösung in den demokratischen und populären Forderungen der »Frau, Leben, Freiheit«-Revolution besteht: ein demokratischer und dezentralisierter Iran, in dem die Kurden Autonomie genießen.

Interview mit Zagros Enderyarî, Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten der Partei für ein freies Leben in Kurdistan PJAK

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.03.2026, Seite 2, Ausland

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