Welche Veränderungen wären in der Polizei notwendig?
Interview: Carmela Negrete
Sie haben innerhalb der katalanischen Polizei das Kollektiv »Policías Antifascistas« gegründet. Wie kam es dazu?
Diese Plattform in Spanien entstand mit der Veröffentlichung des Manifests der »Policías Antifascistas«. Es fasst ein Gefühl vieler Beamtinnen und Beamter zusammen, das sich bislang kaum ausdrücken oder organisieren ließ, weil entsprechende Organisationen und Gewerkschaften fehlten – eine Ausnahme bildet die »Agrupación Reformista de Policía« in der Policía Nacional. Die Plattform versteht sich sowohl als Organisationsform als auch als öffentliche Einladung an gesellschaftliche Gruppen, die der Polizei traditionell kritisch gegenüberstehen: Es ist mit unserer Rolle vereinbar, progressiv oder offen links und selbstverständlich antifaschistisch zu sein. Gerade deshalb sollten Antifaschistinnen und Antifaschisten auch polizeiliche Räume mitgestalten.
In Ihrem Manifest heißt es, die Hegemonie der extremen Rechten innerhalb der Polizei müsse bekämpft werden. Welche konkreten Ereignisse haben Sie dazu gebracht, diesen Schritt für notwendig zu halten?
Man könnte sagen, dass in Spanien seit vielen Jahren die Polizei als »wenig freundlich« gegenüber den kämpferischsten gesellschaftlichen Sektoren wahrgenommen wird. Das hängt damit zusammen, dass Menschen mit dem Wunsch, die Gesellschaft zu verändern und die bestehende Ordnung zu konfrontieren, um sie zu verbessern, oft auf das Bild von Bereitschaftspolizeieinheiten stoßen, die Demonstrationen auflösen. In den vergangenen Jahren gab es zudem eine Art Aneignung durch ultrarechte Bewegungen – etwa solche, die mit sogenannten Desokupación-Organisationen verbunden sind. Innerhalb des Polizeikollektivs beginnt sich das zu »normalisieren«. Es wird kaum diskutiert, sondern als etwas Natürliches angesehen. Policías Antifascistas will hier ein klares Zeichen setzen. Wir werden nicht zulassen, dass sich diese Verhältnisse weiter verfestigen.
Eines Ihrer Ziele ist, das Vertrauen zwischen der Bevölkerung und der Polizei wieder aufzubauen. Welche konkreten Veränderungen wären Ihrer Meinung nach notwendig, um das zu erreichen?
Allein, dass es uns als Gruppe gibt, ist für viele gesellschaftliche Teile bereits eine positive Nachricht. Sie können sehen, dass sich Polizistinnen und Polizisten selbst organisieren, um klar und ausdrücklich »Nein« zum Faschismus zu sagen. Gleichzeitig ist es im Grunde auch besorgniserregend, dass das überhaupt notwendig ist. Wir hoffen, dass faschistische Haltungen wieder als beschämend wahrgenommen werden.
Das Projekt basiert auf fünf Säulen, darunter Menschenrechte, Selbstkritik und demokratische Absicherung. Welche davon muss innerhalb des Apparats am dringendsten umgesetzt werden?
Der Respekt vor den Menschenrechten. Zumal unser Rechtssystem im spanischen Staat genau darauf basiert, und Handlungen, die diese nicht respektieren, streng bestraft werden. Die Demokratie zu verteidigen ist genauso bedeutend. Und ohne Selbstkritik kann sich die Polizei nicht weiterentwickeln. Ein Beispiel dafür ist der Korpsgeist, der in unserem Beruf eine Rolle spielt. Häufig befindet man sich in Situationen, mit denen man nicht einverstanden ist, etwa bestimmte Haltungen gegenüber Bürgerinnen und Bürgern, und schweigt dann in dem Moment, um einen Polizeieinsatz nicht zu komplizieren. Später kann man das vielleicht mit dem Kollegen oder der Kollegin besprechen, aber es sind sehr schwierige Situationen, mit denen viele zu kämpfen haben und von denen sie uns berichten.
Sie sprechen auch von einer internationalen Perspektive. In welche Länder hatten Sie bereits Kontakt?
Wir stehen in Kontakt mit der brasilianischen Organisation »Policiais Antifascismo«, die 2017 gegründet wurde und Pionier einer Polizeiorganisation mit klar antifaschistischem Charakter war. Wir ermutigen Polizistinnen und Polizisten in anderen Ländern, ähnliche Initiativen zu gründen, damit es nicht nur bei nationalen Organisationen bleibt und wir ein weltweites Netzwerk antifaschistischer Solidarität aufbauen können.
Adrián Rodríguez ist Mitbegründer von »Policías Antifascistas« und Beamter der katalanischen Polizei Mossos de Esquadra
policiasantifascistas.com
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