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13.03.2026
- → Feminismus
Attacken gegen Feministinnen in Spanien
Viele Frauenrechtlerinnen, Politikerinnen und Journalistinnen werden derzeit von Ultrarechten bedroht
Spaniens Feministinnen haben in den vergangenen Jahren viel erreicht: vom Gesetz für sexuelle Freiheit bis zum Gesetz, das mittlere und große Unternehmen zu gleichem Lohn für gleiche Arbeit verpflichtet. Mehr Frauenhäuser, weniger Steuern auf Binden und Tampons sowie die Möglichkeit, sich bei einer schmerzhaften Periode krankschreiben zu lassen. Noch wichtiger: mehr Freistunden zur Pflege von Angehörigen. Männer, die Gewalt gegen Frauen ausüben, haben jetzt harte Strafen zu gewärtigen. Diese Fortschritte haben Frauen ermächtigt, und jedes Jahr gibt es im ganzen Land große Demonstrationen zum Frauenkampftag am 8. März.
Dieses Jahr wurden die Kundgebungen jedoch von Gewalt und Drohungen überschattet. Zuletzt wurde am Mittwoch die Festnahme zweier Männer bekannt, die der Podemos-Generalsekretärin Ione Belarra mit dem Tod gedroht und sie auf übelste Weise belästigt hatten. Die spanische Nationalpolizei nahm einen 49jährigen in Toledo und einen 30jährigen in Valencia fest. Sie sollen im Internet mehr als 300 Nachrichten voll Hass und Beleidigungen einschließlich Morddrohungen an die linke Oppositionspolitikerin gesendet haben. Darunter: »An dem Tag, an dem ich dich in Madrid sehe, schieße ich dir eine Kugel in den Kopf, feminazistische kommunistische Drecksau.«
Diese Botschaft spiegelt den Hass wider, der vielen Wortführerinnen des spanischen Feminismus derzeit entgegenschlägt. Die EU-Abgeordnete von Podemos und frühere Gleichheitsministerin Irene Montero erhielt ebenfalls Drohungen von einer ultrarechten terroristischen Organisation namens »Netzwerk 764«: Man werde sie an ihrer Wohnadresse aufsuchen und töten, heißt es darin. Die Informationsbrigade der Polizei hat das laut der Onlinezeitung Diario Red als glaubwürdig eingestuft. Montero sagte am Montag in Madrid, dass sie sich nicht einschüchtern lasse. Sie und ihr Mann, der frühere Podemos-Chef Pablo Iglesias, haben jahrelang Demonstrationen von spanischen Faschisten vor ihrer Wohnungstür ertragen müssen.
Auch andere Parteien sind betroffen. Die Sprecherin der Podemos-Abspaltung Más Madrid, die feministische Politikerin Rita Maestre, machte vergangene Woche bekannt, dass sie ebenfalls von Rechten belästigt werde. Sie hatten offenbar ihre Adresse in mehreren Foren veröffentlicht, als würde dort Sex gegen Bezahlung angeboten. Seitdem klingelten in der Nacht und auch am Tag immer wieder Männer, häufig betrunkene.
Die feministische Ikone und Journalistin Sarah Santaolalla wird auf ähnliche Weise attackiert. Nicht nur in den sozialen Netzwerken, sondern, wie sie betonte, auch vor ihrer Wohnung. Zuletzt wurde sie bei einem Gerangel am Arm verletzt, als ein rechter Youtuber sie auf der Straße bedrängte. Sie ist nicht die einzige Medienvertreterin, die wegen ihres Feminismus Morddrohungen erhält. Auch Cristina Fallarás wird bedroht: Auf ihrem Instagram-Account dokumentiert sie systematisch, anonymisiert Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Frauen, von denen sie erfährt. Sie musste bereits mehrmals umziehen, weil ihr zu Hause Ultrarechte auflauerten, zuletzt Anfang März. In Madrid wurde sie bereits verfolgt und geschlagen. Nun wohne sie außerhalb der Metropole, wie sie mitteilte, doch man habe ihre Adresse erneut veröffentlicht, und sie sei dort bereits dreimal nachts belästigt worden.
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