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05.05.2026
- → Feuilleton
Welches Gefühl verbinden Sie mit Kuba?
Nicolás Miquea hat für Ende Mai ein Solidaritätskonzert organisiert. Das Land gibt der ganzen Welt Hoffnung, sagt er
Vor kurzem sangen Sie bei einer Demonstration für Kuba. Kam Ihnen dort die Idee, ein Solidaritätskonzert mitzuorganisieren?
Das ist hauptsächlich aus Gesprächen mit dem Musiker Pablo Miró und der Schauspielerin Jutta Kausch entstanden. Wir haben mit Pablo schon mehrmals auf Veranstaltungen der Friedensbewegung gespielt. Aber auch zu anderen Anlässen, zum Beispiel auf Demos gegen den Völkermord in Palästina oder gegen die Blockadepolitik der USA. Jutta Kausch ist schon seit vielen Jahren in der Friedensbewegung aktiv. Als wir über die Situation in Kuba sprachen und über das Schweigen im Westen, entstand bei uns das Bedürfnis, zu helfen, so gut wir können. Sehr schnell hatten wir dann ein Konzert für den 22. Mai organisiert. Denn der US-Imperialismus versucht heute offener denn je, die Kontrolle über Kuba zu erlangen und die Kubanische Revolution zu zerstören. Das dürfen wir nicht zulassen.
War es schwierig, einen Ort für das Konzert zu finden?
Wir haben darüber gesprochen und zwei Tage später gab es schon einen Veranstaltungsort. Im Kino Babylon wird mittlerweile eine bestimmte Form des Widerstands akzeptiert. Dort organisierte die junge Welt bekanntlich eine Hommage an Víctor Jara (1973 von Soldaten der faschistischen Pinochet-Diktatur ermordeter chilenischer Musiker, jW). Die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese sprach über Menschenrechte in Palästina. Und im vergangenen Jahr fand ein kubanisches Filmfestival statt, das die filmischen Errungenschaften der Insel würdigte.
Welche Künstler wird man beim Konzert sehen und hören können?
Pablo Miró, Nicky Márquez, das Trio Cuba, Caro Kunde und den Rapper Kon Ta. Jutta Kausch wird die Moderation übernehmen. Das soll kein Event mit vielen Reden oder Diskussionen werden, sondern ein Konzert mit solidarischen Künstlern, die bereit sind, Kuba auch konkret zu helfen. Neben Rapsongs und Liedermacherstücken wird auch traditionelle kubanische Musik zu hören sein. Pablo wird bekannte Lieder der politisch engagierten lateinamerikanischen Musik singen, zum Beispiel von Víctor Jara. Kon Ta befasst sich als Rapper mit Themen wie Migration, Kolonialismus und Imperialismus. Ich selbst mache Musik mit sozialen Inhalten, teilweise auch experimentell und poetisch. Es ist ein insgesamt sehr vielfältiges Programm.
Welches Gefühl verbinden Sie mit Kuba, mit den Kubanerinnen und Kubanern?
Als ich 2020 auf Kuba bei einem Treffen von Liedermachern war, kurz vor der Coronapandemie, wurde ich für eine Dokumentation interviewt und gefragt, wie ich Kuba in einem Satz beschreiben würde. Ich sagte: Hoffnung. Man sieht diese Hoffnung in den Menschen, die täglich kämpfen. Kuba ist eine lebendige Gesellschaft, in der die Menschen jeden Morgen aufstehen, um für ihre Autonomie zu kämpfen, ungeachtet der Kosten ihrer Rebellion gegen die verbrecherischen Handlungen des Imperialismus. Zugleich ist es auch eine Hoffnung für die Welt. Wenn ein Land von der Weltordnung dafür bestraft wird, dass es nach Alternativen zum Kapitalismus sucht und dann Erfolge wie die Kubanische Revolution erzielt, bedeutet das für den Rest der Welt, dass wir die Hoffnung nicht aufgeben dürfen, auch gegen dieses System zu rebellieren und für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen.
Und auf der künstlerischen Ebene?
Auch da ist Kuba eine große Inspiration. Es ist ein kleines Land, aber eine kulturelle Macht. Überall ist Musik. Im Vergleich dazu ist Brasilien im Grunde ein Kontinent der Musikkultur mit afrikanischen Rhythmen, avantgardistischen Künstlern, großen Schriftstellern, bedeutenden Filmemachern und all dem. Kuba ist all das auch, aber konzentriert auf einer kleinen Insel. Viele Menschen wissen beispielsweise nicht, dass Kuba auch in klassischer Musik oder Ballett sehr stark ist.
Für Liedermacher ist die kubanische Trova (auch als La Nueva Trova Cubana bekannt, wobei »Trova« als Sammelbegriff für Volkssänger gilt, jW) extrem wichtig. Die fließt durch die Adern spanischsprachiger Liedermacher auf der ganzen Welt. Künstler wie Silvio Rodríguez oder Pablo Milanés haben weltweit Einfluss. Den von Rodriguez hört man sowohl bei einem spanischen Liedermacher als auch bei argentinischen oder chilenischen Musikern. Kulturell ist das also eine sehr große Inspiration, und seit ich denken kann, ist zum Beispiel der bedeutendste Literaturpreis der Casa de las Américas-Preis für Poesie. Das heißt, in jeder Hinsicht ist Kuba eine Inspiration – als kulturelle Kraft und als ideologischer Widerstand gegen die imperialistische Hegemonie, die so lange versucht hat, all jene zu Fall zu bringen, die einen anderen Weg suchen.
Wofür wird das Geld gesammelt?
Wir sammeln Geld für die Landkooperative »Juanelo Casanueva«, die an einem Fluss liegt. Wir möchten ihnen Solarpanels schicken, und dafür brauchen wir etwa 45.000 Euro. Alle Künstler treten kostenlos auf, und das gesamte Geld geht an dieses Projekt.
Nicolás Miquea ist chilenischer Liedermacher und Dichter. Er tritt am 22. Mai im Berliner Kino Babylon im Rahmen des Solidaritätskonzerts »Canto por Cuba« auf
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