Schneller abwärts
Von Arnold Schölzel
Am Sonnabend ging der Überfall der USA und Israels auf den Iran und den Libanon in die vierte Woche, d. h., Donald Trump und Benjamin Netanjahu haben es militärisch vergeigt. Erreicht haben sie den Tod von inzwischen Tausenden, satte Gewinne der Erdölkonzerne und Panik im Wechsel mit Euphorie an Börsen und Rohstoffmärkten. Über ersteres reden sie nie, das übrige reden sie schön – oder reagieren dann doch einmal auf die »Märkte«, obwohl Trump nur auf seine eigene Moral hört, nicht aufs Völkerrecht oder gar auf Verbündete, die für ihn Feiglinge sind. Er chaotisiert Politik und Konjunktur.
Eine subjektive Angelegneheit ist das nicht, er hört ja auf Aktienkurse binnen Minuten. Am Montag schmierten die Börsen nach seinem Ultimatum an den Iran, innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus freizugeben, sonst habe das Land bald keine Energieversorgung mehr, ab. Um 12 Uhr Mitteleuropäischer Zeit schossen sie wieder in die Höhe, und der Ölpreis rutschte abwärts, weil Trump die Fristsetzung aussetzte und für fünf Tage auch die angedrohten Angriffe. Weil es mit Teheran »sehr gute und konstruktive« Gespräche gegeben habe, was iranische Offizielle sofort dementierten. Der Ölpreis sank aber postwendend um mehr als zehn Prozent, und nicht nur der deutsche Aktienindex machte alle Verluste im Handumdrehen wett.
So schleppt sich der Krieg dahin, und das Tempo des Wechsels von Spekulantensorge zum Gewinnmachen erhöht sich. Trump und seinesgleichen verlassen sich darauf, dass ihre Zeche diejenigen zahlen, die am wenigsten haben. Es gibt höhere Instanzen für Trump als die eigene Moral, Wähler interessieren dabei grundsätzlich nicht – ebensowenig wie Opfer eines US-Angriffskriegs. Er ist der unberechenbare Repräsentant einer Gesellschaft, die notwendig unberechenbarer im Abstieg wird. Sie vergeigt nicht nur ohne Pause diesen und jenen Kolonialfeldzug, sie spielt auch stets mit dem dritten Weltkrieg. Die faschistischen Oligarchen aus dem Silicon Valley, die Thiel, Karp, Musk und andere haben Trump zur öffentlichen Figur und zum Präsidenten gemacht. Sie kalkulieren mit dem permanenten Desaster, das zum endgültigen werden kann, und wissen, wer ihr Hauptfeind ist. La Stampa zitierte am Mittwoch aus den Vorlesungen, die Peter Thiel in Rom hielt: »Xi Jinping ist Rassist und eine Reinkarnation Hitlers.«
Die hetzerische Phrase drückt einen realen Gegensatz aus. China steht für ein Interesse an Stabilität, die USA mit ihrem NATO-Anhang fürs Gegenteil, vor allem für einen Angriff nach dem anderen. Oder mit Brecht (in den 50er Jahren): »Die Kapitalisten wollen keinen Krieg, sie müssen ihn wollen.« Gegenwärtig haben die westeuropäischen US-Verbündeten kalte Füße, sie wollen zuerst Russland am Boden sehen, bevor es um China geht. Trump und seine Leute können darauf keine Rücksicht nehmen.
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