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Aus: Ausgabe vom 20.03.2026, Seite 10 / Feuilleton
Leipziger Buchmesse

Weimer witzelt

Die Leipziger Buchmesse ist eröffnet
Von Peter Merg
Leipziger Buchmesse - Demonstration.jpg
Einer hat’s nicht leicht, und der heißt Weimer

Die Stimme ist etwas brüchig, aber Profi bleibt Profi. Abwiegeln kann er, der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, und tat dies auch am Mittwoch abend bei der feierlichen Eröffnung der Leipziger Buchmesse im örtlichen Gewandhaus routiniert. OB Burkhard Jung (SPD) schenkt ihm einen ein für die auf Eis gelegte Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek? »Die Mahnung habe ich wohl vernommen.« Buhs und »Rücktritt«-Rufe? »Wir sollten ein Haber-mas-Verfahren anwenden.« Hosch a Witzle gschissa, sagt der Schwabe. Irgendwas kann jeder, selbst Weimer.

Nur sich nicht vor dem Gewandhaus blicken lassen, zumindest an diesem Abend nicht, denn dort demonstrierten ein paar hundert für seine Ablösung. Man nimmt ihm seine Gesinnungsschnüffelei bei Buchhandlungen übel. Aufgerufen hatte das Netzwerk »Leipzig nimmt Platz«, gekommen waren die »Omas gegen rechts«, Kollegen des Verdi-Bezirks Leipzig-Nordsachsen und manch eine aus der Buchbranche. In den Reden DDR-Vergleiche (geht in der Heldenstadt nicht ohne) und Aufrufe zum Canceln von AfD und Compact (ist ja schon mal gutgegangen). Wieviel »Links« steckt in diesen Liberalen? Zum Schluss ein Gruppenfoto mit Büchern und roten Karten. Der Beobachter bekommt Flashbacks der Kundgebungen der Verlage gegen Rechts vor acht Jahren.

Im Laufe des Tages war Weimer übrigens in Sachen DNB-Erweiterungsbau bereits zurückgerudert. Eigentlich geht es bei dem Festakt um die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung an einen Antikommunisten oder wen anderes, den man gegen Putin in Stellung bringen kann. Omri Boehm vor zwei Jahren war ein Ausrutscher. Oder doch nicht? Über das literarische Schaffen des kroatisch-bosnischen Schriftstellers Miljenko Jergović kann man geteilter Meinung sein, sein ausschweifendes ironisches Erzählen über die Gewaltgeschichte des Balkans ist entweder phantastisch oder frivol. Aber ein 1966 in Sarajewo geborener Bosnier, der sich für die Perspektive der serbischen Minderheit in der belagerten Stadt interessiert und sich mit der kroatischen Regierung anlegt, wegen ihres Nationalismus, der Förderung faschistischer Umtriebe und ihrer »Mittäterschaft in Gaza«, hat unser Ohr. Laudatorin Barbi Marković sagte in ihrer launigen Rede: »Jede dieser (Jergovićs, jW) Geschichten ist ein Plädoyer für unschubladisierbare mäandrierende Menschlichkeit.« Das macht neugierig. Auf Jergovićs Bücher und ein bisschen auch auf diese Messe.

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