Blackout durch Blockade
Von Kurt Terstegen
Es ist die unverblümte Sprache des Imperialisten: »Kuba, das ist eine wunderschöne Insel. Tolles Wetter. Ich werde die Ehre haben, Kuba einzunehmen. Ob ich es befreie oder einnehme – ich glaube, ich kann damit machen, was ich will«, tönte Donald Trump am Montag (Ortszeit) vor Journalisten im Weißen Haus.
Während der US-Präsident Kuba erneut als »gescheiterten Staat« bezeichnete, legte ein Blackout – bereits der dritte großflächige Stromausfall innerhalb von vier Monaten – die sozialistische Inselrepublik lahm. Die Ursachen für den umfassenden Stromausfall auf dem gesamten kubanischen Territorium seien noch unklar und würden derzeit von den Behörden ermittelt, hieß es am Montag aus dem Ministerium für Energie und Bergbau. Es werde daran gearbeitet, mehrere thermische Kraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, erklärte der für die Elektrizitätsversorgung zuständige Direktor des Ministeriums, Lázaro Guerra. In verschiedenen Landesteilen seien sogenannte Mikrosysteme reaktiviert worden, informierte das Ministerium über erste Fortschritte. Doch von einer flächendeckenden Wiederherstellung der Stromversorgung konnte bis jW-Redaktionsschluss noch keine Rede sein.
Nach mehr als sechs Jahrzehnten US-Blockade, durch die auch die Lieferung von Ersatzteilen für Kraftwerke verhindert wird, ist der kubanische Energiesektor stark geschwächt. Insbesondere das seit Januar von den USA verhängte Ölembargo hat das sozialistische Kuba in eine bislang beispiellose Bedrohungssituation gebracht. Die Insel habe seit drei Monaten keine Öllieferungen mehr erhalten; insbesondere der Gesundheitssektor stehe vor existentiellen Herausforderungen, hatte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel Ende letzter Woche Alarm geschlagen.
US-Präsident Donald Trump hatte wenige Tage nach Beginn des Krieges gegen Iran bereits das nächste Ziel seiner imperialen Gelüste benannt: Kuba. Es sei »nur eine Frage der Zeit, bis viele großartige Menschen nach Kuba zurückkehren können«. Gemeint sind damit die antikommunistischen exilkubanischen Hardliner aus Florida, zu denen auch US-Außenminister Marco Rubio zählt. Es sind vielfach Nachfahren der nach der Revolution 1959 aus Kuba geflohenen alten Ausbeuterklasse, die seit Jahrzehnten den ökonomischen und militärischen Druck auf Havanna erhöhen und auf eine direkte Militärintervention zur Wiederherstellung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse drängen.
Nach Angaben der kubanischen Regierung steht Havanna seit letzter Woche in direktem Kontakt mit der Führung in Washington. Internationalen Medien zufolge werden die Vermittlungsbemühungen insbesondere von der Regierung Mexikos sowie vom Vatikan unterstützt. Díaz-Canel – dessen Absetzung laut New York Times ein zentrales Ziel Washingtons bei diesen Gesprächen ist – erklärte, dass der 94jährige ehemalige Präsident Raúl Castro als zentraler Verhandlungspartner fungiere. In einer Presseerklärung bekräftigte die kubanische Regierung, sie handle konsequent im Einklang mit den revolutionären Prinzipien. Erfolgreiche Gespräche seien nur auf Grundlage gegenseitigen Respekts gegenüber den unterschiedlichen Systemen denkbar. Ein erstes Zugeständnis hat Havanna bereits beschlossen. Ab sofort dürften im Ausland lebende Kubaner – auch aus den USA – auf der Insel investieren und Besitz erwerben, kündigte Oscar Pérez-Oliva Fraga, Vizeministerpräsident und Minister für Außenhandel und Investitionen, am Montag abend im kubanischen Staatsfernsehen an.
21. März: Kundgebung zum globalen Tag gegen die Blockade Kubas. Um 13 Uhr am Brandenburger Tor Berlin
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Marian R. (17. März 2026 um 18:58 Uhr)Kuba hat selbstlos immer alles gewagt – bis 1975 in Angola; 1991/1992 für die Kinder von Tschernobyl, Anfang der 2000er im Kampf gegen Ebola in Westafrika, während der Coronapandemie usw. China und Russland schwangen große Worte und errichteten (Russland) ein Denkmal für den Revolutionär Che – das ist billig und verlogen! Wo bleibt die Flotte chinesischer Öltanker? Warum liefert China weiter seltene Erden in die USA? Jetzt, wo es darauf ankommt, herrscht Tagespolitik vor. Der Begriff Sozialismus wird dadurch bis zur Unkenntlichkeit verwässert – von echter, wirksamer Hilfe, die dem USA-Kapitalismus Grenzen aufzeigt, keine Spur.
- Antworten
-
Leserbrief von Wieland König (18. März 2026 um 13:05 Uhr)Die Aussagen dieses Kommentars sind völlig richtig und sachlich untermauert. Aber auch Kuba selbst kann man nicht unkritisch lassen. Bei aller Achtung der kubanischen Taten für andere »Bruderländer«, aber Kuba selbst hätte auch für sich mehr tun können und sollen. Die Karibik hat fast das ganze Jahr Sonne und Wind. Warum hat man sich nicht mit China oder auch Vietnam zusammentun können, um beispielsweise Windkraftanlagen und Sonnenkollektoren, ggf. auch Stromspeichermöglichkeiten zu errichten? Lieferungen unter Umgehung der Blockade hätten sich in der heutigen globalisierten Welt doch garantiert gefunden. Warum hat sich auf Kuba so gut wie keine Industrie entwickelt, die außer Kuba-Rum, Zigarren und Rohrzucker etwas exportiert? Warum hat man hier nur auf diese Exportgüter und auch auf Tourismus (am liebsten in Dollars) gesetzt? Man wartete viel zu lange, inzwischen fast 60 Jahre, auf Hilfe von außen. Wie die »brüderliche Hilfe« der Sowjetunion aussah, das haben wir in der DDR zur Genüge kennenlernen müssen. Da war das eigene Hemd in letzter Konsequenz doch immer wichtiger als alles schöne Gerede. Das Geschwätz der Politiker bringt weder Strom noch Nahrungsmittel, Medikamente oder Textilien. Aber wenn in Kuba wie auch im ehemaligen Ostblock die Wirtschaft unter dem Zepter der Politik steht, dann ist eines Tages alles dunkel, kalt und hungrig. Bei aller Liebe zum kubanischen Volk, aber hier haben Castro und Co. eindeutig versagt.
- Antworten
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (18. März 2026 um 15:17 Uhr)Die Kubaner werden solche herzlichen Worte und guten Ratschläge sehr zu schätzen wissen. Sie sind hilfreich wie der Ruf an einen, dem das Messer an den Hals gehalten wird. »Warum bist du nicht eher davongelaufen!«
- Antworten
Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:
Ähnliche:
Norlys Perez/REUTERS16.03.2026Dialog mit vorgehaltener Waffe
REUTERS/Norlys Perez12.03.2026Gefahr einer »Cubastroika«?
Kevin Lamarque/Reuters11.03.2026Ein Schild, sie zu knechten