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Aus: Ausgabe vom 04.03.2026, Seite 6 / Ausland
Kuba

Bis an die Bordkante bewaffnet

Angriff auf Kuba mit Schnellboot war von langer Hand geplant und vorbereitet. Havanna legt Ausmaß des Versuchs offen, Unruhen anzuzetteln
Von Volker Hermsdorf
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Ein ganzes Arsenal von Waffen konnte die Küstenwache bei den Angreifern sicherstellen (Havanna, 27.2.2026)

Da der erhoffte Aufstand in Kuba trotz der von Washington herbeigeführten schweren Krise bisher ausbleibt, versuchen ausländische Provokateure, Unruhen zu provozieren. In Havanna wurden am Wochenende zehn aus Panama eingereiste Personen verhaftet, die nach eigenen Angaben für das Anbringen konterrevolutionärer Plakate angeheuert wurden.

Die Vorgänge erinnern an den Beginn des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898, der das Zeitalter der sogenannten Yellow Press einläutete. Ein vom US-Zeitungsbaron William Hearst nach Kuba entsandter Korrespondent kabelte damals etwa, dass dort alles ruhig sei und es keinen Krieg gäbe. Der an dem Konflikt interessierte Multimillionär erwiderte mit Blick auf die gewünschte Darstellung von unter dem spanischen Militär leidenden Kubanern: »Liefern Sie ein paar Bilder, dann liefere ich den Krieg.« Auch die aus Panama eingeschleusten Contra-Helfer handelten im Auftrag, wenn auch mit anderer Zielsetzung. Wie sie bei ihrer Vernehmung einräumten, sollten Aufrufe mit »subversiver, gegen die verfassungsmäßige Ordnung gerichteter« Propaganda verbreiten. Dafür seien ihnen pro Person zwischen 1.000 und 1.500 US-Dollar angeboten worden, die sie bei ihrer Rückkehr nach Panama erhalten sollten.

Schwerwiegender waren die kurz zuvor vereitelten Pläne der bewaffneten Contra-Gruppe, die mit einem Schnellboot aus Florida am 25. Februar in kubanische Gewässer eingedrungen war. Am Freitag präsentierte das Innenministerium in einer Sondersendung im staatlichen Fernsehen die Waffen und weitere Details: So hatten die zehn Angreifer unter anderem 14 Sturm- und Kampfgewehre sowie 12.846 Patronen unterschiedlichen Kalibers, »Militärgerät«, elf Pistolen, 134 Magazine, kugelsichere Westen, ein Stromaggregat, Satellitenausrüstung, eine Drohne und Uniformen an Bord. »Der Plan sah vor, ins Land vorzudringen, öffentliche Unruhen anzuzetteln, Militäreinheiten anzugreifen und weitere Gewaltakte zu verüben«, teilte Oberst Ivey Daniel Carballo von der Grenztruppe mit, deren Boot der Küstenwache beschossen und dessen Kapitän bei dem Angriff schwer verletzt wurde. Kubas Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossío verwies darauf, dass zwei der als Amijail Sánchez González und Jordán Enrique Cruz Gómez identifizierten Angreifer, auf einer Terroristenliste standen, die Havanna bereits vor einiger Zeit an die US-Behörden übermittelt hatte. »Aber sie genossen in den USA Straflosigkeit«, kritisierte de Cossío.

Wie am Dienstag veröffentlichte Recherchen des Onlineportals Cubadebate ergaben, war die versuchte Landung in Kuba »weder ein improvisiertes noch ein sehr diskretes«, sondern ein zuvor angekündigtes Ereignis. Laut einer Analyse von 114 Beiträgen auf Social-Media-Plattformen kursierten wochenlang Bilder, Videos und Texte, in denen einige der Beteiligten großkalibrige Waffen zur Schau stellten, Erklärungen mit kriegerischem Ton abgaben und die Vorbereitung einer gewaltsamen Aktion gegen Kuba andeuteten. Der Schusswechsel vor der Küste, bei dem vier Angreifer getötet wurden, war keine spontane, sondern eine geplante, angekündigte Tat.

»Die Konzentration feindseliger Diskurse gegen Kuba, die Validierung durch feindliche Mediensysteme, die Existenz radikalisierter politischer Netzwerke und die Kultur der Zivilbewaffnung schaffen einen fruchtbaren Kontext für diese Art von Initiativen«, fasst Cubadebate das Ergebnis der Recherchen zusammen. Auch die aggressiven Diskurse von Donald Trump, Außenminister Marco Rubio und anderen US-Politikern bereiten den Boden für gewalttätige Contra-Aktionen. Jüngstes Beispiel dafür sind Äußerungen des republikanischen Senators Lindsey Graham, der am Montag (Ortszeit) erklärte, nach den Luftangriffen auf den Iran könne Kuba nun das »nächste Ziel« der USA sein. »Kuba ist als Nächstes dran. Sie werden fallen«, so der als enger Vertrauter von Donald Trump geltende Senator.

Auch wenn immer mehr Länder die kubanische Bevölkerung mit humanitärer Hilfe unterstützen, verschärft sich der Treibstoffmangel. Der Tanker »Sea Horse«, der mit 200.000 Barrel russischem Rohöl nach Kuba unterwegs war, hat offenbar gestoppt und treibt seit vergangener Woche im Nordatlantik, wie Schiffsverfolgungsdaten zeigen. Das Aufstoppen der »Sea Horse« folge auf ähnliche Manöver anderer Tanker, meldete das US-Nachrichtenportal Bloomberg. Es verweist darauf, dass US-Militärs bislang mindestens zehn Tanker mit »sanktioniertem Öl« gekapert haben.

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